Tagesordnungspunkt

TOP Ö 6: Liegenschaften;
Kinderzentrum Am Stadion;
Neubau Kinderzentrum und Vereinsräume;
Vorplanung und Kostenschätzung

BezeichnungInhalt
Sitzung:23.06.2020   BWA/001/2020 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Nach einleitenden Worten erteilte der Sitzungsleiter dem Vertreter der Verwaltung das Wort. Dieser erläuterte die folgende, am 15.06.2020 zur Verfügung gestellte Beschlussvorlage.

 

Chronologie vorangegangener Beschlüsse

Bereits am 10.07.2012 hat der Stadtrat den Bedarf für die Errichtung zusätzlicher Kindertageseinrichtungen festgestellt. Nach einer vergleichenden Standortuntersuchung wurde beschlossen, den Neubau eines Kinderhorts bzw. sonstiger bedarfsnotwendiger Kindertageseinrichtungen (Kinderzentrum) auf dem städtischen Grundstück Fl.Nr. 200/22 der Gemarkung Öxing planerisch vorzubereiten.

 

Im Bebauungsplanverfahren (Billigungsbeschluss am 26.09.2017) wurde das Planungsziel um die Möglichkeit erweitert, auf dem Gelände ergänzend noch Schulanlagen unterzubringen. Vorrangig sind es die Einrichtungen der Musikschule und ggf. auch der VHS, für die ein zusätzlicher Raumbedarf besteht. Angedacht war im Rahmen des Billigungsbeschlusses vom 26.09.2017 die Mitbenutzung der Räume der Kindertageseinrichtung für diese Zwecke, zumindest außerhalb der Betriebszeiten. Denkbar wären aber auch Raumeinheiten ausschließlich für diese schulische Nutzung. Aus diesem Grunde wurde die ursprünglich mit zwei Vollgeschossen geplante Bebauung auf max. drei mögliche Vollgeschosse erweitert.

 

Im Rahmen der Sitzung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses vom 14.06.2018 wurde der Bebauungsplan „Kinderzentrum Am Stadion“ in der Fassung des Entwurfs vom 20.11.2017 unter Berücksichtigung der vorausgegangenen (redaktionellen) Änderungen als Satzung (§ 10 Abs. 1 BauGB) und der Begründung dazu mit 9 Ja- zu 0 Nein-Stimmen beschlossen.

 

Auf Grundlage einer Objektstudie im Jahr 2018, durch die aufgezeigt wurde, welche Möglichkeiten hinsichtlich der Bebauung des Grundstücks bestehen, billigte der Stadtrat in seiner Sitzung vom 04.12.2018 auf Empfehlung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses die Maßnahme „Neubau Kinderzentrum Am Stadion“ mit dem vorgestellten Kostenrahmen (KG 200–700) in Höhe von 8,5 Mio. Euro brutto (Maßnahmenbeschluss).

Ferner wurde die Stadtverwaltung beauftragt, die weiteren notwendigen Schritte zur europaweiten Ausschreibung der Architektenleistung, einzuleiten. Als Ausschreibungs- und weitere Planungsgrundlage soll die Variante 1 der vorgestellten Objektstudie 2018 verwendet werden. Weiterhin beauftragt der Stadtrat die Stadtverwaltung, unverzüglich eine Trägerschaft für die Einrichtung zu verpflichten.

 

Überblick Variante 1 der Objektstudie

 

Baukörper

 

 

  • Baukörper von nördlicher Grundstückgrenze abgerückt (modellierte Geländerampe)
  • getrennte Erschließung der Nutzungseinheiten (Kinderhaus/multifunktionale Nutzung)
  • Eingeschobener Gebäuderiegel (1-geschossig)

 

Zugangssituation

 

 

Bereiche

 

 

  • Zweigeschossiger Baukörper im Bereich Hort/ Vereine (geringe Abstandsfläche nach Norden)

→ größtmöglicher Krippengarten mit nach Süden orientierter Außenfläche (361m²)

 

    • Eingeschossiger Baukörper im Bereich Kindergarten
      (geringe Abstandsfläche nach Süden)
      → ermöglicht größtmögliche Außenspielfläche im Norden (1000m²)
      → möglichst wenig Verschattung der nördlichen Außenspielfläche

 

Geländeanpassung

 

  • Baukörper reagiert auf die vorhandene Gefällesituation des Grundstücks
  • Übergang (Rampe) vom 2-geschossigen Baukörper zum niedrigeren Gebäudeteil
  • östlicher Gebäudeteil: erdgeschossig zur Straße „Am Stadion“
  • Öffnung nach Westen zweigeschossig mit eingeschobenem eingeschossigen Baukörper

 

Raumkonzept

 

Kindergarten

356

Kinderkrippe

356

Kinderhort

287

Küche/ Funktion/ Technik

117

Multifunktionale Flächen

252

Nutzungsfläche                                     1.386 m²

 

VgV-Verfahren und Planungsleistungen

Das europaweite Vergabeverfahren der Architektenleistungen wurde durchgeführt. In der Sitzung des Stadtrats vom 02.07.2019 wurde die Architektenleistung (Objektplanung Gebäude und Innenräume), im Rahmen des Projekts „Neubau Kinderzentrum Am Stadion“, an das Architekturbüro Meissler Architekten aus München erteilt. Die Beauftragung weiterer Fachplanungsleistungen erfolgte durch den Stadtrat in seiner Sitzung vom 30.07.2019.

 

Leistung

Status

Auftrag

Objektplanung Gebäude/Innenräume

beauftragt

Meissler Architekten, München

Vermessung

beauftragt

Bernhard Spötzl, Ebersberg

Baugrundgutachter

beauftragt

Crystal Geotechnik, Wasserburg

Objektplanung Freianlagen

beauftragt

Landschaftsarchitekt Haas

Fachplanung HLS

beauftragt

IB Kinze

Fachplanung ELT

beauftragt

IB Schnabl

Fachplanung TWP

beauftragt

IB Westphal

Fachplanung Brandschutz

beauftragt

IB Sascha Kaefer

PrüfSV Brandschutz

beauftragt

IB Dr. Rainer Jaspers

Sigeko

beauftragt

PuD Norbert Steinberger

Raumakustik/ Bauakustik

beauftragt

SV Hoock & Partner

EnEV Berechnung

beauftragt

SV Hoock & Partner

Archäologie

Angebote liegen vor

Beauftragung nur im Bedarfsfall

PrüfSV TWP

offen

 

 

Grundlagenermittlung

Im Rahmen der Grundlagenermittlung (LP 1) mit Beteiligung der Architekten, Stadtverwaltung und potentiellen zukünftigen Nutzern (BRK -Träger Kinderzentrum, Musikschule, Grafinger Jugendorchester, Jugendpflege – Chaxter/ Mittagsbetreuung) wurde der Raum- und Funktionsbedarf detailliert ermittelt.

 

Die daraus resultierenden Ergebnisse, Nutzungskonzepte und Gebäudevarianten wurden dem Bau-, Werk-und Umweltausschuss in seiner Sitzung vom 28.11.2019 vorgestellt und von diesem vorberaten. Der Stadtrat entsprach in seiner Sitzung vom 03.12.2019 der Empfehlung des vorberatenden Bau-, Werk- und Umweltausschusses und bestimmte von vier vorgestellten Varianten das Nutzungskonzept der Variante 1 Kita entsprechend der Nutzerabstimmung, Chaxter entsprechend der Nutzerabstimmung, Multifunktionsbereich gemäß Bedürfnissen des Jugendorchesters und weiterer Vereine“ zur weiteren Planung und beschloss die entsprechenden Planungsleistungen abzurufen.

 

Vorplanung

Auf Grundlage der Beschlussfassung vom 03.12.2019 wurde die Vorplanung fortgeführt. Im Zuge des Planungsprozesses wurden die nachfolgend aufgeführten Festlegungen bzw. Änderungen erforderlich.

 

Wegeführung

Ein öffentlicher Fußweg zwischen der Straße Am Stadion und der Forellenstraße soll aus folgenden Gründen nicht entstehen:

 

·       Befürchtung, dass die Verbindung der Straßen Forellenstraße/ Am Stadion zu einer zu starken Belastung der Forellenstraße führt (u.a. Kinder Hol- und Bringverkehr/ Fanverkehr bei Eishockeyspielen/ Freibadbesucher)

·       Keine/ geringe Rückbaukosten bei zukünftiger Erschließung des Hartplatzes für die Erweiterung der Außenanlagen

·       Geringste Errichtungskosten (Schotter/ wassergebundene Oberfläche)

·       Nachrangig: geringere Verkleinerung der Außenspielfläche

 

Vielmehr soll eine Minimalvariante in Form einer Verbindung des Mitarbeiterparkplatzes und des Haupteingangs erfolgen, die nur mit einem Schlüssel zugänglich ist und somit keine öffentliche Verbindung der beiden Straßen herstellt.

 

Auflösung Sportplatztreppe

Um die im Bebauungsplan zwingend vorgegebenen südlichen Grenzabstände einzuhalten, musste das Gebäude entgegen der ursprünglichen Absichten nach Norden verschoben werden.

 

Auszug B-Plan (Grenzabstände)

 

 

Für das Gebäude selbst bedeutet dies keine Veränderung. Die Außenanlagenplanung muss jedoch angepasst werden: Da das Gebäude um ca. 1,70 m bzw. 2,00 m nach Norden rutschen muss, soll die Treppe zum Sportgelände aufgelöst werden.

 


 

Ursprüngliche Planung (Treppe bleibt erhalten)

 

 

Neue Planung (Treppe wird aufgelöst)

 

 

Fassade

Im weiteren Verlauf der Vorplanung wurden die Anforderungen an die Haustechnik, das Tragwerk, den Brandschutz, u.a. geklärt und festgelegt. Das Gebäude soll dem Nutzungskonzept gestalterisch entsprechen und mit einer Holzfassade und bunten Elementen versehen werden:

 

Ansicht Nord

 

Ansicht Süd

 

Ansicht Ost (Am Stadion)

 

Ansicht West (Forellenstraße)

 

Haustechnik

 

Heizung

Wärmeerzeugungsanlage

Das Kinderzentrum erhält einen Fernwärmeanschluss vom örtlichen Wärmeversorger aus dem gegenüber dem Bauvorhaben liegenden Heizwerk.

 

Warmwasserbereitung

Aufgrund der geringen Anzahl an Warmwasserentnahmestellen, begrenzt auf die WC-Kerne und Teeküchen, und um der Trinkwasserhygiene gerecht zu werden, kommen dezentrale Warmwasserbereiter bzw. Elektro-Durchlauferhitzer zum Einsatz.

 

Fußbodenheizung

Im kompletten Gebäude kommt flächig Fußbodenheizung zum Einsatz. Flure erhalten eigene Heizkreise. Die Regelung der Fußbodenheizung ist als eigenständige Regelung der jeweils zu versorgenden Bereiche vorgesehen, ggf. kann die Aufschaltung auf die MSR-Technik vorgesehen werden. Die Fußbodenheizungsverteiler sind als Kunststoffverteiler in Unterputzausführung geplant. Die entsprechenden Aussparrungen, ggf. Stürze, sind bauseits einzuplanen. Eine optionale Kühlung der Räume (Forderung Bauphysik) über die Fußbodenheizung wäre damit möglich.

 

Enthärtungsanlage

Es wird empfohlen, zum langfristigen Schutz der Installationen eine Enthärtungsanlage im Ionenaustauscher-Prinzip (Kalzium/Magnesiumionen gegen Natriumionen) vorzusehen.

 

Trinkwasserhygiene

Um zukünftig Stagnationen im Rohrleitungssystem des Trinkwassers zu unterbinden, werden selbstspülende Armaturen eingesetzt. Diese können so programmiert werden, dass die Kalt- und Warmwasserleitungen spätestens alle 72 Stunden nach der letzten Benutzung automatisch geöffnet werden und somit eine Stagnation unterbunden wird.

 

Lüftungszentrale

Die Unterbringung der RLT-Geräte (5 Stück) ist jeweils in Nebenräumen der zu belüftenden Bereiche geplant. Aufgrund der Gebäudeklasse und der Aufstellung im jeweiligen Teilbereich der Be- und Entlüftung sind keine Lüftungszentralen notwendig. Die Anordnung der Geräte ist so gewählt, dass die Wartung der Geräte uneingeschränkt möglich ist.

Die Wahl für den derzeitigen Planungsstand mit mehreren Lüftungsgeräten wurde nach Abwägung verschiedener Varianten getroffen. Es wurden folgende Varianten

untersucht:

 

·       Variante 1: Zentrale Versorgung über ein gemeinsames Lüftungsgerät mit Volumenstromreglern und Anpassung an die Nutzungsbereiche, Luftverteilung über einen Bodenkanal unter EG.

·       Variante 2: Zentrale Versorgung über ein gemeinsames Lüftungsgerät mit Volumenstromreglern und Anpassung an die Nutzungsbereiche, Luftverteilung über den Deckenhohlraum der Abhängdecken.

·       Variante 3: Dezentrale Versorgung über mehrere Lüftungsgeräte für die verschiedenen Nutzungsbereiche, Luftverteilung innerhalb der zu versorgenden Bereiche.

 

Ergebnis der Untersuchung war die Entscheidung für Variante 3, da die Mehrkosten

für die Lüftung geringer sind als die Erstellkosten für den Bodenkanal. Variante 2 ist nicht umsetzbar, weil der Platzbedarf für die Installationen deutlich größer ist, als die max. mögliche Gebäudehöhe gemäß Bebauungsplan.

 

Kälteanlage

Zur Sicherstellung des sommerlichen Wärmeschutzes für die Gruppenräume ist gemäß Voruntersuchung der Bauphysik entweder ein 2-facher Luftwechsel für die Nachtlüftung oder eine passive Kühlung notwendig.

Die Lüftungsanlagen sind auf den hygienischen, personenbezogenen Mindestluftwechsel ausgelegt, daher kann in den Gruppenräumen der geforderte 2-fache Luftwechsel für die Nachtauskühlung nicht bereitgestellt werden. Eine Erhöhung des Luftwechsels auf einen 2-fachen Luftwechsel würde bedeuten, dass jeder Gruppen- bzw. Mehrzweckraum mit jeweils 2.100 m³/h mehr belüftet werden müsste. Bei 6 Gruppenräumen und 2 Mehrzweckräumen bedeutet dies eine zusätzliche Luftmenge von insgesamt 16.800 m³/h.

Die aktuelle Planung der Lüftungsanlagen sieht für den hygienischen Luftwechsel insgesamt 11.850 m³/h vor (Gesamtsumme von brutto 395.080,00 EUR). Eine Vergrößerung der Lüftungsanlagen auf die geforderte Luftmenge würde eine Verdoppelung der Kosten bedeuten, zudem sind die Platzverhältnisse für die größeren Luftmengen nicht gegeben.

 

Eine passive Kühlung des Gebäudes könnte über die sowieso vorgesehene Fußbodenheizung erfolgen. Hierzu sind kleinere Anpassungen notwendig, die jedoch mit wenig Mehraufwand getätigt werden können. Die Kälteversorgung soll über einen der beiden Brunnen des alten Wasserwerks in der Forellenstraße sichergestellt werden, der in den Wintermonaten für die Kühlung der Eismaschine genutzt wird.

Heizungsseitig entstehen Mehrkosten für die Fußbodenheizungsverteiler (Kunststoff statt Metall), Raumregelung, Wärmetauscher für die Übergabe im Technikraum und Umschaltventile für den Wechsel von Heiz- auf Kühlbetrieb.

Lüftungsseitig werden Mehrkosten für größere Wärmetauscher in den Lüftungsgeräten notwendig. Noch nicht abschließend geklärt ist, ob für die Rückführung des Grundwassers in den Wasserkreislauf ein Schluckbrunnen zu erstellen ist oder alternativ über die sowieso geplante Rigole erfolgen kann.

 

PV-Anlage

Es ist eine Photovoltaikanlage zum Eigenverbrauch auf dem Dach des Kinderzentrums vorgesehen. Die Dachflächen geben die Möglichkeit, eine Anlage mit 100 kWp (Einspeisung des Überschusses) zu installieren. Wirtschaftlich betrachtet ist allerdings eine Dimensionierung auf Grundlage des Eigenverbrauchs mit ca. 30 kWp sinnvoll.

 

Sicherheitstechnische Anlagen

Das Brandschutzkonzept sieht RWA-Anlagen, SBL-Anlagen, sowie eine BMA-Anlage (Gefahrenmelde- und Alarmanlage) vor.

 

Aufzugsanlage

Die Einrichtung einer Aufzugsanlage im Hinblick auf die Essensanlieferung, sowie die Verteilung der Speisen von der im EG gelegenen Küche in die im OG platzierten Bereiche der Kinderbetreuung (Hort) sind Anforderung des Kindergartenträgers.

 

Innenraum

Im Innenraum haben sich gegenüber der Grundlagenermittlung und des in diesem Zuge beschlossenen Nutzungskonzeptes keine maßgeblichen Änderungen ergeben. Jedoch ergaben sich im Hinblick auf das im Zuge des Kostenrahmens aufgestellten Raum- und Funktionsprogrammes mehr Flächen.

 

Kostenverfolgung

Aus dem Abschluss der Vorplanung geht die nächste Stufe der Kostenermittlung, die Kostenschätzung, hervor. Die Kostenverfolgung stellt sich wie folgt dar:

 

 

Hinweis: In der Kostenschätzung (Zuschläge) sind die Kosten für den Straßenumbau (Wendemöglichkeit mit Mittelinsel in der Straße Am Stadion) und Archäologie entfallen. Diese waren im Kostenrahmen vom 13.11.2018 berücksichtigt. Der Zuschlag für die Baupreisentwicklung wurden in der Kostenschätzung mit 5 v.H. angesetzt. Somit verringert sich der Kostenansatz im Abschnitt Zuschläge um ca. 500.000,00 EUR. Die Kosten für den Straßenumbau sind in die Kostengruppe 500 integriert.

 

Hinweis zur Kostenschätzung:

Diese Kostenschätzung wurde methodisch wie eine Kostenberechnung durchgeführt. Für den Leistungsbereich KG 300 sind sämtliche Kosten über CAD gezogene Massen und aktuelle Einheitspreise ermittelt. Dies gilt auch für die Haustechnik (KG 400).

Zu diesem Zeitpunkt sind nun die Planungsinhalte, die im Zuge der beauftragten Vorentwurfsplanung erarbeitet wurden, in den Kosten enthalten.

Auch wird jetzt mit diesen Kosten den speziellen Voraussetzungen und den besonderen Projektspezifika Rechnung getragen.

 

Insbesondere:

 

-        Hanglage

-        Schmales längliches Grundstück, langer Gebäudekörper mit hohem Hüllflächenanteil (Fassade) und langen Versorgungswegen.

-        Große Außenanlagenflächen und teilweise in Hanglage

-        Hoher technischer Standard (u.a. Lüftungsanlage, PV-Anlage etc.)

 

Zum besseren Verständnis hinsichtlich „Kostenvergleich Kostenrahmen – Kostenschätzung“ soll nachfolgend die Ermittlung des Kostenrahmens erläutert werden:

 

Da zum Zeitpunkt dieser Planungsphase die Leistungsmengen für die Ausführung üblicherweise noch nicht vorliegen, wird ein "Mengengerüst" in vereinfachter Form ermittelt (quantitative Bedarfsangaben, z. B. Raumprogramm mit Nutzeinheiten, Funktionselemente und deren Flächen). Daraus werden für die Mengen und Bezugseinheiten einfache geometrische Größen ermittelt:

  • Grundstücksfläche (GF) für die Kostengruppen KG 100 und 200,
  • Brutto-Grundfläche (BGF) für die KG 300, 400, 600 bis 800 sowie
  • Außenanlagenfläche (AF) für die KG 500

Zur Ermittlung des Kostenrahmens nach DIN wurde die BKI Datenbank (Baukosteninformation für Gebäude 2017) herangezogen. Hier stehen für die Ermittlung Statistische Kostenkennwerte bezogen auf den Brutto-Rauminhalt, die Brutto-Grundfläche und Nutzungsfläche für Neubauten zur Verfügung sowie eine prozentuale Umverteilung auf die Kostengruppen. Für den Kostenrahmen „Kinderzentrum Am Stadion“ wurde ein Raumprogramm mit Nutzungseinheiten aufgestellt und daraus die Bruttogrundfläche ermittelt und als Grundlage der Kalkulation verwendet.

 

Die vorliegende Kostenerhöhung um 1.6 Mio. Euro zwischen dem Kostenrahmen vom 13.11.2018 und der Kostenschätzung vom 12.06.2020 begründet sich nachfolgend:

 

KG 300 - Bauwerk und Baukonstruktion

Die Steigerung der Kosten um ca. 15 v.H. zwischen dem Kostenrahmen 2018 und der vorliegenden Kostenschätzung 2020 begründen sich zum einen in einer Erhöhung der Bruttogeschossfläche um 70m², die sich aus den Anforderungen der Nutzer ergeben haben. Zudem ist in den Kosten zusätzlich zum Kostenrahmen auch die Mülleinhausung samt Stützwand enthalten sowie eine Baukostensteigerung von ca. 10 v.H. innerhalb von 2 Jahren. Der durchschnittliche Baupreisanstieg gemäß Bayern-Baupreisindex 2018 bis 2020 beträgt ca. 8,3%).

 

Anmerkung: Dieser Wert ist jedoch über ganz Bayern, also auch aus strukturschwachen Regionen gebildet und repräsentiert die Boomregion Großraum München nicht ausreichend, wie wir und auch die Fachplaner stets durch die getätigten Submissionen der jüngeren Vergangenheit feststellen. Dies ist wichtig für das Verständnis der KG 400.

 

KG 400 - Bauwerk und technische Anlagen

Die größte Kostensteigerung mit einer Verdopplung der angesetzten Kosten ist in den Technischen Anlagen (KG 400) zu verzeichnen.

Im Abgleich zum Kostenrahmen 2018 zzgl. anteilige Mehrkosten (mehr BGF) lässt sich feststellen, dass damals auf Basis von Durchschnittswerten ein Prozentanteil von ca. 20% der KG 400 (an der KG 300+400) Bestandteil des Kostenrahmens war.

Dieser Verhältniswert liegt nun aktuell bei ca. 32% (68% KG 300). Hier spielen die Projektspezifika, insbesondere das langgestreckte Gebäude wegen des schmalen länglichen Grundstückes und daraus resultierender Versorgungswege eine wichtige Rolle. Aber auch der hohe technische Standard des Projektes kommt hier zum Tragen.

 

Elektrotechnische Anlage

Allein die PV Anlage (zunächst Vollbelegung aller Dachflächen für die Kosten gewünscht) schlägt mit 206.000 € brutto zu Buche. Die Aufzugsanlage war in dem vorgegebenen Kostenrahmen nicht enthalten und wurde auf Anforderung des Kindergartenträgers (Essensversorgung) gefordert. Die Leitungen für die Haustechnik (MSR) sowie die Baustromversorgung war ebenfalls in dem vorgegebenen Kostenrahmen nicht enthalten. Der anlagentechnische Brandschutz wurde in Abstimmung mit dem Brandschutznachweisersteller auf Grund der Gebäudestruktur (bedingt durch die Geländesituation) und der Höhenentwicklung erforderlich und war so im Kostenrahmen nicht vorgesehen.

 

Heizung-, Lüftung- und Sanitäre Anlage

Aufgrund des langgestreckten Baukörpers und der Konzentration der Sanitärflächen „in die Länge“ ist ein deutlich höherer Installationsaufwand bei den Rohrleitungen erforderlich. Die Abwassersammelleitungen müssen unter der Bodenplatte verlegt werden, was teurer ist als eine Verlegung in einem Keller, zudem ist der Leitungsanteil wegen des langgestreckten Bauteils sehr hoch.

Im Gewerk Heizungsanlage gilt ebenso, dass ein Mehraufwand für den langgestreckten Baukörper mit erhöhtem Rohrleitungsaufwand bei der Installation einhergeht.

Beim Gewerk Lüftungsanlage wurden im Zuge der Vorplanung die Mehrkosten von mehreren Lüftungsgeräten denen eines Bodenkanals gegenübergestellt. Da der höhere Finanzaufwand beim Bodenkanal gelegen hat, wurde für die weitere Planung und Kostenermittlung auf diese Variante gesetzt. Die Kühlung des Gebäudes über den bestehenden Grundwasserbrunnen am alten Wasserwerk in der Forellenstraße und über die Fußbodenheizung erscheint für das Gebäude eine nachhaltige Alternative an Stelle einer aktiven Kühlung und war ebenfalls im Kostenrahmen nicht enthalten.

 

Darüber hinaus sind laut Fachplaner die Preissteigerungen in den technischen Gewerken weit höher als der durchschnittliche Preisindex.

 

KG 500 – Außenanlagen

In den Kosten für die Außenanlage sind die Flächen für die Außenanlage des Kinderzentrums und den Straßenumbau, sowie die Kosten für die zusätzliche Fläche Rückbau Treppe und Anbindung Sportanlage und die Extensive Dachbegrünung berücksichtig. Die Kosten waren im Kostenrahmen (KG 500) vom 13.11.2018 nicht berücksichtigt.

 

KG 600 – Ausstattung

Da derzeit noch keine konkreten Ausstattungsanforderungen vom Kindergartenträger erfasst wurden, wurde die prozentuale Einschätzung im Rahmen der Kostenschätzung noch nicht weiter differenziert.

 

KG 700 – Nebenkosten

Die Baunebenkosten wurden in der Ermittlung des Kostenrahmens anteilig mit 25 v.H. der KG 300+400 kalkuliert. Die Baunebenkosten beinhalten unter anderem die Kosten für die Planungsleistungen, SiGeKo, Kosten der Vergabeverfahren, Bauphysik, Geotechnik, Archäologische Begleitung, Brandschutz, allgemeine Baunebenkosten (z.B. Winterheizung) etc. Diese wurden im Zuge der Kostenschätzung nun differenziert.

 

Terminplanung

Der weitere Projektablauf stellt sich wie unten aufgeführt dar. Ob sich dieser Ablauf durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie wie geplant umsetzen lässt, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar.

 

 

Beschrieb

Stand STR
23.10.2019

Stand
12.06.2020

1.

Freigabe Vorentwurf (Kostenschätzung)

07.07.20

2.

Freigabe Entwurf (Kostenberechnung)

21.07.20

3.

Bauantrag

17.08.20

4.

Ausschreibungsbeginn

19.02.21

5.

Baubeginn

Frühjahr 21

03.05.21

6.

Inbetriebnahme

Frühjahr 23

 

 

In der anschließenden Diskussion schlug der Sitzungsleiter vor, den Beschlussvorschlag so nicht zu billigen, da die Kosten zu hoch sind. Man könne jetzt zögern, da es einen Puffer bei den Kindergartenplätzen gebe. Die Situation habe sich gegenüber dem Vorjahr gebessert.

Auch die Ausschussmitglieder vertraten die Meinung, dass mit den Planern Gespräche geführt werden sollten, um die Kosten zu senken. Aufgrund der derzeitigen Situation im Zuge des Corona-Virus sollten zunächst die Pflichtaufgaben erledigt werden, im freiwilligen Bereich sollten Sparmaßnahmen getätigt werden. So könnte das Raumprogramm geändert werden, um Raum einzusparen. Zudem könne man auch an der Ausstattung sparen. Vor allem die Kühlanlage sei sehr kostenintensiv und verursache dauerhaft hohe Strom- und Wartungskosten. Die Vertreterin der Verwaltung erläuterte, dass die Technische Ausstattung überdacht werden kann. Auch die Reduzierung von Flächen sei möglich, allerdings gibt es Vorgaben, beispielsweise bei der Anzahl an Sanitärräumen und den Mindestgrößen der Räume.

Ein Ausschussmitglied fragte, ob die multifunktionalen Räume überhaupt noch benötigt werden. Es gäbe Ideen für ein Bürgerhaus, in dem unter anderem die Vhs unterkommen könnte. Dadurch würden keine Insellösungen mehr benötigt werden. Der Vertreter der Verwaltung erklärte, dass dies geprüft werden muss.

Der Sitzungsleiter schlug daher vor, den Beschlussvorschlag der Verwaltung zu ändern: Mit den Planern sollen Gespräche geführt werden, um die Kosten auf 8 Mio. Euro zu senken. Das Raumprogramm und die Ausstattung sollen geändert werden.

 

Beschlussvorschlag der Verwaltung:

Der Bau- und Werkausschuss empfiehlt dem Stadtrat die Vorentwurfsplanung der Maßnahme „Neubau Kinderzentrum Am Stadion“ mit der vorgestellten Kostenschätzung (KG 200–700) in Höhe von 10.100.000,00 EUR brutto (Maßnahmenbeschluss) zu billigen.

 

Weiterhin empfiehlt der Bau- und Werkausschuss dem Stadtrat, die Verwaltung mit dem Abruf der Stufe 2 der Planungsleistungen (Entwurfsplanung und Genehmigungsplanung) zu beauftragen.

 


Nach Sachvortrag und Diskussion beschloss der Bau- und Werkausschuss einstimmig, die Vorentwurfsplanung der Maßnahme „Neubau Kinderzentrum Am Stadion“ mit der vorgestellten Kostenschätzung (KG 200–700) in Höhe von 10.100.000,00 EUR brutto (Maßnahmenbeschluss) nicht zu billigen. Stattdessen sollen Gespräche mit den Planern geführt werden, um nach Kosteneinsparungen zu suchen und das Raumprogramm zu ändern. Die Kosten sollen auf 8 Mio. Euro gesenkt werden.