Tagesordnungspunkt

TOP Ö 9.1: Trinkwasserversorgung;
Optimierung der Wassergewinnung (Erhöhung der Wasserentnahmemenge) durch Errichtung neuer Brunnen bzw. einer Quellfassung an den Trinkwassergewinnungsanlagen Öxing (Hochholz) und Aiterndorf;
Vergabe der Ingenieurleistungen für die Brunnenerkundung

BezeichnungInhalt
Sitzung:08.12.2020   BWA/005/2020 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage wurde am 01.12.2020 zur Verfügung gestellt. Der Verwaltungsvertreter führte den Tagesordnungspunkt aus.

 

A)   Grundlagen

 

1.    Versorgungssituation

Die Stadt Grafing b.M. betreibt 3 Wasserversorgungsanlagen: Aiterndorf, Hochholz (Öxing), und in Elkofen. Sämtliche WVA sind aufgrund bestehender technischer Leitungsverbindungen eine einheitliche (rechtliche) Gesamtanlage (Art. 21 GO). Die jeweiligen wasserrechtlichen Bewilligungen (§ 14 WHG) sind befristet (30 Jahre) und endeten am 31.12.2014 (WVA Hochholz/Öxing) bzw. 31.12.2016 (WVA Aiterndorf). Die gehobene Erlaubnis (§ 15 WHG) für die WVA Elkofen endete am 31.12.2015.

 

Seit dem Zeitablauf der Bewilligungen / Erlaubnisse liegen einfache wasserrechtliche Erlaubnisse vor, die die Stadt Grafing b.M. vorübergehend – bis zur Neuerteilung der Bewilligungen – zur Wassergewinnung berechtigen. Die Verzögerungsgründe sind trotz rechtzeitiger Einleitung der wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren für die Neuerteilung vielfältig. So haben sich Verzögerungen durch die notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPG) ergeben. Einen immensen Aufwand betreibt die Stadt Grafing b.M. seit 2013 (seit mittlerweile 7 Jahren !!!) für die Überprüfung des Wasserschutzgebietes für die WVA Hochholz (Öxing). Dort hat sich die Stadt Grafing b.M. ohne Rechtspflicht dazu entschlossen, im Zuge des Bewilligungsverfahrens auch das Wasserschutzgebiet auf seine Richtigkeit zu überprüfen. Anlass waren die massiven Bürgerproteste gegen die „Biogasanlage Rotter Straße“ und der dort geäußerten Zweifel an dem ordnungsgemäßen Zustandekommen der Wasserschutzgebietsverordnung vom 03.05.2005 und damit einer Gefährdung der Belange der Trinkwasserversorgung durch die Biogasanlage.

 

Es wird jetzt erwartet, dass die hydrogeologischen Untersuchungen für das Wasserschutzgebiet der WVA Hochholz (Öxing) im Jahr 2021 zum Abschluss gebrachten werden. Damit kann dann auch die Bewilligung für die dortige Grundwasserentnahme wohl 2021 abgeschlossen werden. Auch für die WVA Elkofen ist aufgrund des erreichten Verfahrensstandes zu erwarten, dass 2021 die wasserrechtliche Bewilligung erteilt wird. Für die WVA Aiterndorf, die ca. 75 % der benötigten Trinkwassermengen liefert, wurde die wasserrechtliche Bewilligung am 03.03.2020 erteilt für die Zeit bis zum 31.12.2040.

 

Die WVA Elkofen hat eine bewilligte Entnahmemenge von 40.000 m³/Jahr. Für die Brunnen Hochholz (Öxing) bestand zwar eine zugelassene Entnahmemenge von 910.000 m³/Jahr. Seit der Aufgabe des Brunnens I in den 1990er Jahren beträgt das Fassungsvermögen (Ergiebigkeit) der verbliebenen Brunnen II, III und IV in Öxing jedoch lediglich noch max. 350.000 m³/Jahr. Auf diese Entnahmemenge hin erfolgt derzeit noch die Überprüfung der Wasserschutzgebietsverordnung mit anschließendem Neuerlass der (geänderten) Wasserschutzgebietsverordnung und der wasserrechtlichen Bewilligung.

Die Wasserentnahmemenge für die beiden Brunnen in Aiterndorf war gemäß der Bewilligung vom 08.04.1987 beschränkt auf max. 70 l/s und max. 3.500 m³/Tag. Die jährliche Gesamtentnahmemenge ist auf 1,2 Mio. m³/Jahr beschränkt. Eine max. monatliche Entnahmemenge ist nicht geregelt. Die Besonderheit der Bewilligung liegt darin, dass die Gesamtentnahmemenge zusammen mit den „4 älteren Brunnen östlich des Hochbehälters“ gilt. Dabei stellt die Bewilligung auf die Brunnen Hochholz (Öxing) ab und bewilligt eine für beide WVA geltende Gesamtentnahmemenge von 1,2 Mio. m³/Jahr. Eine jährliche Maximalentnahmemenge für Aiterndorf oder auch den Mindestanteil für die Entnahmemenge aus dem Brunnen Hochholz enthielt die Bewilligung 1987 jedoch nicht.

 

Erst im Zusammenhang von Fachgesprächen beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (November 2018) hinsichtlich der Zulassung der Wasserentnahmemenge für die Brunnen Öxing im Umfang von max. 350.000 m³/Jahr und hinsichtlich der Wirksamkeit der dortigen Schutzgebietsausweisungen wurde von der Stadt Grafing b.M. erstmals erfasst, dass die von der Bewilligung 1987 für die Brunnen Aiterndorf abgedeckte Entnahmemenge nicht bei 1.200.000 m³/Jahr liegt, sondern es sich hierbei um eine Gesamtentnahmemenge mit den Brunnen Hochholz (Öxing) handelt.

Diese Fehlinterpretation der in dieser Regelungsform sehr missverständlichen und auch ungewöhnlichen Begrenzung der Entnahmemenge ist nicht nur der Stadt und dem Fachgutachter, sondern auch dem Landratsamt Ebersberg unterlaufen, die z.B. im Jahr 2017 die vorübergehende wasserrechtliche Erlaubnis für Aiterndorf (also ohne Hochholz) für eine Grundwasserentnahme von 1,2 Mio. m³ erteilt hat.

 

Tatsächlich liegt für die Brunnen Aiterndorf die zulässige Entnahmemenge bei ca. 850.000 m³/Jahr. Die durchschnittliche Entnahmemenge in den vergangenen Jahren lag bei ca. 803.000 m² im Jahr; es wurden aber auch in den Jahren 1990/1991 schon bis zu 948.000 m² im Jahr entnommen. Aus diesem Grunde wurde von der Stadt Grafing b.M., nachdem die Fehlinterpretation der behördlichen Entnahmemenge erkannt wurde, eine hydrogeologisch Untersuchung für eine mögliche Erhöhung der Entnahmemenge veranlasst. Mit Bericht vom 06.02.2019 (Crystal Geotechnik, Wasserburg) wurde festgestellt, dass aufgrund des Fassungsvermögens (Ergiebigkeit) der Brunnen eine Erhöhung auf bis zu 950.000 m² möglich wäre. Jedoch sind bei einer Entnahmemenge von mehr als 850.000 m³ Auswirkungen auf das Wasserschutzgebiet zu erwarten, die dann noch zu ermitteln wären. Da aber eine Vergrößerung des Wasserschutzgebietes – das im Zustrombereich nach Norden bereits bis zur Mitte des Stadtgebietes (Glonner Straße) reicht – an der Schützbarkeit scheitert, sind aus diesem Grunde keine nennenswerten Möglichkeiten für eine Erhöhung mehr zu erkennen.

 

Die Bewilligung vom 03.03.2020 erlaubt nunmehr eine Gesamtentnahmemenge von jährlich 850.000 m³ und max. 7,3 l/s, 3.500 m³/Tag, 70.000 m³/Monat. Gemeinsam mit den übrigen Wasserversorgungsanlagen stehen damit 1.270.000 m³ im Jahr an Trinkwasserentnahmemenge zur Verfügung.

 

2.    Trinkwasserverbund mit der Stadt Ebersberg

Seit dem Jahr 2002 beschäftigt sich die Stadt Grafing b.M. mit der Forderung der Fachaufsichtsbehörde, eine vollwertige Versorgungsalternative zu den Aiterndorfer Brunnen zu schaffen. Damals war die Fortführung der Wasserentnahme aus den Aiterndorfer Brunnen anlässlich einer Wasserschutzgebietsneuausweisung in Frage gestanden. Nachdem die Trinkwassergewinnung Aiterndof mit einem Versorgungsanteil von 75% von entscheidender Bedeutung für die Sicherstellung des örtlichen Trinkwasserbedarfs ist, wäre bei einem Ausfall dieser Wassergewinnungsanlage die Trinkwasserversorgung von Grafing (und damit die bedeutendste gemeindliche Pflichtaufgabe - Art. 57 Abs. 2 GO, § 50 WHG) bei einem Ausfall der Hauptversorgung gefährdet.

 

Nachdem die Wasserversorgung Aiterndorf wieder den damaligen Erkenntnissen gesichert werden konnte, wurde aufgrund dieser Erfahrungen das Ziel einer Verbesserung der Versorgungssicherheit nicht aufgegeben. Als Ziel für eine alternative Versorgung im Fall eines Ausfalls der örtlichen Trinkwassergewinnung war die Zusammenarbeit mit der Stadt Ebersberg in Form einer Verbundlösung. Auch die Nachbarstadt Ebersberg hatte ein besonderes Interesse an einem Trinkwasserverbund. Dort wird das gesamte Stadtgebiet über 2 Brunnen im Ebersberger Forst versorgt, die mit einer über 10 km langen Verbindungsleitung angeschlossen sind. Auch dort fehlten bislang alternative Versorgungsmöglichkeiten bei einem längeren Ausfall bzw. einer Unterbrechung der Gewinnungsanlage bzw. der Zuleitung.

 

Zwischen den beiden Städten wurden im Jahr 2006 die gemeinsamen Voruntersuchungen und Vorplanungen vereinbart, auf deren Grundlage dann die Entscheidung über die Umsetzung des Notverbunds getroffen werden sollte. Das beauftragte Ingenieurbüro hat im Rahmen einer Voruntersuchung vom 20.12.2006 dann die Umsetzung einer Wasserverbundleitung geprüft (Machbarkeitsprüfung). Die rechtliche Verfügbarkeit der Versorgungsmengen wurde dort unter Verweis auf die wasserrechtlichen Bewilligungen für Grafing wie folgt ermittelt:

 

  • Aiterndorf vom 08.04.87 mit einer jährlichen Entnahmemenge von 1.200.000 m³ und
  • Hochholz vom 08.07.85 mit einer jährlichen Entnahmemenge von 920.000 m³

 

Für den damals auf ca. 900.000 m³/Jahr unterstellten Wasserverbrauch für jede der beiden Städte (1,8 Mio. m³ Gesamtaufkommen) wurde damit die Auskömmlichkeit der verfügbaren Wassermengen für eine Verbundversorgung festgestellt.

 

Dabei wurde in den Machbarkeitsuntersuchungen die technische Umsetzung als Ringleitung vorgeschlagen. Akzeptanz und Nutzen der Verbundleitung erhöhen sich dadurch, da die Leitung vor der Inbetriebnahme nicht gespült und desinfiziert werden muss, sondern in kürzester Zeit in Betrieb genommen werden kann. Es besteht dann ein ständiger Durchfluss und es brauchen nur einige Schiebereinstellungen im Übergabeschacht verändert werden.

 

Nach vielen Jahren der Verhandlungen konnten sich die Städte Ebersberg und Grafing schließlich über die Kostenregelung des Trinkwasserverbundes auf der technischen Grundlage einer Ringleitung einigen. Auf dieser Einigungsgrundlage wurden dann bereits die Verträge vorbereitet.

 

Erst kurz vor dem Vertragsschluss wurde von der Stadt erkannt, dass entgegen der bisherigen Einschätzung (Stadt, Fachbehörden) und auch den Erkenntnissen der Machbarkeitsuntersuchungen die verfügbare Wassermenge der WVA Grafing von ca. 1,2 Mio. m³/Jahr nicht ausreichend ist, um für einen längeren Zeitraum auch die Nachbarstadt Ebersberg mit Trinkwasser zu versorgen.

 

Bei einer durchschnittlichen Entnahmemenge von ca. 900.000 m³ im mehrjährigen Jahresdurchschnitt zur Abdeckung der örtlichen Verbrauchsmengen (einschließlich des Wassergastes Frauenneuharting) bleibt bei einer Jahresbetrachtung (aufgrund der festgesetzten Entnahmemengen ist für kürzere Zeiträume eine anteilig höhere Lieferung möglich) lediglich eine überschüssige Liefermenge von ca. 300.000 m³/Jahr. In Notzeiten könnte noch eine zusätzliche Wasserlieferung über den bestehenden Verbund mit der Nachbargemeinde Aßling erwartet werden; dort bestehen Reserven von ca. 100.000 m³/Jahr, die in Zeiten des Notstands zur Verfügung gestellt werden können.

 

Um dennoch die Kooperation bei der Trinkwasserversorgung fortzuführen und um mangels anderer brauchbarer Alternativen zumindest eine Hilfslösung anbieten zu können, wurde dann eine deutlich einfachere Umsetzung vereinbart in Form einer Direktverbundleitung. Anstatt der bisher unterstellten Ringleitung könnten damit die Kosten deutlich reduziert werden von vorher zusammen ca. 2,25 Mio. Euro auf dann insgesamt ca. 900.000 EUR (jeweils ohne Baunebenkosten). Der Nachteil einer nicht ständig durchströmten Ringleitung kann dadurch ausgeglichen werden, dass die Leitung dauerhaft in wechselweiser Richtung betrieben wird. Damit wird der ansonsten für die technische Unterhaltung ohnehin notwendige Funktionsbetrieb der Pumpen etc. durch einen Dauerbetrieb ersetzt und eine ständig wasserdurchströmte Leitung geschaffen. Damit ist ebenfalls ein jederzeit einsatzbereiter Wasserverbund gewährleistet.

 

Für diese deutlich reduzierte technische Verbundlösung wurde am 24.09.2019 eine Zweckvereinbarung mit der Stadt Ebersberg getroffen. Für diese Versorgung wurden im Zuge des Straßenausbau Wasserburger Straße und der Ortskanalisation Wiesham bereits die Voraussetzungen mit einer entsprechend dimensionierten und erneuerten Hauptleitung geschaffen. Die weitere Abwicklung der Baumaßnahme erfolgt durch die Stadt Ebersberg. Die Baugenehmigung für die Übergabestelle ist in Vorbereitung. Mit der Fertigstellung des Trinkwasserverbundes ist im Sommer / Herbst 2021 zu rechnen.

 

3.    Laufende Information über die Trinkwasserversorgung:

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss hat im Rahmen der vielzähligen Beratungen zum Wasserverbund mit der Stadt Ebersberg und der wasserrechtlichen Verfahren zur Bewilligung der Grundwasserentnahme für die Trinkwasserversorgung bzw. die Wasserschutzgebietsermittlungen darum gebeten (vgl. Bau-, Werk- und Umweltausschuss 24.09.2019), in regelmäßigen Abständen über den Stand der Entwicklung zu berichten. Dem wird mit dieser Behandlung entsprochen.

 

B)   Optimierung der Wassergewinnungsanlagen (Erhöhung der Entnahmemenge)

 

In den Gesprächen mit den Fachbehörden und den beauftragten Geologen anlässlich der Diskussion über die Wasserentnahmemengen der WVA Aiterndorf und Hochholz (Öxing) zeigte sich, dass die WVA Aiterndorf noch erhebliche Leistungsreserven aufweist. Diese Erkenntnisse ergaben sich anlässlich der beauftragten Nachuntersuchungen über die Möglichkeit zur Erhöhung der Wasserentnahmemenge im laufenden Bewilligungsverfahren. So weist der Brunnen 1 von Aiterndorf bei einer bewilligten Entnahmemenge (1987) von 20 l/s noch erhebliche Reserven auf, die mindestens der Leistung des Brunnen 2 (50 l/s) entsprechen. Hier besteht die Besonderheit, dass der 1997 durchgeführt Markierungsversuch (Farbmittel) zur Bestimmung des engeren Schutzgebietes (50-Tage-Linie) gegenüber der Siedlung Unterelkofen nur beim Brunnen 2 erfolgreich war (innerhalb der Schutzzone II – engeres Schutzgebiet – dürfen keine Siedlungsbereiche liegen).

Beim Brunnen 1 liegt die 50-Tage-Linie nur auf halber Strecke zu Unterelkofen. Das lässt nach Einschätzung der Geologen auf getrennte Grundwasserleiter schließen. Hier soll jetzt untersucht werden, ob eine Erhöhung der Entnahmemenge nur aus dem Brunnen 1 zu Auswirkungen auf Ausdehnung und Lage des Wasserschutzgebietes führt. Hierzu sind weitere Messstellen einzurichten.

 

Vor allem wurde der sehr ergiebige Quellaustritt östlich der Brunnen 1 und 2 untersucht. Hier treten im Bereich der früheren „Ebersberger Quelle“ ca. 20 l/s frei aus und fließen dann oberirdisch ab. Das zeigt die Möglichkeit, einen weiteren Brunnen (oder Quellfassung) zu errichten. Ob dieser sich auf das Grundwasserangebot der beiden Brunnen auswirkt (allenfalls Brunnen 1), ist noch zu untersuchen.

 

Es ist aufgrund der hydrogeologischen Situation anzunehmen, dass bei einer Nutzung dieses Quellaustritts die Ausdehnung des Schutzgebietes nicht beeinflusst wird. Erforderlich ist dann aber eine Anpassung der engeren Schutzzone. Da sich die für eine Erkundung geeigneten Flächen im Eigentum der Stadt befinden, wäre eine Erkundung für den Bau eines 3. Brunnens (oder einer Quellfassung mit Stollen) ohne vorherige Sicherung der Flächen möglich.

 

Anzumerken ist, dass der Brunnenbau / Quellfassung innerhalb einer naturschutzrechtlichen Biotopfläche liegt (At. 23 BayNatSchG). Die Stadt Grafing b.M. versucht deshalb, geeignete Ausgleichsflächen für die dafür notwendigen Ausgleichs- / Ersatzmaßnahmen zu erwerben.

 

Anzumerken ist, dass daneben in den nächsten Jahren auch eine Erneuerung der Hochbehälter in Hochholz und Katzenreuth ansteht, sowie die Sanierung des Hochbehälter Elkofen. Die Stadt Grafing b.M. wird neben der technischen Ausstattung vor allem die Optimierung der Wassergewinnungsanlagen hinsichtlich der Erhöhung der Entnahmemengen (Aiterndorf) zum Tätigkeitsschwerpunkt machen. Mit dem Trinkwasserverbund mit Ebersberg werden damit die Grundlagen geschaffen, diese bedeutendste gemeindliche Pflichtaufgabe (Art. 57 Abs. 2 GO, § 50 WHG) nachhaltig zu erfüllen.

 

Vorbereitend sind jetzt folgende Maßnahmen vorgesehen zu den hydrogeologischen Untersuchungen einer Kapazitätserweiterung der Wassergewinnungsanlage Aiterndorf. Hinzu kommt, dass sich an den Brunnen der Wassergewinnungsanlage Hochholz (Öxing) eine sukzessive Abnahme der Brunnenleistung einstellt. Eine Brunnenregenerierung im Jahr 2019 war leider erfolglos. Auch hier gilt es, die notwendigen Maßnahmen vorzubereiten, die zur Erhaltung der Erschließungsfunktion dieser Brunnen anstehen.

 

Wassergewinnung Aiterndorf:

 

  1. Untersuchung der Möglichkeiten einer Steigerung der Momententnahme aus dem Brunnen 1 durch Pumpversuche, um die Auslastung von Brunnen 2 wegen Sandführung unter Volllast zu reduzieren.

 

  1. Errichtung einer neuen Grundwassermesstelle sowie Sanierung der Messstelle 134 (Stadlfeld) in Unterelkofen. Diese Pegel werden für eine Überrechnung des 50-Taer-Abstandes im Hinblick auf eine mögliche Erhöhung der maximalen Entnahmemenge herangezogen (Gleichzeitig sind diese Pegel künftig als Vorfeldmessstellen für die Eigenüberwachung zu berücksichtigen; vgl. Bewilligung vom 03.03.2020).

 

  1. Errichtung einer weiteren Grundwassermessstelle im zentralen Zustrom aufgrund der Nebenbestimmung zur Bewilligung vom 03.03.2020. Dieser Pegel dient ebenfalls zur Ermittlung der Veränderungen des Schutzgebietes bei veränderten Entnahmemengen.

 

  1. Die Möglichkeit der Wiedererschließung des Quellaustritts (ehemalige Wasserversorgung Ebersberg) südöstlich der Brunnen 1+2 ist im Hinblick auf eine Erhöhung der Entnahmemenge zu prüfen. Hier sind zunächst Bauzustand, Wasserchemie und Schüttung der Quelle zu untersuchen. Alternativ zur Quellfassung ist die vorrangig zu nutzende Möglichkeit zu prüfen, ob ein zusätzlicher Brunnen oberhalb der Quellfassung möglich ist. Die hierfür notwendigen Untersuchungen zur Niederbringung einer Pegelbohrung für einen möglichen Brunnen 3 sind durchzuführen.

 

  1. Hinzu kommen Grundlagenermittlungen, insbesondere Auswertung früherer hydrogeologischer Untersuchungen zu Bohrungen, Pumpversuchen, Markierungsversuchen und zur früheren Ebersberger Quelle.

 

Wassergewinnung Hochholz (Öxing):

 

  1. Der Brunnen I wurde wegen baulicher und chemischer Mängel in den 1990er Jahren außer Betrieb genommen und war auch nur als Versuchsbohrung ausgebaut. Hier ist ein sachgemäßerer Rückbau und die Errichtung eines Ersatzbrunnens im Nahbereich zu untersuchen, um das Wasserdargebot des Erschließungsgebiet zu optimieren.

 

  1. Für den Brunnen II ist eine Regenerierung zur Erhaltung und Verbesserung der Brunnenleistung durchzuführen; bisherige Regenerierungen sind fehlgeschlagen. Aufgrund der bereits im Vorgriff durchgeführten Maßnahmen ist zur Erhaltung des Erschließungspotentials die Errichtung eines Ersatzbrunnens notwendig; Ausführung ist im Jahr 2024 geplant. Die weiteren Brunnen III und IV sind entsprechend zu untersuchen.

 

Für die Leistungen liegt ein Honorarangebot des Instituts Crystal Geotechnik in Wasserburg vom 23.10.2020 vor. Danach sollen in einer 1. Phase die Untersuchungen und Erkundungen für die o.g. Maßnahmen durchgeführt werden. Optional – also abhängig vom Ergebnis und den Erfolgsaussichten der jeweiligen Maßnahmen wird dann in einer späteren 2. Phase gesondert über die Art und Umfang der Umsetzung entschieden.

 

Dier Ausführung der Leistungen erfolgt im Frühjahr / Sommer 2021; der Abschlussbericht ist im Herbst 2021 zu erwarten.

 

In der anschließenden Beratung schlug ein Ausschussmitglied vor, die Stellen vor Ort anzusehen und einen Einblick des Wasserwartes zu bekommen, da dies eine wichtige Aufgabe für die Stadt sei. Der Sitzungsleiter entgegnete, dass er gerne eine Rundfahrt machen möchte, dies sei aufgrund der derzeitigen Situation durch die Corona-Pandemie jedoch schwierig.

 

Auf Nachfrage erläuterte der Verwaltungsvertreter, dass die Ebersberger Quelle frei ausläuft. Die Ergiebigkeit wird kein Problem sein. Das zentrale Moment sei das Schutzgebiet.

 


Da vor Eintritt in die Tagesordnung beschlossen worden ist, den Bericht über den Tagesordnungspunkt 13 in den öffentlichen Sitzungsteil zu verschieben, erfolgt der Beschluss über die Vergabe der Ingenieurleistungen im nicht öffentlichen Teil.