Tagesordnungspunkt

TOP Ö 4: PV auf städtischen Liegenschaften;
Grundschule Grafing; Kiermeier-Lagerhaus
Errichtung einer Photovoltaik-Anlage

BezeichnungInhalt
Sitzung:24.10.2019   EB/008/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage wurde in das Gremieninfo eingestellt. Die Klimaschutzmanagerin stellte den Tagesordnungspunkt in der Sitzung vor und erläuterte den Sachverhalt.

 

Das EBERwerk hat im Zuge einer Voruntersuchung einige Flächen in der Stadt Grafing mit Potenzial für Photovoltaik-Anlagen identifiziert.

 

Darin enthalten waren unter anderem die Grundschule Grafing und das Kiermeier-Lagerhaus. Letzteres wird derzeit noch im Hinblick auf seinen Stromverbrauch untersucht. Da sich eine Antenne auf dem Dach befindet, wurde der Kontakt zum Hauptmieter, Telefonica Germany, aufgenommen. Abgefragt wird die grundsätzliche Bereitschaft zur Abnahme des erzeugten Stroms. Der Verbrauch durch den Alpenverein, der sich im Kiermeier Lagerhaus befindet, ist äußerst gering.

 

Die Grundschule Grafing wurde in einer Begehung bereits genauer betrachtet. Folgende Ergebnisse können festgehalten werden.

 

Voraussetzungen

Alle baulichen Voraussetzungen wurden geprüft und stellen kein Problem dar. Die Statik ist ausreichend, Platz für Leitungen und Wechselrichter ist vorhanden. Der Brandschutz- und Sicherheitsaspekt ist ebenfalls geklärt. Die Module haben einen automatischen Abschaltmechanismus, der im Brandfall oder bei mehr als 85 Grad Celsius greift. Auch die Feuerwehr kann problemlos das Dach betreten.

Die Rückgabe der Module erfolgt über den Wertstoffhof an Recycling-Firmen, die die Komponenten trennen.

Aufgrund der Sanierung kann keine Angabe zum aktuellen und künftigen Verbrauch gemacht werden. Es wird vermutet, dass die durchschnittlichen Verbrauchszahlen der letzten fünf Jahre (rund 61.500 kWh) wegen dem Einbau dezentraler Lüftungsanlagen und digitaler Tafeln trotz LED-Beleuchtung steigen werden.

Die anderen Liegenschaften im Areal (Turnhalle, Mensa, Mittelschule) entfallen als mögliche Stromabnehmer aufgrund der Tatsache, dass jedes Gebäude einen eigenen Hausanschluss und Zähler besitzt.

 

Planungen

Die Dachfläche weist ein theoretisches Potenzial von 70–100 kWp auf. Realistisch und wirtschaftlich sinnvoll ist eine Anlagengröße von 30–40 kWp (circa 1.000 Euro pro 1 kWp).

Aus Kostengründen bietet sich eine PV-Anlage mit einer Leistung von 30 kWp zunächst ohne zusätzliche Speichereinrichtung an. Der Batteriespeicher kann zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf nachgerüstet werden, ist jedoch erst nach genauer Analyse der Verbräuche sinnvoll. Bei einer 30-kWp-Anlage wird die Grundschule circa 70 Prozent ihres Strombedarfs aus dem Netz und circa 30 Prozent aus der PV-Anlage beziehen. Diese Simulationsrechnung beruht auf einem Standardlastprofil (G1 Profil: Gewerbe werktags 8–18 Uhr), da für die Grundschule kein eigenes Lastprofil vorliegt. Zudem wurde ein Standard-Profil für die Stromerzeugung der PV-Anlage (30 kWp) zugrunde gelegt. Dieses sieht eine Stromerzeugung von circa 29.000 kWh/a vor (40 % Einspeisung ins Stromnetz, 60 % ins Hausnetz). Grundsätzlich besteht Potenzial, den Eigenverbrauchsanteil durch gezielte Maßnahmen (zeitgesteuerte Verbraucher) zu erhöhen. Solche Maßnahmen bieten sich an, wenn der Umbau abgeschlossen ist und erste Betriebserfahrungen der Anlage und der neuen Verbraucher (Lüftungen, Beleuchtung, etc.) vorliegen.

 

Der wirtschaftliche Vorteil der PV-Anlage beträgt durch Kosteneinsparungen beim Strombezug und Einspeisung von Strom in das Netz circa 5.400 Euro pro Jahr. Demgegenüber steht die Pacht für die Anlage mit circa 3.500 Euro pro Jahr und die Nebenkosten (EEG-Umlage, Wartung, Versicherung, Instandhaltung), die sich auf circa 800 Euro pro Jahr belaufen.

In Summe stellt sich ein wirtschaftlicher Vorteil für die Stadt Grafing in Höhe circa 1.000 Euro pro Jahr ein (zzgl. einmalige Pachterlöse für das Dach in Höhe von ca. 600–1.000 Euro).

2018 lag der Strompreis bei circa 23 ct/kWh. Aktuell würde die Stadt circa 13 ct/kWh für den Strom aus einer PV-Anlage auf der Grundschule bezahlen. Hierin ist berücksichtigt, dass für den eigengenutzten Strom eine anteilige EEG-Umlage von circa 2,5 ct/kWh zu entrichten ist. Daraus ergibt sich eine Einsparung von circa 10 ct/kWh.

Hinzu kommt der Vorteil, dass die Strompreise für den Strombezug in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen werden, so dass der wirtschaftliche Vorteil der PV-Anlage tendenziell größer wird. Für die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist ein vorhandenes Gerüst eine wesentliche Voraussetzung. Daher ist seitens der Stadt Grafing eine schnelle Entscheidung erforderlich, um das vorhandene Gerüst bestmöglich nutzen zu können. Es muss auf die erheblichen Gebühren für den Auf- und Abbau eines Gerüsts hingewiesen werden. Derzeit steht das Gerüst für die Sanierung noch bis voraussichtlich November. Der erneute Aufbau für das Anbringen der PV-Module würde die Kosten für die Anlage um rund 25 Prozent erhöhen. Das Verlängern der Gerüststandzeit ist auf jeden Fall günstiger als das erneute Aufstellen.

 

Herr Dr. Henle von EBERwerk weist darauf hin, dass die geplante PV-Anlage von 30 kWp auf jeden Fall in Bereich einer wirtschaftlichen Realisation liegt. Bei höherem Stromverbrauch durch die Grundschule steigt die Wirtschaftlichkeit. Der Bau einer größeren Anlage im Jahr 2021 nach Analyse des Verbrauchs ist hinsichtlich Wirtschaftlichkeit sehr fraglich.

 

Die Stadt Grafing würde die Dach- und Gebäudefläche der Grundschule für 20 Jahre für die Errichtung einer PV-Anlage an das EBERwerk verpachten, Eigentümer der Anlage ist und bleibt damit das EBERwerk. Damit die Stadt den Strom der Anlage zur Eigennutzung beziehen kann, muss sie Anlagenbetreiberin und Besitzerin sein.

Die Pachtzeit der Anlage beträgt zunächst 10 Jahre mit der Option zweimal um je 5 Jahre zu verlängern. Danach kann die Stadt die Anlage kaufen. Ab Pachtbeginn übernimmt die Stadt die Rolle als Anlagenbetreiber und trägt damit sämtliche Aufwendungen, die sich als Betreiber ergeben (Betreiberhaftpflichtversicherung und Betriebskosten wie Wartung und Reinigung).

 

Bei PV-Anlagen kann man in der Regel von einer Amortisationszeit von circa 10 Jahren ausgehen. Grundsätzlich gilt: je besser die Anlage auf den Verbrauch angepasst ist, desto höher ist der Eigenverbrauch, desto weniger muss eingespeist werden, desto kürzer ist die Amortisationszeit. Die Eigenverbrauchsquote sollte daher so hoch wie möglich sein. Die Eigenverbrauchsquote über die erwarteten 30 Prozent zu steigern, sollte im weiteren Verlauf geprüft und umgesetzt werden (z.B. durch technische Maßnahmen wie zeitgesteuerte Verbraucher).

Die Realisierung der PV-Anlage würde ab Vertragsabschluss circa 8 Wochen benötigen, vorbehaltlich der Witterung, entsprechender Niederschläge oder eines massiven Wintereinbruchs.

 

Nach dem Sachvortrag erteilte die Sitzungsleiterin dem Geschäftsführer der EBERwerk Verwaltungs GmbH, Herrn Dr. Markus Henle das Wort. Dieser erläuterte allgemein das Verbrauchskonzept einer PV-Anlage. So hänge der wirtschaftliche Erfolg einer PV-Anlage von zwei Faktoren ab: günstig bauen und den erzeugten Strom selbst nutzen.

 

Demzufolge plädierte der EBERwerke Geschäftsführer aus wirtschaftlichen Gründen für die schnelle Installation einer PV-Anlage auf dem Dach der Grundschule, solange das Baugerüst noch vor Ort sei (Kosteneinsparung).

 

Die Auslastung der geplanten PV-Anlage wurde darüber hinaus, als sehr gut bezeichnet. Der Bedarf an Strom wird in der Schule in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen. Warum also nicht größer bauen? Grundsätzlich könnte man größer bauen, oder aber auch später nachrüsten. Beachtet werden muss dabei die Leistungsgrenze: Bis 30 KW spart sich der Bauherr die Kosten für eine teure Wandlermessung. Rentabel wird es wieder ab 70 KW. Nach Einschätzung der EBERwerke sei diese Anlage aber nicht geeignet für das Dach der Grundschule. Die wirtschaftliche Empfehlung liegt deshalb bei einer 30 KW-Anlage.

 

In der anschließenden Diskussion sprach sich der Energiebeirat mehrheitlich dafür aus die PV-Anlage auf der Grundschule schnell umzusetzen – wenn möglich noch in der Zeit in der das derzeitige Baugerüst steht. Eventuell könnte eine Verlängerung beantragt werden? Es wurde auch darauf verwiesen, dass unter Umständen eine günstigere Absturzsicherung, statt Gerüst möglich sein könnte. Die Verwaltung wird gebeten zu prüfen, ob eine Absturzsicherung bei der Gebäudehöhe der Grundschule zulässig ist.

 

Kontrovers diskutiert wurde die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage auf dem Schuldach. Ein branchenkundiges Gremienmitglied äußerte Zweifel. Der Eigenverbrauch in der Schule sei sehr gering. Der produzierte PV-Strom kann auch nicht für die Mensa verwendet werden, da die Mittelschule eine eigene Einspeisung und einen eigenen Zähler hat. Dies gelte es zu bedenken. Im Verlauf der Debatte wurde um Überprüfung gebeten, ob eine Zusammenführung der Stromzähler möglich ist.

 

Die Mehrheit im Energiebeirat sah aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Es gelte die Energiewende voranzutreiben. Eine PV-Anlage auf der Grundschule bedeute auch ein Vorzeigeprojekt und ein gutes Beispiel für die Öffentlichkeit.

Deshalb plädierten einige Gremienmitglieder für eine größtmögliche PV-Anlage. Der Bedarf an Strom in der Schule werde zudem größer: Elektrische Tafeln, Gebäude kühlen, Elektrostrom für E-Autos an Lehrer etc.

 

Größtmögliche Variante wäre die Montage einer 60 KW-Anlage. Geschätzte Kosten: 65.000 EUR. Der Geschäftsführer der EBERwerke unterstrich aber noch einmal, dass eine 30 KW-Anlage wirtschaftlicher sei. 

 

Die Sitzungsleiterin bat das Gremium abschließend um eine Einschätzung: Sollte die Stadt die PV-Anlage selbst betreiben oder vergeben? Die Tendenz des Energiebeirates ging Richtung Vergabe, aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt.