Tagesordnungspunkt

TOP Ö 2: Klimaschutz,
Beschluss über die Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk

BezeichnungInhalt
Sitzung:14.07.2020   KUKSSA/001/2020 
Vorlage:  SS 2/003/2020 
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Der Sitzungsleiter erteilte Herrn Dr. Stiehler, Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München, und Frau Dr. Bücker, Geschäftsführerin des INEV, das Wort.

Diese erläuterten die folgende, am 6.07.2020 zur Verfügung gestellte Beschlussvorlage.

 

Im Januar wurde den Klimaschutzmanagern*innen und Vertretern der Ebersberger und Münchener Kommunen das kommunale Energieeffizienz-Netzwerk Region Ebersberg-München durch die Energieagentur Ebersberg – München und durch das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) der Technischen Hochschule Rosenheim vorgestellt.

Das Institut für nachhaltige Energieversorgung berät Kommunen, Unternehmen und Fernwärmenetzbetreiber in Fragen der Energieeffizienz und der nachhaltigen Energieversorgung.

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert über die Kommunalrichtlinie und den Projektträger Jülich (PtJ) Kommunale Netzwerke zum Thema Energieeffizienz. Der genaue Aufbau, Ablauf und Inhalt kann auch dem angefügten Dokument entnommen werden.

 

In der Ausschusssitzung wird das Projekt von Herrn Dr. Stiehler, Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München, und Frau Dr. Bücker, Geschäftsführerin des INEV, vorgestellt.

 

In einem Energieeffizienz-Netzwerk schließen sich mindestens sechs Kommunen über einen Zeitraum von drei Jahren zusammen, um sich untereinander auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Netzwerkarbeit basiert dabei auf zwei Säulen:

1.           Während der Projektlaufzeit finden jährlich vier moderierte Netzwerktreffen statt, bei denen konkrete energierelevante Fragestellungen diskutiert und fachlich erörtert werden. Die Besichtigung von Praxisbeispielen unterstreicht den umsetzungsorientierten Charakter der Treffen und fördert den interkommunalen Austausch.

2.           Zudem erfolgt in der Netzwerkarbeit eine individuelle energietechnische Beratung der teilnehmenden Kommunen, bei der konkrete Projekte zur Energieeinsparung oder dem Ausbau erneuerbarer Energien fachtechnisch geprüft und in die Umsetzung überführt werden.

 

Die Kosten belaufen sich auf ca. 19.300 EUR brutto im ersten und jeweils ca. 17.900 EUR brutto im zweiten und dritten Jahr. Das Netzwerk wird zu 60 Prozent gefördert. Damit ergeben sich Kosten in Höhen von ca. 7.700 EUR brutto im ersten und jeweils ca. 7.100 EUR brutto im zweiten und dritten Jahr. Die Netzwerkkosten werden am Anfang von jedem Netzwerkjahr als Abschlagszahlung eingefordert. Am Ende eines jeden Netzwerkjahres werden die Abschläge verrechnet und die Fördermittel über das INEV ausbezahlt.

 

Die Teilnahme am Förderprogramm Energiecoaching Plus mit 100 prozentiger Förderung durch die Regierung von Oberbayern kann als Initialberatung und Grundlage zum Start der Netzwerkarbeit gesehen werden. Im Energiecoaching Plus wird die Liegenschaft in der Kranzhornstraße 12 betrachtet. Weiter wird das Klimaschutzkonzept priorisiert und die Gebäudeleittechnik in der Grund- und Mittelschule auf Einsparpotenziale untersucht.

 

Inhalte der Netzwerkarbeit

Den sogenannten Netzwerkmanager, zuständig für die Abwicklung der Formalitäten, stellt das INEV. Die Energieagentur und das INEV fungieren als Moderatoren und energietechnische Berater.

 

Am Anfang der dreijährigen Netzwerkarbeit steht die Analyse von konkreten, wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten zur Senkung der kommunalen Energieverbräuche und -kosten. Am Ende des ersten Jahres kennt die Kommune ihre kommunalen Einsparpotenziale und kann daraus eine wirtschaftlich bewertete und priorisierte Maßnahmenliste entwickeln. Einige Schwerpunktmaßnahmen gehen in die weitere Ausarbeitung und Umsetzung.

Im zweiten und dritten Jahr erhält die Kommune eine intensive und individuelle energietechnische Begleitung zur Bewertung, Planung und Umsetzung der ausgewählten Maßnahmen. Im Laufe der Netzwerkzeit sind circa 40 Beratertage enthalten.

Mit Erreichung der Einsparziele am Ende des dritten Netzwerkjahres werden konkrete Einsparungen der Energiekosten und eine signifikante Reduktion des CO2-Ausstoßes erreicht.

 

Auf Grundlage der Potenzialanalyse und der Maßnahmenliste setzt sich jede Kommune ein individuelles Ziel, aus deren Summe sich das Gesamtziel des Netzwerks ergibt. Beim jährlichen Monitoring durch einen energietechnischen Berater werden die Erreichung dieser Ziele und offene Herausforderungen überprüft.

Die vierteljährlichen Netzwerktreffen werden öffentlichkeitswirksam begleitet und aufgearbeitet. Neben Vorträgen von Experten und energietechnischen Beratern zu Themen wie Contracting, Förderprogramme, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Energiemanagement und -Controlling, Energieeinkauf und gesetzliche Rahmenbedingungen, und weitere findet ein informeller Austausch und die Besichtigung von Best-Practice-Beispielen statt. Ein interkommunaler Austausch hilft nicht nur bisher übersehene Potenziale zu identifizieren, sondern kann auch im gegenseitigen Austausch über die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen ihre Effizienz deutlich steigern. So soll das Netzwerk auch dem Zweck dienen, sich gegenseitig über ungeeignete Maßnahmen oder schlechte Erfahrungen aufzuklären.

Ein großer Vorteil ist die geographische Nähe der Netzwerkteilnehmer als Basis für die Verstetigung des Erfahrungsaustausches über die Netzwerklaufzeit hinaus.

Das Vorgehen im Netzwerk wird dem aktuellen Stand und Bedürfnissen der einzelnen Kommunen im Bereich Energieeffizienz angepasst.

 

Mögliche Projekte für die Netzwerkarbeit in der Stadt Grafing:

-        Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente LED-Beleuchtung (Baustein des Klimaschutzkonzeptes): Steigerung der Energieeffizienz, Signalwirkung, langfristige Verbrauchskostensenkung

-        Implementation eines kommunalen Energiemanagements (Baustein des Klimaschutzkonzepts): stetige Verbesserung und Optimierung der Energieverbräuche der kommunalen Liegenschaften, Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch Verringerung der Energiebedarfe, Kostenreduktion

-        Konzept und Aufbau einer regenerativen Energieversorgung für das Areal Kindergarten/Feuerwehr in Straußdorf: aufgrund der aktuell durchgeführten Dorferneuerung in Straußdorf wurde der Austausch der Wärmeversorgung in den Liegenschaften Grafinger Straße 18 (Kindergarten St. Margareth), Grafinger Straße 18a (Feuerwehr Straußdorf) und Grafinger Straße 14 (Mietshaus), wo die Heiztechnik 2022 ersetzt werden muss, angedacht. Hier könnte eine zentrale Heizanlage eine Lösung sein.

-        Energetische Sanierung öffentlicher Gebäude und/oder Wohngebäude

 

Die Frage, wer an den Treffen teilnimmt und die Aufgaben von Seiten der Verwaltung bearbeitet, muss je nach Projektauswahl geklärt werden.

 

Mit der Unterzeichnung der unverbindlichen Interessensbekundung hat die Stadt Grafing grundsätzliches Interesse an der Teilnahme und dem Aufbau eines Netzwerks angemeldet. Die Interessensbekundungen der Kommunen mussten bis zum 03.04.2020 eingereicht werden, um eine fristgerechte Beantragung der Fördermittel beim Projektträger Jülich zu ermöglichen. Die voraussichtliche Gründung und Start des Netzwerks ist im September 2020.

 

In der anschließenden Diskussion fehlte mehreren Ausschussmitgliedern der Mehrwert, der durch eine Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk entsteht. Die Stadt Grafing habe schon eine Klimaschutzmanagerin mit viel Expertise. Eine Vernetzung sei auch anders möglich. Die beiden Geschäftsführer erläuterten, dass im ersten Jahr eine Maßnahmenliste erstellt wird. Die Stadt entscheidet dann, was umgesetzt wird. Auch der regelmäßige Austausch mit den anderen Kommunen sei sehr gut. Der Sitzungsleiter fügte hinzu, dass die Stadt Grafing zwar weiß, was sie in Bezug auf den Klimaschutz machen will, die Umsetzung sei allerdings schwierig. Die Klimaschutzmanagerin benötige hierfür Unterstützung. Daher sei eine Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk sinnvoll.

Dem wurde entgegengehalten, dass die Stadt Grafing selbst ein Netzwerk aufbauen kann und zudem schon an sehr Vielem teilnimmt. Die Klimaschutzmanagerin habe schon Unterstützung. Die Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk würde den Steuerzahler sehr viel kosten. Gefragt wurde zudem, warum so viele Expertisen nebeneinander benötigt werden. Die Klimaschutzmanagerin führte aus, dass es sehr viele Aufgaben für nur eine Person seien. Dafür sind mehrere Personen nötig, die die Aufgaben unter sich aufteilen. Es gebe auch bereits ein Netzwerk, allerdings werden in diesem sehr viele unterschiedliche Themen bespielt, weshalb ein Netzwerk für ein konkretes Themengebiet durchaus einen Mehrwert bietet.

Ein weiteres Ausschussmitglied sah in der Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk hingegen einen großen Vorteil für Grafing. Eine Vernetzung sei als sehr positiv zu bewerten. Man könne sich von den anderen Gemeinden Ideen holen. Es sei sehr gut, wenn jemand dahinter ist, der Alles auch wirklich umsetzt.

Hinterfragt wurde jedoch, warum als Projekte die Kranzhornstraße 12 und die Grund- und Mittelschule ausgesucht wurden. Das Gebäude in der Kranzhornstraße sollte neu gebaut werden, da es in einem sehr schlechten Zustand sei. Ein anderes Wohnhaus sollte als Projekt ausgesucht werden. In der Grundschule sei zudem alles neu. Man sollte schon bei Neuplanungen schauen, dass nicht so viel eingeplant wird, da nicht alles benötigt wird. Die Klimaschutzmanagerin erklärte, dass man das Gebäude an der Kranzhornstraße einem Neubau gegenüberstellen wolle. Das Projekt Kranzhornstraße wurde im Rahmen des Energiecoaching Plus ausgewählt, dass unabhängig vom Energieeffizienz-Netzwerk läuft. Die Auswahl des Projekts ist bereits abgeschlossen und kann nicht mehr geändert werden. Das Energiecoaching Plus wurde lediglich der Vollständigkeit halber in der Beschlussvorlage aufgeführt. Die Grund- und Mittelschule sei ausgewählt worden, weil dort, obwohl alles neu ist, auch noch einiges optimiert werden kann. Hier würde eine Liste erstellt werden, was die Handwerker noch machen könnten. Die Stadt würde dann entscheiden, was umgesetzt wird.

Auf Nachfrage wurde noch erläutert, dass 14 Kommunen in das Netzwerk kommen und Grafing insgesamt 40 Beratertage bekommen würde. Ein Ausschussmitglied regte an, die 40 Beratertage für große Themen, wie beispielsweise Windkraft, zu verwenden.


Nach Sachvortrag und ausführlicher Diskussion beschloss der Klima-, Umwelt-, Kultur-, Schul-, und Sozialausschuss gegen zwei Stimmen die Teilnahme am Kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk Region Ebersberg – München der Energieagentur Ebersberg-München gGmbH (EA) und des Instituts für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV).