Tagesordnungspunkt

TOP Ö 4: Liegenschaften,
Stadthalle Grafing,
Konzept Mängelbeseitigung RLT-Anlage

BezeichnungInhalt
Sitzung:06.10.2020   StR/005/2020 
Vorlage:  FB 4/030/2020 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Nach einleitenden Worten erteilte der Sitzungsleiter dem Vertreter der Verwaltung das Wort. Dieser erläuterte die folgende, am 30.09.2020 zur Verfügung gestellte Beschlussvorlage.

 

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss wurde in seiner Sitzung vom 26.09.2017 (TOP 26) darüber informiert, dass eine Schadstoffsanierung der Raumlufttechnischen Anlage (Brandschutzklappen) in der Stadthalle erforderlich ist. Mit einem ersten Kostenrahmen in Höhe von 188.000,00 EUR beschloss das Gremium die Maßnahme „Sanierung der asbesthaltigen Bauteile“ (Brandschutzklappen) im Folgejahr durchführen zu lassen.

 

Im Zuge der darauffolgenden Maßnahmenplanung wurde unter Einbeziehung eines Prüfsachverständigen für RLT-Anlagen festgestellt, dass neben den asbesthaltigen Brandschutzklappen (BSK) weitere sicherheitsrelevante Mängel an der RLT-Anlage bestehen und somit der anlagentechnische Brandschutz nicht eingehalten ist.

Die ursprünglich angedachte „Schadstoffsanierung“ reicht demnach nicht aus, um eine sichere Nutzung der Stadthalle zu gewährleisten.

 

Gemeinsam mit einem Brandschutzsachverständigen wurden die festgestellten Mängel beurteilt und ein Maßnahmenkatalog (organisatorische und bauliche Kompensationsmaßnahmen) aufgestellt, welcher den weiteren Betrieb der Stadthalle Grafing als Versammlungsstätte, bis zur endgültigen Beseitigung der festgestellten Mängel, ermöglicht.

 

Dieses Vorgehen wurde im Juli 2018 mit der unteren Bauaufsichtsbehörde (Landratsamt Ebersberg) abgestimmt, welche daraufhin dem Vorschlag entsprach und eine Duldung der weiteren Nutzung der Stadthalle als Versammlungsstätte erteilte.

 

Da bislang die Situation der RLT-Anlage isoliert betrachtet wurde, sollte als Grundlage für das weitere Vorgehen eine umfassende Bestandsaufnahme der Stadthalle Grafing erstellt werden, um weitere „Überraschungen“ auszuschließen, respektive im Vorfeld weitere Mängel oder Sanierungsnotwendigkeiten aufzuzeigen.

 

Dem Stadtrat wurde schließlich im Juli 2019 eine Konzeptstudie mit mehreren Varianten und entsprechenden Kosten vorgestellt, die als Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen sämtliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadthalle aufzeigte. Angefangen von der Minimalvariante zur Behebung der Mängel an der RLT-Anlage sowie weitere Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen bis hin zur Untersuchung einer Neubauvariante.

 

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und im Hinblick auf noch zu erwartende notwendige Investitionen für die Erfüllung von Pflichtaufgaben empfiehlt die Stadtverwaltung für das weitere Vorgehen eine „Minimalsanierung“ der Stadthalle Grafing anzustreben.

 

Ziel der Sanierung soll die uneingeschränkte Nutzung der Stadthalle Grafing als Versammlungsstätte sein. Das im Weiteren beschriebene Maßnahmenpaket umfasst lediglich die baulichen Eingriffe zur Behebung der Mängel an der RLT-Anlage.

 

Maßnahmenbeschreibung:

Die Stadthalle verfügt über drei RLT-Anlagen, welche Küche, Saal, Foyer und Künstlerumkleiden versorgen. Die Einbausituation der jeweiligen Anlagen und die damit verbundenen Lüftungsleitungsführungen erfordern, aufgrund der Durchdringung mehrerer Brandabschnitte, eine Vielzahl von Brandschutzklappen, welche zudem teilweise verbaut sind und nicht gewartet werden können. Die Anlage für die Küche befindet sich im Dachgeschoss, die Anlagen für Saal und Foyer/Künstler teilen sich einen Aufstellraum.

 

 

Das Ziel des „Minimalsanierungskonzeptes“ ist es, die Durchdringung verschiedener Brandabschnitte zu minimieren (Reduzierung der Brandschutzklappen), sowie die Lüftungsleitungsführungen zu optimieren und die Anlagendimensionierung entsprechend den Notwendigkeiten anzupassen.

 

Eine für den Besucher sichtbare Aufwertung der Stadthalle soll nicht erfolgen. Auch der ursprünglich in der Konzeptstudie vorgesehene Umbau des Stuhllagers, die Sanierung der Künstlerumkleiden- und Duschen sowie die Sanierung der Besucher WCs und des Fliesenbodens im Foyer sind in der Teilsanierung nicht enthalten. Ebenso bleibt eine pauschale Erweiterung der Saalnutzung auf 750 Personen unberücksichtigt. Zudem ist eine uneingeschränkte barrierefreie Nutzung der Stadthalle Grafing, auch nach einer Sanierung der vorhandenen Aufzugsanlage (Foyer/Saal) nicht möglich.

 

Nachfolgend beschriebene Maßnahmen sind in der „Minimalsanierung“ enthalten:

 

1. Küchen-Lüftung u. Einrichtung

-      • Reduzierung der Kochstellen, Geräteaustausch (geringere interne Lasten)

-      • Kompaktlüftungsgerät im Nebenraum, Abluftführung über Fassade

-      • Rückbau der alten Küchenlüftung im DG

-      • Schadstoffentsorgung: nur die notwendigsten Maßnahmen

 

2. Saal-Lüftung

-      • Trennung des Aufstellraums

-      • neue Trassenführung

-      • Schadstoffentsorgung

-      • Herstellung einer geordneten Brandabschnittstrennung

-      • Das Bestandsgerät bleibt erhalten.

Optional: Einbau eines Neugerätes mit geringerer Dimensionierung in Kombination mit natürlicher Lüftung (setzt Umbau der Glasfassade im Saal und Fenster in Galerie voraus)

 

3. Foyer-Lüftung

-      Trennung des Aufstellraums

-      neues Lüftungsgerät

-      neue Trassenführung

-      Schadstoffentsorgung

-      Erneuerung Trockenbau-Decken nach Leitungsverlegung

 

4. Künstlerumkleiden-Lüftung

-      Stilllegung der Duschen und Künstlerumkleiden

Hinweis: Es wird künftig lediglich ein Umkleide-Raum mit natürlicher Lüftung zur Verfügung stehen, eine RLT-Anlage für den Künstlerbereich ist somit nicht mehr notwendig.

 

Das vorliegende Konzept setzt eine Trennung der Brandabschnitte Saal/Dachgeschoss voraus. Der ursprünglich geplante Rückbau (siehe Abbildung unten) der bestehenden Lüftungsleitungen im Dachgeschoss erfolgt nicht. Es werden nur die notwendigsten Rückbaumaßnahmen bzw. Schadstoffsanierungen veranlasst.

 

 

Hinweis: Eine künftige Nutzung der Räumlichkeiten im Dachgeschoss bleibt damit ausgeschlossen.

 

Kostenannahme

Für die erforderlichen Maßnahmen an den RLT-Anlagen werden Kosten (KG 100-700, Bau- und Nebenkosten) in Höhe von 1,3 Mio. Euro angenommen.

 

Hinweis: Die Kosten für die Sanierung der Aufzugsanlage, respektive Einbau eines Zugangs über eine Rampenanlage, sind nicht enthalten.

 

In den Baukosten für die Bereiche Saal, Foyer und Küche sind die Baustelleneinrichtungen, die Roh- und Ausbauarbeiten und die Schadstoffsanierungen enthalten. In den Kosten für die Haustechnik (Elektro und Lüftung) wurde die notwendige Erneuerung der RLT-Anlagen für die Bereiche Küche und Foyer (neue Auslegung) berücksichtigt. Das Altgerät für den Saal wird nicht erneuert.

Für den Künstlerumkleide- und Duschbereich ist lediglich ein Ansatz für den Rückbau der Versorgungsleitungen (Wasser) inkludiert. Die Räume sollen anschließend nicht saniert werden.

 

Konzepterweiterung

Im Hinblick auf die „Corona-Pandemie“ und die aktuellen Hygieneauflagen wurde optional über eine Erneuerung der Saal-RLT-Anlage (Mischluftkammer) nachgedacht:

Der Saal der Stadthalle Grafing verfügt über keine natürliche Lüftungsmöglichkeit. Daher wäre ein „Öffnen“ der festverglasten Fassade sinnvoll, in diesem Zuge wäre auch die Herstellung einer Rampenanlage mit direktem Zutritt zum Saal vorteilhaft. Auf eine Lüftungsanlage kann allerdings bei einer Versammlungsstätte nicht verzichtet werden, jedoch könnte das bestehende Lüftungsgerät gegen ein optimiertes Gerät (reduzierte Luftmenge) ausgetauscht werden, welches zudem den Hygienebestimmungen der aktuellen Auflagen zum Betrieb von Lüftungsanlagen entspräche (Platten-Wärmetauscher, getrennter Zuluft und Abluftstrom).

 

Für die Konzepterweiterung: neue RLT-Anlage für den Saal, Ausbau und Schadstoffsanierung der alten Anlage, Erneuerung der Glasfassade im Saal und der Fenster in der Galerie sowie für die Herstellung einer Rampenanlage müssten zusätzliche Kosten in Höhe von 200.000,00 EUR kalkuliert werden. Damit würde sich auch die energetische Situation deutlich verbessern.

 

Eine möglichst zeitnahe Umsetzung der Maßnahme setzt die Zusammenstellung eines Planungsteams (Beauftragung der Fachplanung Objekt, TGA HLS, TGA ELE, Brandschutz, Schadstoff, SiGeko etc.) voraus. Mit einer Ausführung der baulichen Maßnahme (von Planung, über Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen) kann im günstigsten Fall (sofortiger Start der Planungen) frühestens im Sommer 2021 gerechnet werden. Im Zuge der Durchführung ist die Nutzung der Stadthalle für einen Zeitraum von voraussichtlich 6 Monaten nicht möglich.

 

Mit der unteren Bauaufsichtsbehörde wurde vereinbart, dass bis 31.12.2020 ein abschließendes Konzept zur endgültigen Mängelbeseitigung an der RLT-Anlage der Stadthalle vorgelegt wird, welches einen zeitlichen Ablaufplan der beabsichtigten Maßnahmen beinhaltet.

 

Sobald das Planungsteam beauftragt wurde, kann die Maßnahme detailliert geplant und ein zeitlicher Ablaufplan aufgestellt werden.

 

In der anschließenden ausführlichen Diskussion wurde darüber beraten, ob nur die Minimalsanierung zur Ausführung kommen soll oder die Konzepterweiterung maßgebliche Vorteile bringt. Der Verwaltungsmitarbeiter wies darauf hin, dass die in der Konzepterweiterung vorgeschlagene Erneuerung der Lüftungsanlage eine Wärmerückgewinnung von bis zu 80% ermöglicht und ebenso wie eine wärmeisolierende neue Glasfassade wesentlich zur Energieeinsparung beiträgt. Die Kosten für das Lüftungsgerät und die Glasfassade amortisieren sich durch die Energieeinsparung in ca. 12 bis 13 Jahren.

 

Eine Stadträtin erläuterte, dass bei einer Begehung der Stadthalle rausgekommen ist, dass durch eine reine Catering-Küche gespart werden kann. Sie wollte wissen, ob Kochen weiterhin möglich ist. Der Verwaltungsvertreter bejahte dies. Die Küche wird auf Elektrogeräte umgestellt, um weiterhin noch einen kleinen Anteil Menschen bekochen zu können. Der Sitzungsleiter fügte dem hinzu, dass die Kochmöglichkeit vor allem für Vereine erhalten werden muss. Ein reines Catering sei nicht gut.

Auf die Frage nach den Fördermöglichkeiten entgegnete der Erste Bürgermeister, dass die Rampe förderfähig ist, die Lüftungsanlage bestimmt auch. Der größte Kostenfaktor sei die Entsorgung der asbesthaltigen Materialien. Zu den Fördermöglichkeiten sagte ein Stadtrat, dass es für die Lüftungsanlage sicher Förderungen gibt, da die Regierung einen Austausch vorschreibt. Er betonte, dass die Stadthalle unbedingt erhalten werden muss und dankte der Verwaltung für die gute Darstellung.

Ein Stadtrat hinterfragte die hohen Kosten für die Entsorgung der asbesthaltigen Materialien. Der Verwaltungsvertreter entgegnete, dass in den Kosten auch die Schutzausrüstung und die Entsorgung anderer Dinge, wie beispielsweise der Dämmmaterialien, enthalten ist. Der Sitzungsleiter sicherte jedoch zu, dass die Entsorgungskosten noch einmal geprüft werden.

 

Ein Stadtrat kritisierte den erhaltenen Brief, in dem ein Neubau der Stadthalle gefordert wird. Er finde dies unmöglich. Die Stadthalle wird dringend benötigt und muss daher saniert werden. Dem wurde entgegengehalten, dass die Stadthalle zwar saniert werden muss, mit dem jetzigen Konzept aber nicht alle Probleme gelöst werden. So gebe es beispielsweise auch erhebliche Mängel bei der Bühnentechnik und den sanitären Anlagen. Da ein Neubau 4/5 Jahre Vorlaufzeit braucht, schlug er vor, das Kulturkonzept jetzt anzupacken. So sollte heute zwar dem Konzept für die Mängelbeseitigung zugestimmt werden, allerdings sollte auch zeitnah ein Konzept für eine neue Stadthalle erstellt werden. Dem stimmte eine Stadträtin zu. Man solle sich Zeit nehmen und weiterplanen, da viele Dinge mit dem jetzigen Konzept noch nicht angepackt werden. Eine jetzige Sanierung sei dennoch nötig, da die Stadthalle momentan benötigt wird. Sie befürwortete zudem den Bau einer Rampe für die bessere Barrierefreiheit, da der Aufzug in der Vergangenheit nicht gut gewesen sei.

Ein Stadtrat führte aus, dass, falls einer Sanierung nicht zugestimmt wird, die Anzahl der Personen in der Stadthalle auf 200 beschränkt wird. Mehr seien wegen Corona derzeit eh nicht zugelassen. Er wird der Sanierung daher nicht zustimmen. Der Verwaltungsvertreter erläuterte, dass die Stadthalle momentan nicht der Baugenehmigung entspricht und daher dringend etwas unternommen werden muss.

Eine Stadträtin stellte heraus, dass ein Neubau 5-6 Mio. Euro kosten würde. Die Sanierung betrage daher allein schon ein Viertel der Kosten eines Neubaus. Der Verwaltungsvertreter erläuterte, dass die Bestandssanierung meist teurer ist als ein Neubau. Der Sitzungsleiter fügte hinzu, dass bei einem Neubau in den nächsten Jahren keine Veranstaltungen mehr möglich sein würden, da es einen enormen Zeitaufwand bedeutet. Ein Stadtrat stimmte dem zu. Er finde die Minimalsanierung gut, da so die Aufrechterhaltung des Betriebes sichergestellt wird. Er war allerdings der Meinung, dass die Künstlerumkleiden weiterhin benötigt werden.


Nach Sachvortrag und ausführlicher Diskussion wurde vom Sitzungsleiter zu getrennten Abstimmungen aufgerufen.

 

  1. Beschluss:

Ja: 21  Nein: 3

 

Der Stadtrat beschloss gegen drei Stimmen das vorgestellte „Minimalsanierungskonzept – bauliche Eingriffe zur Behebung der Mängel an der RLT-Anlage“, mit dem Ziel die uneingeschränkte Nutzung der Stadthalle Grafing als Versammlungsstätte zu erhalten. Die angenommenen Kosten in Höhe von 1,3 Mio. Euro wurden gebilligt. Darüber hinaus werden keine weiteren Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen in der Stadthalle Grafing (z.B. Sanierung Fliesenböden, Sanitäre Anlagen, Stuhllager etc.) durchgeführt. Eine Nutzung des Dachgeschosses ist zukünftig nicht möglich.

 

  1. Beschluss:

Ja: 19  Nein: 5

 

Der Stadtrat beschloss gegen fünf Stimmen die vorgestellte Konzepterweiterung, neue RLT-Anlage für den Saal, Ausbau und Schadstoffsanierung der alten Anlage, Erneuerung der Glasfassade (Saal) und der Fenster (Galerie) und die Herstellung einer Rampenanlage in die baulichen Maßnahmen aufzunehmen. Hierzu wurde der zusätzliche Kostenansatz in Höhe von 200.000,00 EUR gebilligt.

 

  1. Beschluss:

Ja: 21  Nein: 3

 

Der Stadtrat beauftragte die Stadtverwaltung gegen drei Stimmen, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten und ermächtigte den Ersten Bürgermeister, die notwendigen Planungsleistungen zu beauftragen.