Tagesordnungspunkt

TOP Ö 10.1: Gemeindliche Trinkwasserversorgung, Errichtung eines Trinkwasserverbundes mit der Stadt Ebersberg für die Verbesserung der Versorgungssicherheit, Sachstandsbericht

BezeichnungInhalt
Nachtrag:27.08.2019 
Sitzung:30.07.2019   StR/064/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Zu Beginn der Sitzung wurde vom Stadtrat über die teilweise öffentliche Beratung des Tagesordnungspunktes beschlossen. Die Erste Bürgermeisterin stellte den Tagesordnungspunkt in der öffentlichen Sitzung dem Gremium vor. Auf die ausführliche Information in der vorausgegangenen nicht öffentlichen Sitzung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses am 23.07.2019, TOP 16 wurde verwiesen.

 

Vorgestellt wurden die Grundlagen für die Schaffung eines Trinkwasserverbundes mit der Stadt Ebersberg und Hergang sowie Ergebnis der Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Ebersberg.

 

Die Forderung der Wasserwirtschaftsbehörden zur Einrichtung eines Trinkwasserverbundes geht auf das Jahr 2002 und dem damaligen Verfahren zur Ausweisung des Wasserschutzgebietes für die Aiterndorfer Brunnen zurück. Aus den dortigen Brunnen werden ca. 75 % des Trinkwasserbedarfs der Stadt Grafing b.M. gewonnen. Ein Ausfall dieser Versorgung würde die Trinkwassergrundversorgung der Stadt Grafing b.M. gefährden.

 

Zwar besteht keine Rechtsverpflichtung für die Stadt Grafing b.M., trotz der ausreichenden und auch rechtlich gesicherten Wasserversorgung, auch noch eine „Zweitversorgung“ zu errichten. Aus Gründen der Versorgungssicherheit für diese zweifelsohne wichtigste gemeindliche Aufgabe zur Daseinsvorsorge ist jedoch eine Verstärkung unbedingt sinnvoll, um gerade auch in Notsituationen die Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Da in der Stadt Ebersberg eine vergleichbare Ausgangslage besteht und die beiden Städte jeweils eine ausreichend leistungsstarke Wasserversorgung vorhalten – was für die Stadt Grafing b.M. nunmehr in Teilen revidiert werden muss – und die Beschaffenheit des Wassers dafür geeignet ist, war ein Notverbund mit Ebersberg von Anfang an die bevorzugte Option.

 

Ursprünglich geplant war eine Ringleitung von der Kapellenstraße über den Mitterweg nach Gsprait und über Wiesham zur Wasserburger Straße. Bei Gsprait an der Stadtgrenze Ebersberg sollte eine Übergabestelle entstehen. Aufgrund des Höhenunterschiedes sind dort ein Pumpwerk (Belieferung nach Ebersberg) bzw. eine Druckminderung (Belieferung von Grafing) erforderlich. Die Kosten für diese Ringleitung mit Übergabebauwerk (anteilig) hätten sich nach anfänglichen Kostenschätzungen für die Stadt Grafing b.M. auf ca. 1,1 Mio. Euro belaufen.

 

Hier wurden über mehrere Jahre Verhandlungen über die Kostenverteilung zwischen Ebersberg und Grafing geführt, über die dann schließlich auch 2018 eine Einigung gefunden werden konnte.

 

Nun hat die Angelegenheit eine überraschende Wendung genommen. So musste innerhalb der aktuellen Verfahren über die Neubewilligung der Grundwasserentnahme für die Brunnen Hochholz (Öxing) und Aiterndorf von der Verwaltung festgestellt werden, dass die in der Machbarkeitsuntersuchung für den Wasserverbund unterstellten Wasserentnahmemengen unzutreffend waren. Dort wurde von einer verfügbaren Wasserbezugsmenge aus den Brunnen von ca. 2,1 Mio. m³ im Jahr ausgegangen. Tatsächlich können aber lediglich ca. 1,2 Mio. m³ / Jahr aus den beiden Versorgungsanlagen entnommen werden. Damit ist die Stadt Grafing b.M. derzeit, entgegen der über die vielen Jahre von allen Beteiligten – auch den Fachbehörden – unterstellten Auffassung nicht in der Lage, zusätzlich auch die Stadt Ebersberg vollständig mit Trinkwasser zu versorgen.

Die fehlende Schützbarkeit (WSG) ist dabei die entscheidende Beschränkung für die ansonsten für eine zusätzliche Wasserentnahme mehr als ausreichende Ergiebigkeit der Brunnen in Aiterndorf. Die Stadt Grafing b.M. sieht jedoch aufgrund der Ergebnisse – der daraufhin unverzüglich eingeleiteten zusätzlichen hydrogeologischen Untersuchungen – die Chance, die Entnahmemengen der Aiterndorfer Brunnen zu verbessern, ohne dadurch Auswirkungen auf das nicht veränderbare Wasserschutzgebiet auszulösen. Hinzu kommt noch der Wasserverbund mit Aßling, der zusätzliche Potentiale für einen erhöhten Wasserbezug eröffnet.

 

In der Reaktion auf die grundlegend neue Ausgangssituation hat die Stadt Grafing b.München dann aber die Erkenntnis gezogen, die ursprüngliche Planung einer kostenintensiven Ringleitung aufzugeben und stattdessen eine einfache Direktverbindungsleitung nach Ebersberg zu errichten. Das tragende Argument für die Ringleitung, aufgrund des ständigen Wasserstroms (keine vorherige Entkeimung wie bei ruhenden Leitungen) eine bedarfsweise sofort verfügbare Versorgung zur Verfügung zu haben, wird nun durch eine intervallweise Beschickung der Direktleitung gelöst. Da ohnehin Funktionsläufe der Pumpen und Druckminderung notwendig sind, wird ständig Trinkwasser durch die Leitung wechselweise nach Ebersberg und Grafing transportiert. Dadurch werden Standzeiten und die daraus resultierende Keimbildung verhindert. Die Baukosten reduzieren sich damit sogar um mehr als 50 %. Hinzu kommt, dass Direktleitungen auch zuwendungsfähig sind und den Kostenaufwand zusätzlich minimieren. Die Kosten werden von Ebersberg und Grafing jeweils für die Baustrecken vom eigenen Netz bis zur Übergabestelle getragen. Die Baukosten der Übergabestelle werden jeweils zur Hälfte getragen. Die personelle Betreuung und die damit einhergehenden Kosten trägt die Stadt Ebersberg. 

 

In der anschließenden Beratung drückte der Stadtrat sein Bedauern aus, dass es zu dem Irrtum, Grafing könne Ebersberg versorgen gekommen sei. Gerade noch rechtzeitig vor Umsetzung der großen Verbundlösung konnte durch die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung aber die im Nachhinein unnötige Ringleitung verhindert werden. Um Aufklärung gegenüber dem Ing.-Büro, das in der Machbarkeitsuntersuchung fälschlicherweise eine viel zu hohe verfügbaren Wassermenge unterstellt hat, wurde gebeten.

 

Seitens der Verwaltung wurde erklärt, dass dieser Irrtum ganz offensichtlich auf eine unklare und vor allem auch „ungewohnte“ Bestimmung der Fördermenge in der wasserrechtlichen Bewilligung aus 1987 zurückzuführen ist. So spricht die Bewilligung von einer Gesamtentnahmemenge für die Brunnen von 1,2 Mio. m³ / Jahr. An anderer Stelle wird aber geregelt, dass es sich dabei um eine Höchstmenge der Brunnen von Hochholz und Aiterndorf zusammen handelt. Aus diesem Grunde war das für alle Beteiligten nicht offenkundig. So wurde zuletzt sogar von der Bewilligungsbehörde selbst – ebenfalls geleitet durch die missverständliche Lesart der früheren Bewilligung – eine Verlängerung der Bewilligung erteilt mit einer Entnahmemenge für Aiterndorf von 1,2 Mio. m³ / Jahr. Auch hier war es nicht offenkundig, dass die Entnahmemenge von dem Brunnen in Öxing und die bewilligte Entnahme vom Brunnen Aiterndorf auf zusammen 1,2 Mio. Kubikmeter Wasser begrenzt ist. Da auch die Bewilligungsbehörde selbst die Machbarkeitsuntersuchung kannte und diese fehlerhafte Entnahmemenge nicht moniert hat, wurde die ausreichende Wassermenge schlichtweg nie näher geprüft und von allen Beteiligten unterstellt. Das mag im Nachhinein sehr unglücklich erscheinen, ist aber den Beteiligten nicht als Ungenauigkeit vorzuwerfen.

 

Die Sitzungsleiterin schloss die Debatte. Die Abstimmung erfolgte im nicht öffentlichen Sitzungsteil.