Tagesordnungspunkt

TOP Ö 4: Bauanträge zum Neubau einer Doppelhaushälfte mit Carport oder Garage und Stellplatz (Haus 1 ) sowie zum Neubau einer Doppelhaushälfte mit Doppelcarport oder Doppelgarage (Haus 2) auf dem Grundstück Fl.Nr. 328/27 der Gemarkung Grafing (Ganghoferstraße1)

BezeichnungInhalt
Sitzung:28.01.2020   BWUA/063/2020 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Antragsunterlagen wurden vom Vertreter der Verwaltung vorgestellt und erläutert.

 

Beantragt wird die Errichtung eines Doppelhauses (2 Doppelhaushälften) mit Garagen. Das Gebäude mit seinen Grundmaßen von 10 x 16 m (mit seitlichem Versatz) ist mit einer Wandhöhe von 6,36 m und einer Firsthöhe von 9,26 m beantragt.

 

Das Vorhaben liegt im Geltungsbereich des übergeleiteten Baulinienplans „Parksiedlung“ (genehmigt gemäß Beschluss des Landratsamtes Ebersberg vom 07.10.1960, Nr. 5/610-4/2 Grafing). Es beurteilt sich im Umfang der dort getroffenen Festsetzungen nach den Festsetzungen des Bebauungsplanes und im Übrigen nach § 34 BauGB (§ 30 Abs. 3 BauGB). Die Gemeindeverordnung vom 22.06.1961 zur Regelung von Baubeschränkungen (örtlichen Bauvorschriften) ist durch Zeitablauf außer Kraft getreten; hinsichtlich der Festsetzung über die Vollgeschosszahl (max. 2 Vollgeschosse) gilt sie im Rahmen der Überleitungsregelung des § 173 BBauG weiterhin fort.

 

Anmerkung: Der Planteil des Bebauungsplans enthält ein sog. „Bebauungs-Schema“ mit Angaben über Geschossentwicklung und zur Wand- und Firsthöhe (WH 5,50 m bzw. FH 6,60 m) sowie Dachneigungswinkel. Hierbei handelt es sich um eine beispielhafte Beschreibung der geplanten Bebauung, die aber selbst nicht am Festsetzungsinhalt teilnimmt. Deutlich wird das auch im Abgleich mit der begleitenden Bebauungsverordnung vom 22.06.1961, die einen Dachneigungswinkel von 18–24° vorgibt und damit nicht mit dem „Bebauungs-Schema“ übereinstimmt.

 

Die im Bebauungsplan festgesetzten Bauräume werden durch die Hauptgebäude eingehalten.

 

Die (offenen/geschlossenen) Garagen liegen teilweise außerhalb der festgesetzten Bauräume. Hinsichtlich der nördlichen Garage kann die erforderliche Abweichung für die Lage der Garage außerhalb der Baugrenze und hinter der (zwingenden) Baulinie unter Würdigung der nachbarlichen Interessen erteilt werden. Die Befreiung ist städtebaulich vertretbar und berührt auch sonstige öffentliche Belange nicht. Ein striktes Festhalten an der Baulinie ist nicht mehr zu rechtfertigen, da im Straßenzug bereits mehrfach Nebenanlagen abweichend von der Baulinie zugelassen wurden (Ermessensreduzierung).

 

Für die östliche Garage sieht der Bebauungsplan keine Baufläche vor. Wie auch bereits in anderen Baufällen (insbesondere Nachbargrundstück) kann aber auch die Errichtung einer weiteren Garage an der Ostgrenze außerhalb der festgesetzten Bauflächen zugelassen werden. Diese ist aber entsprechend den vom Bebauungsplan verfolgten Grundzügen in einem Abstand von 5 m zur Straßengrenze zu errichten. Ein Abrücken von der bei festgesetzten Garagenbauflächen entlang der Ganghoferstraße ansonsten einheitlichen Baulinie ist im Wege der Befreiung städtebaulich nicht zu rechtfertigen.

 

Das Vorhaben entspricht im Übrigen dem Einfügungsgebot, etwa hinsichtlich der absoluten Grundflächengröße und der Bebauungsdichte (Verhältnis der verbleibenden Freiflächen zur Umgebungsbebauung) und der entstehenden Wand- und Firsthöhen. Die vorhandene Bebauung in der näheren Umgebung (Geviert zwischen der Ganghoferstraße und der Oskar-Maria-Graf-Straße weist Wandhöhen mit 6,50 m und Firsthöhen mit 9,40 m auf, und zwar gemeinsam (Kumulationsgebot) beim Gebäude Oskar-Maria-Graf-Straße 4+6.

 

Die Breite der Quergiebel bleibt mit 2,66 m innerhalb des Drittelmaßes zur Gebäudelänge und stellt damit untergeordnete Gebäudeteile dar, die hinsichtlich der Bauhöhen außer Betracht bleiben (nicht einfügungsrelevant). 

 

Hinweis:

Für die Doppelhaushälften entsteht je Doppelhaushälfte (mit je 1 Wohneinheit) ein Stellplatzbedarf von 2 Stellplätzen. Die notwendigen 4 Stellplätze werden nachgewiesen.

 

In der anschließenden Beratung wurde ein grundsätzliches Problem diskutiert: Die meisten Haushalte haben heutzutage oftmals mehr als nur ein Auto. Zwei oder drei Fahrzeuge gilt es, vor dem Wohngebäude unterzubringen. Da keine weiteren Stellplätze vorhanden sind, werden die Fahrzeuge auf der Straße abgestellt und belasten die öffentlichen Straßen.

 

So wurde es als sinnvoll angeregt, die vorgegebene Baulinie zu durchbrechen, grundsätzlich neue Garagen weiter nach hinten zu versetzen, um in Hof-/Einfahrtsbereichen Stellplätze für zwei bis drei Fahrzeuge zu schaffen.

 

Die Verwaltung wies darauf hin, dass die straßennahe Errichtung von Stellplätzen zur Minimierung der Versiegelung im öffentlichen Interesse ist. Bei der Errichtung von Garagen kommen aber auch städtebauliche Aspekte hinzu. So stellt der Versatz von Grenzgaragen einen städtebaulichen Missstand dar, den der dortige Bebauungsplan bewusst ausschließt. Für den Fall, dass hier an einer Stelle, für die überhaupt keine Garagenbaufläche vorgesehen ist, eine Garage beantragt wird, ist zumindest dieser Grundanspruch zu beachten. Im Übrigen bleibt es dem Eigentümer unbenommen, den Stauraum zur Garage als offenen Stellplatz zu nutzen oder einen solchen gesondert zu errichten.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Neubau einer Doppelhaushälfte mit Garage (Haus 1) sowie zum Neubau einer Doppelhaushälfte mit Doppelgarage auf dem Grundstück Fl.Nr. 328/27 der Gemarkung Grafing (Ganghoferstraße 1), das gemeindliche Einvernehmen unter folgender Einschränkung zu erteilen:

 

Errichtung der östlichen Garage ist nur zulässig, wenn sie mit einem Abstand von 5 m zur Straßengrenze (Ganghoferstraße) errichtet wird (Verschiebung um ca. 6 m nach Süden).