Tagesordnungspunkt

TOP Ö 12: Städtischer Bauhof;
Erweiterung des Bauhofes (Glonner Straße 43) durch Errichtung eines zusätzlichen Betriebsgebäudes (Lager- und Maschinenhalle);
Vorbereitung der baulichen Umsetzung (Maßnahmenbeschluss)

BezeichnungInhalt
Sitzung:22.10.2019   BWUA/059/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage wurde am 22.10.2019 in das Gremieninfo eingestellt. Vorgestellt und erläutert wurde der Sachverhalt vom Verwaltungsvertreter.

 

Der Bebauungsplan „Sondergebiet für den städtischen Bau- und Wertstoffhof“ wurde am 26.04.2014 als Satzung beschlossen. Mit diesem Bebauungsplan wurde die Verlagerung des Bauhofs vom innerstädtischen Standort an der Von-Hazzi-Straße an den neu entwickelten Standort in der Glonner Straße ermöglicht. Mit der Betriebsaufnahme 2017 konnten endlich die auf das Jahr 1999 zurückreichenden Pläne für die Bauhofverlagerung umgesetzt werden.

 

 

Dieser lange Zeitraum war vor allem der Standortfindung geschuldet. Unter verschiedenen, intern als tauglich eingeordneten Standorten konnte der jetzige Standort dann erst durch komplizierte Grundstückskauf- und -tauschgeschäfte verfügbar gemacht werden. Anschließend gelang auch die Baulandausweisung für diesen deutlich vom Siedlungsbereich abgesetzten und damit nicht offenkundig angebundenen Standort.

 

Mit der Entwicklung des neuen Standorts wurde die Grundlage geschaffen, um einen Bauhof in ausreichender Größe und Leistungsstärke vorhalten zu können, der die rasch zunehmenden Aufgaben einer wachsenden Stadt auch bewältigen kann. Vor allem hat sich auch die Lage des Bauhofstandortes uneingeschränkt bewährt und zwar nicht nur für die Einsatzorganisation des Betriebes, sondern auch für die öffentliche Erreichbarkeit.

 

Ein entscheidender Faktor bei der Standortentscheidung zugunsten der Glonner Straße war, dass aufgrund der Standortgröße und der Lage auch eine Verlagerung des Wertstoffhofs dorthin möglich ist. Durch eine Zusammenlegung dieser beiden Einrichtungen entstehen wirtschaftliche Vorteile durch personelle und maschinelle Synergien. Diese Standortalternative für den Wertstoffhof ist aber auch für die Stadtentwicklung von entscheidender Wichtigkeit. So befindet sich der Volksfestplatz/Parkplatz (Stadthalle und Gymnasium) an der Jahnstraße nicht auf einem städtischen Grundstück. Bekanntlich sind diese Flächen nur kurzfristig gepachtet. Spätestens mit der Hochwasserfreilegung „Urtelbach“ entfällt für einen Teil der Festplatzfläche die Hochwassergefahr und damit das wasserrechtliche Bebauungsverbot. Dann wird der Eigentümer auf die Durchsetzung seiner Bebauungsinteressen drängen bzw. gegebenenfalls die Fortsetzung des Pachtverhältnisses (Parkplatz) in Frage stellen. Damit würde Grafing nicht nur den Festplatz verlieren, sondern auch die notwendigen Stellplätze für Stadthalle und Gymnasium. Die Lösung liegt in der dann möglichen Verlagerung des Wertstoffhofs. Damit kann auf den städtischen Flächen (bisheriger Wertstoffhof und Anschlussflächen) neben der jetzigen „Volksfestwiese“ ersatzweise wieder ein Fest-/Parkplatz entstehen.

 

Allein aus diesen Überlegungen heraus, hat sich die Stadt Grafing b.M. um einen Ersatzstandort für den Wertstoffhof bemüht. Ansonsten besteht keinerlei Veranlassung, den Wertstoffhof am bisherigen Standort aufzugeben, der zentral und verkehrlich günstig liegt.

 

Die Umsetzung dieses Planungskonzeptes wurde dann aber durch die sog. „Flüchtlingskrise“ blockiert. Dort sah sich die Stadt dem Problem ausgesetzt, dass Flüchtlingsunterkünfte im Gewerbegebiet Grafing-Schammach entstehen sollten. Da es sich um das einzige nennenswerte Gewerbegebiet handelt, musste die ausschließlich gewerbliche Nutzung rechtlich gesichert werden. Für einen Nutzungsausschluss von Flüchtlingsunterkünften im Gewerbegebiet war es aber notwendig, einen Alternativstandort für eine mögliche Flüchtlingsunterbringung anzubieten. Hierfür wurde die südliche Fläche auf dem Grundstück des „Neuen Bauhofs“ als geeignet angesehen. Für die dort zur Errichtung eine Lager-/Maschinenhalle festgesetzte Baufläche wurde deshalb als „Sondergebiet Übergangswohnheim“ festgesetzt. Diese Nutzung ist befristet bis zum 31.12.2031 zulässig. Bis dahin ist dieser Grundstücksteil für eine Bauhofnutzung „gesperrt“.

 

 

Für die erforderliche Lager-/Maschinenhalle für den Bauhof steht bis dahin nur die östliche Baufläche zur Verfügung. Dabei handelt es sich aber um den Standort für eine mögliche Ansiedlung des Wertstoffhofs.

 

Zwar kann derzeit nicht abgeschätzt werden, ob und wann eine Verlagerung des Wertstoffhofs erfolgen soll und welche Zukunft die Wertstoffverwertung geht. Dennoch muss sich die Stadt Grafing b.M. die oben geschilderte Handlungsoption für den „Fest-/Parkplatz“ an der Jahnstraße offenhalten. Die Errichtung des Wertstoffhofs auf dem südlichen Grundstücksteil (Übergangswohnheim) scheidet aus logistischen Gründen aus. Der Wertstoffhof sollte aufgrund des Betriebsablaufs für den Bringverkehr unbedingt straßennah untergebracht werden. Auch ist diese östliche Baufläche deutlich größer (1.500 m² Grundfläche) als die im Süden für die Bauhof-Lagerhalle festgesetzte Fläche mit 780 m² Grundfläche.

 

Hier war zu untersuchen, ob eine entsprechende Bebauung für den Bauhof (Lagerhalle) später dann auch ohne wesentlichen baulichen/finanziellen Mehraufwand für den Wertstoffhof genutzt werden kann. Das ist durch ein entsprechendes Bebauungskonzept (ia GmbH – Wissensmanagement und Ingenieurleistungen vom 02.04.2019) gelungen, das dem Bau-, Werk- und Umweltausschuss am 21.05.2019 vorgestellt wurde.

 

Kurz beschrieben: Das weit verbreitete (und auch von der örtlichen Abfallwirtschaft favorisierte) System mit „Schrägaufstellung (Fischgrät-System)“ wurde als nachteilig beurteilt. Die wirtschaftlichere, flächensparende auch für den Betriebsablauf günstigere Baulösung liegt in der Senkrechtaufstellung. Mit einem auf diese Anordnung abgestellten Stützenmaß kann eine konventionelle Hallenbauweise erfolgen, die damit uneingeschränkt auch für andere Zwecke (Lagerhalle) nutzbar ist.

 

Eine entsprechende Halle kann damit übergangsweise für den Bauhof und dann später für den Wertstoffhof genutzt werden. Damit ist aber auch eine Nachnutzung möglich, wenn das Wertstoffbringsystem (Ebersberger Weg) einmal aufgegeben werden sollte. Von der Betriebsvariante „Fischgrät-Aufstellung“ wurde Abstand genommen. Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss hat am 21.05.2019 einstimmig die vorgestellte Variante mit einem konventionellen Hallenbau zur baulichen Umsetzung bestimmt. Die Verwaltung wurde beauftragt, auf Grundlage dieses Baukonzeptes die Kostenermittlung für eine Bauhofhalle durchzuführen und die Umsetzbarkeit zu prüfen.

 

Vom Technischen Bauamt der Stadt Grafing b.M. wurden die Baukosten nach dem Kostenrahmen der DIN 276 (Kosten gemäß BKI 2018) wie folgt geschätzt (Kostenermittlung/Kostenrahmen):

 

Minimalvariante:                                          Bauwerk (KG300/400)       Gesamt:                         

Hallenbau  30 m –  464 m² BGF 417.600,– €                                        1.044.774,– €

(Referenzgbäude: Lagerhalle mit Stahlskelett und Trapezblechdach Berchtesgadener Land)

 

Maximalvariante

Hallenbau 56 m –  947 m² BGF   852.300,– €                                         2.132.329,– €

(Referenzgebäude Lagerhalle geschlossen für 2-stöckigege Palettenregale, Passau)

 

 

Alternativ erfolgte die Kostenermittlung durch Kostenanfrage bei einem Systemanbieter. Nach einem Voranschlag liegen die Bauwerkskosten einschl. Fundamentarbeiten für einen

 

Hallenbau 58 m –  1.044 m² BGF:            363.000,– €

 

Kurzbeschreibung:          Maße 58 m × 18 m, Stützhöhe 6 m, Vordach 3,5 m

                                            Satteldach, DN 7°, Stahl-Trapezblech, Aufdachlast für PV

                                            Rahmenkonstruktion:  Stahl; Dachrahmenkonstruktion: Stahl

                                            Wandverkleidung: Stahl-Trapezblech; Dach: Sandwichdach

                                            Tore: 3 Sektionaltore 7 × 4,25 m

 

Für eine Halle in der Maximalgröße von ca. 58 m liegt der Kostenrahmen der Kostenermittlung bei Gesamtkosten zwischen 1,45 Mio. Euro (Baukosten Systemabbau) und 2,1 Mio. Euro.

 

Darin enthalten ist ein Kostenanteil (KG 500) für die Außenanlagen/Freiflächen von 590.000 EUR. Da bei der Lagerhalle eine dauerhafte Ausfahrt nur an der Westseite vorgesehen ist und dort bereits die Hoffläche und die Zufahrt des bestehenden Bauhofes mitgenutzt werden kann, sind hier erhebliche Abschläge gegenüber der Kostenermittlung möglich. Auch bei der Ausstattung sind für eine einfache Nutzung als Lager-/Maschinenhalle Kostenabschläge vertretbar.

 

Für die Salzlagerung ist die Errichtung eines Salzsilos mit Baukosten von ca. 90.000 EUR zzgl. Fundamentierung geplant. Mit dem Bau einer Lagerhalle kann darauf verzichtet werden und kann die Lagerung als Schüttung in der Halle erfolgen. Die Einsparungen sind bei der Entscheidung über den Hallenbau zu berücksichtigen.

 

In der anschließenden Diskussion wurde der Verwaltungsvorschlag als gut und wirtschaftlich bewertet. Es sollte baldmöglichst in die Planungen eingestiegen werden, um die vielen angemieteten Außenlager des Bauhofs kündigen zu können. Auch die noch bestehenden Lager am Alten Bauhof könnten dann aufgelöst werden. Die neue Halle trägt dann wesentlich zur Arbeitsentlastung der Bauhofmitarbeiter bei. Dabei wurde übereinstimmend die Auffassung vertreten, aufgrund der Mehrzwecknutzung und damit der Vielseitigkeit des Bauwerks möglichst das Gebäude im größtmöglichen Ausmaß zu errichten. Damit können Zusatzkosten vermieden werden, die bei einem abschnittsweisen Bau zwangsläufig entstehen.

 


Nach Sachvortrag beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, als Empfehlung an den Stadtrat, wie folgt:

 

Aufgrund einer Konzeptanalyse wird ein konventioneller Hallenbau als Lager- und Maschinenhalle auf dem Betriebsgelände des neuen Bauhofes (Glonner Straße 43) im Bereich des östlichen Bauraums beschlossen (Maßnahmenbeschluss) vorgesehen.

 

Die Halle ist auf eine Mehrfachnutzung auszurichten, um eine Nachfolgenutzung für den Wertstoffhof zu ermöglichen. Der Hallenbau ist auf eine Maximalgröße von ca. 58 m vorzusehen.

 

Die Verwaltung wird mit den Vorbereitungen (Einleitung der Planung) des Vorhabens beauftragt. Die Entscheidung über die Baudurchführung (Durchführungsbeschluss) erfolgt gesondert nach Erstellung des Bauentwurfs und der Kostenberechnung/Kostenschätzung.