Tagesordnungspunkt

TOP Ö 9: Liegenschaften,
Stadthalle Grafing,
Sanierungskonzepte (Information)

BezeichnungInhalt
Sitzung:30.07.2019   StR/064/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage wurde in das Gremieninfo eingestellt. Die Sitzungsleiterin eröffnete den Tagesordnungspunkt.

 

Die 30-jährige Stadthalle hat Sanierungsbedarf. Es wurden Mängel am Brandschutz und an der Elektrik festgestellt. Kontinuierlich wird daran gearbeitet, die Mängel in der Stadthalle zu beseitigen. Um jedoch die Betriebserlaubnis weiter aufrechterhalten zu können sind größere Umbaumaßnahmen an der Lüftungsanlage notwendig. Das Landratsamt hat bis zum Jahresende eine Frist dazu gesetzt. Bis 31.12.2019 muss der weitere Weg feststehen.

 

Die Verwaltung hat bereits Anfang des Jahres das Architekturbüro Studio Plus mit einem Gutachten zur Stadthalle beauftragt. Vorgabe war, alle Möglichkeiten zu prüfen, wie die Stadthalle kostengünstig saniert werden kann. Nur das Allernotwendigste soll durchgeführt werden, um die Betriebserlaubnis weiter aufrechterhalten zu können.

 

Das Ergebnis: Die finanziellen Anforderungen liegen weit über der Annahme. Die Sitzungsleiterin erteilte zur weiteren Ausführung das Wort an die beiden Architekten Herrn Beslmüller und Herrn Kieswetter.

 

Die Aufgabenstellung

 

In seiner Präsentation ging Herr Beslmüller zunächst auf die Ursprünge der Stadthalle ein. Diese wurde in den frühen 20er Jahren, durch die Eigeninitiative von Grafinger Bürgern erbaut. Die heutige Stadthalle hatte das ursprüngliche Gebäude als Vorgabe.

 

Die aktuelle Problematik wurde vom Architekten zusammengefasst:

        Brandschutz-Mängel der Lüftungsanlagen

        unzureichende Lüftungsdimensionierung

        Schadstoffe, asbesthaltige Brandschutzklappen, KMF, also künstliche Mineralfaser, die sogenannte Mineralwolle

 

Hinsichtlich dieser Mängel hat das Landratsamt Ebersberg in einem Schreiben vom 27.06.2018 die Stadtverwaltung Grafing in Kenntnis gesetzt, dass die Nutzungsduldung am 31.12.2019 endet.

 

Es wurde darauf hingewiesen, dass die oben beschriebenen Interimsmaßnahmen nur dazu geeignet sind, eine vorübergehende Nutzung bis zur endgültigen Mängelbehebung zu dulden. Es handele sich hierbei nicht um die erforderlichen Maßnahmen zur endgültigen Mängelbeseitigung.

 

Die Problematik sei dringlich, aber bis zum 31.12.2019 könnten die Mängel nicht beseitigt werden, unterstrich Herr Beslmüller. Der Stadtrat ist jedoch aufgefordert sich zügig Gedanken über das weitere Vorgehen – Umbau oder Neubau der Stadthalle – zu machen. Eine Entscheidung ist bald herbeizuführen.

 

 

Die Stadthalle Grafing ist ein defizitärer Betrieb mit durchschnittlich 390.000 EUR pro Jahr. Eine Übersicht über die vergangenen drei Jahre:

 

Einnahmen                                     2016                                   2017                                  2018

Veranstaltungen                             73.483,12 €                      56.125,98 €                      65.626,20 €

Wohnung                                         9.083,65 €                         7.868,63 €                         - €

Pacht                                                 12.950,41 €                      8.041,21 €                         6.600,00 €

Werbung                                          8.403,36 €                         8.583,36 €                         8.403,36 €

Sonstiges                                         504,74 €                            3,15 €                                 446,50 €

104.425,28 €                   80.622,33 €                      81.076,06 €

 

Ausgaben                                        2016                                   2017                                   2018

Personalkosten                              129.956,13 €                    124.143,71 €                    129.119,35 €

Unterhalt                                         32.812,38 €                      25.825,17 €                      48.604,53 €

Reinigung                                         13.623,47 €                      10.483,89 €                      10.569,41 €

Veranstaltungsaufwand               53.255,45 €                      35.577,51 €                      46.979,24 €

sonstige Kosten Betrieb               5.261,25 €                         5.771,12 €                         5.701,86 €

Strom                                                7.009,80 €                         7.055,13 €                         12.306,71 €

Heizung                                            15.859,23 €                      15.780,26 €                      17.299,57 €

Versicherung                                  2.839,93 €                         3.899,29 €                         3.210,39 €

Steuer                                               9.965,95 €                         5.692,46 €                         8.679,20 €

Büro                                                  9.813,93 €                         5.451,17 €                         8.170,24 €

Innere Verrechnung                      27.000,00 €                      27.000,00 €                      27.000,00 €

Abschreibung/Verzinsung           181.800,00 €                    181.800,00 €                    181.800,00 €

489.197,52 €                   448.479,71 €                    499.440,50 €

 

Defizit -                                            384.772,24 € -                 367.857,38 € -                 418.364,44 €

 

Es handelt sich um eine öffentlich zugängliche Liste.

 

Die Stadthalle hat eine grundsätzliche Problematik: das Verhältnis Nutzfläche (NUF) zu Bruttogeschossfläche (BGF). Ursache ist, dass das Haus aus einem Vorgängerbau heraus entstanden ist, dass dann doch während der Bauarbeiten abgerissen werden musste. Dies war die Aufgabenstellung an den damaligen Architekten.

 

Ist-Stand: ca. 1.540 m2 NUF zu 3.600 m2 BGF ergibt ca. 43%

43% ist der Hauptnutzflächenanteil am Gesamtgebäude. Wenn die Wohnung (die derzeit leer steht) einberechnet wird, ergibt sich:

ca. 1.410 m2 NUF* zu 3.600 m2 BGF* ergibt ca. 39%

 

Der Durchschnittswert von neuen, zeitgemäß betriebenen Stadthallen liegt bei ca. 66%– 72%. Bleibt festzuhalten, dass die Stadthalle ein konzeptionelles Problem hat.

 

Dazu kommen weitere Punkte:

• Saal im Hochparterre / Splitlevel (Anlieferung, Entfluchtung)

• kein durchgehender Aufzug

• Saal/Turmstube nicht unabhängig nutzbar (kein Schallschutz)

• Dachgeschoss ohne Nutzung

• Erschließung nicht ausreichend (Treppenbreiten)

• Küche nur sporadisch genutzt

 

Die Lösungssuche:

 

  • Untersuchung der Nutzungsstruktur und Optimierungsmöglichkeiten

vom Umbau bis zur Erweiterung

 

Herr Beslmüller erklärte, dass bei diesem Punkt kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden könne und daher auf die Erörterung verzichtet wurde.

 

  • Untersuchung der minimal erforderlichen Maßnahmen zum

Erhalt der Nutzungserlaubnis

 

Darauf hatten sich Verwaltung und Architekturbüro im Februar 2019 geeinigt. Wie minimal kann man die Dinge behandeln, die jetzt als Problem aufgezeigt wurden, um die weitere Nutzungserlaubnis zu erlangen?

 

  • Untersuchung weiterer Einzelmaßnahmen

 

Hierbei gibt es Anforderungen oder Wünsche an optischen Maßnahmen. Dinge, wie zum Beispiel Toiletten zeitgemäß wiederaufzufrischen.

 

  • Gegenüberstellung der Maßnahmenkosten mit verschiedenen

Neubauszenarien

 

Anhand einiger Grafiken wurde die Stadthalle in ihren einzelnen Bereichen gezeigt: Die Stadthalle im Untergeschoss mit den sanitären Anlagen, Belüftungsanlagen, die Nebenräume, die Küche und ein Geschoss darüber: der Saal, die Küche, die Bühne sowie der Saal im Dachgeschoss und die Galerie.

 

Die untersuchten Maßnahmen wurden gegliedert:

 

A Erforderliche Maßnahmen, um die derzeitige Nutzung weiterzuführen

(Es wird sich optisch und in der Nutzung nichts ändern Die Mängel würden repariert.)

B weitere untersuchte Maßnahmen

C Nutzbarmachung Dachgeschoss

(Kaum einer kennt den Saal im Dachgeschoss; dieser könnte nutzbar gemacht werden.)

D Generalsanierung

E Gegenüberstellung Neubauszenarien

 

A Aktuelle Probleme, die einer weiteren Nutzung entgegenstehen:

1. Küchen-Lüftung

• Nicht ausreichend dimensioniert

• ungenügende Brandschutztrennung

• hoch Schadstoffbelastet

2. Saal-Lüftung

• ungenügende Brandschutztrennung

• Führung über mehrere Brandabschnitte

• nicht mehr wartbare asbesthaltige Brandschutzklappen

3. Foyer-Lüftung

• Steht dem Umbau der Saallüftung im Weg

4. Künstlerumkleiden-Lüftung

• erfolgt derzeit über das Gerät der Foyerlüftung

• mit mangelhaften Brandschutzklappen abgetrennt

 

A Erforderliche Maßnahmen, um die derzeitige Nutzung weiterzuführen:

1. Küchen-Lüftung u. Einrichtung

• Reduzierung der Kochstellen, Geräteaustausch (geringere interne Lasten)

• Kompaktlüftungsgerät im Nebenraum, Abluftführung über Dach

• Rückbau der alten Küchenlüftung unter Dach

• Schadstoffentsorgung

2. Saal-Lüftung

• Trennung des Aufstellraums

• Neue Trassenführung

• Schadstoffentsorgung

• Herstellung einer geordneten Brandabschnittstrennung

• Das alte Gerät bleibt erhalten

3. Foyer-Lüftung

• Neues Lüftungsgerät, sonst wie vor

• Erneuerung Trockenbau-Decken nach Leitungsverlegung

4. Künstlerumkleiden-Lüftung

• Neues Lüftungsgerät, sonst wie vor

 

Anmerkungen des Architekten zu den Punkten 1–4:

 

Bei der Küchenlüftung können die vorhandenen Geräte niemals die Leistung bringen, die für eine solche Küche erforderlich ist. Eine Küche dieser Größenordnung würde heute nicht mehr eingebaut werden.

 

Man könnte die Kochstellen, bei gleichem Betrieb, wie vorhanden so reduzieren, dass im Nebenraum ein Deckenentlüftungsgerät untergebracht werden könnte. Es wäre im gleichen Brandabschnitt und damit keine brandschutztechnische Abschottung erforderlich. Der Rückbau der alten Küchenbelüftung ist wegen der Schadstoffbelastung (die zeittypisch ist) schwierig.

 

Hinweis: Es sind keine Schadstoffe in der Luft der Stadthalle. Es besteht keine gesundheitliche Gefährdung. Die Schadstoffbelastung entsteht nur dann, wenn durch Baumaßnahmen Fasern freigesetzt werden. Dann beginnt das Problem.

 

Die Saallüftung zeigt die gleiche Problematik wie die Küchenlüftung. Nur bei der Küche ist das Hygieneamt zuständig, bei der Saallüftung das Landratsamt.

Die Lüftung im Foyer steht dem im Weg. Das Architekturbüro schlägt deswegen vor, die Foyerlüftung räumlich von der Saallüftung zu trennen, so dass keine einzelne Lüftungszentrale entsteht. Die Künstlerumkleide ist ebenfalls noch einmal abzutrennen.

 

Architekt Beslmüller zeigte anschließend die verschiedenen Grundrisse der Stadthalle mit Foyer, Toiletten, Künstlerumkleide etc. Die Lüftungszentrale gilt es im gesamten Bereich neu zu ordnen. Die Strangverteilung soll nach oben gehen. Die bisherigen Geräte bleiben erhalten.

 

Die Strangverteilung geht senkrecht nach oben, muss erneuert werden. Dort ist die überwiegende Thematik mit den asbesthaltigen Brandschutzklappen. Die Küchenlüftung soll in den Nebenraum und kann an der Decke installiert werden.

 

An der Galerie werden die Strangverteilungen horizontal und neu. Die Ab- und Zuluftanlagen sind derzeit im Saal oben, also ein Geschoss drüber installiert. Die Einbausituation ist nicht zugelassen.

 

Über dem Dachspitzboden ist noch einmal ein kleiner Spitzboden. Dort verlaufen weitere Leitungen und Lüftungsgeräte. Es dient überwiegend dazu, den alten historischen Spitzturm in der Mitte zu reaktivieren.

 

Die Saallüftung würde nur innerhalb des Saales bleiben. Die Durchdringung der Brandabschnitte, das ist das Kernthema des Tagesordnungspunktes.

 

Kostenabschätzung

 

Eine genaue Kostenabschätzung liegt noch nicht vor. In der gezeigten Kalkulation sind manche Kosten geschätzt, manche Punkte sind genauer. Die Lüftungsanlage zum Beispiel bedarf einer genaueren Untersuchung. Für die erforderlichen Maßnahmen hat das Architekturbüro Bruttozahlen (mit Nebenkosten, Honoraren und Gebühren) errechnet.

 

Maßnahmenübersicht

A Erforderliche Maßnahmen, um die derzeitige Nutzung weiterzuführen:

1. Küchen-Lüftung u. Einrichtung:            620.000 €

2. Saal-Lüftung:                                             576.000 €

3. Foyer-Lüftung:                                          300.000 €

4. Künstlerumkleiden-Lüftung: 170.000 €

5. Notruf Aufzugsanlage                                 6.000 €

 

Summe notwendige Maßnahmen: 1.672.000 €

 

Kostenangaben: Projektkosten (KG 200–700), brutto, Stand 2019

 

Dies sind die notwendigen Maßnahmen für den Betriebserhalt der Stadthalle, über die Jahreswende hinaus. Von diesen Maßnahmen wird der Besucher, wenn die Maßnahmen durchgeführt sind, nichts sehen und nichts spüren.

 

Wegfallen könnte die Küchenlüftung und Einrichtung, durch den Verzicht auf eine Küche. Ersatzweise könnte bei den Großveranstaltungen (4–6 pro Jahr) mit einer Catering-Firma gearbeitet werden.

 

Maßnahmenübersicht

B Weitere untersuchte Maßnahmen:

1. Sanierung WC-Anlagen

• Einschließlich Erneuerung der Sanitärleitungen (braun verfärbtes Wasser)

• Zeitgemäße Überarbeitung der räumlichen Anordnung

2. Sanierung Künstlerumkleiden

3. Zusätzlicher Notausgang inkl. Rampe

• zur Verbesserung der Anlieferung/Entfluchtung

NICHT ENTHALTEN sind weitere Eingriffe wie z.B.:

• energetische Sanierung

• Verbesserung der Barrierefreiheit

• Anpassung an Unfallverhütungsvorschriften

• vollständige Schadstoffsanierung

• Brandschutztrennung zwischen Küche und Saal

• Erneuerung des Saal-Lüftungsgeräts

• Erneuerung Fußboden Eingangsbereich

• allgemeine Erneuerung alter Bauteile, Schönheitsreparaturen etc. …

 

Bei den Unfallverhütungsvorschriften hat sich viel verändert und die Anlagen müssten auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Sanierung der Künstlerumkleiden und der öffentliche WC-Bereich – nach 40 Jahren bedarf es einer Erneuerung, auch wenn die Anlagen momentan noch technisch funktionsfähig sind. Eine Behindertenrampe ist im Außenbereich anzubringen. Der Saal muss dafür mit einer zusätzlichen Türe erschlossen werden.

 

Maßnahmenübersicht

Weitere gewünschte bzw. sinnvolle Maßnahmen:

1. Sanierung WC-Anlagen:                                        450.000 €

2. Sanierung Künstlerumkleiden:                            162.000 €

3. Zusätzlicher Notausgang inkl. Rampe:              122.000 €

4. Sonstige Reparaturarbeiten                  166.000 €

Summe weitere Maßnahmen:                  900.000 €

Kostenangaben: Projektkosten (KG 200–700), brutto, Stand 2019

 

Hinweis: Sonstige Reparaturarbeiten: Im Zuge der Maßnahmen werden sich andere Reparaturen zwangsläufig ergeben. Zweitens ergeben sich Folgewünsche. Diese wurden mit einer Pauschale von 900.000 EUR veranschlagt.

 

Diese Maßnahmen bieten eine Aufwertung einzelner Teilbereiche,

jedoch keine vollständige Sanierung der Stadthalle.

 

Maßnahmenübersicht

C Nutzbarmachung des Dachgeschosses

1. Umbau/Sanierung Dachgeschoss

• Im Dachgeschoss befindet sich ein derzeit nicht genutzter Raum, der eine für mittlere Veranstaltungen (bis 199 Personen) interessante Größe hätte

• Die derzeit leerstehende Wohnung könnte für Büronutzung und Sanitärräume umgebaut werden

2. Lüftung für Versammlungsraum / Dachgeschoss

• Für diesen Raum könnte die erforderliche Lüftungstechnik im Bereich der ehem. Küchenlüftung untergebracht werden.

3. Neubau/Umbau Treppe und Aufzug

• Mit Nutzung des Dachgeschosses sollte ein Aufzug in das Gebäude eingebaut werden (Mehrnutzen auch für die anderen Geschosse)

• Die vorhandene Treppe muss bei Nutzung des Dachgeschosses verbreitert werden

 

Maßnahmenübersicht

C Nutzbarmachung des Dachgeschosses

1. Umbau/Sanierung Dachgeschoss:                1.490.000 €

2. Lüftung für Versammlungsraum                                       410.000 €

3. Neubau/Umbau Treppe und Aufzug                  910.000 €

Summe Nutzbarmachung Dachgeschoss:                      2.800.000 €

 

Kostenangaben: Projektkosten (KG 200 - 700), brutto, Stand 2019

 

Diese Maßnahmen bieten eine erweiterte Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes,

jedoch keine vollständige Sanierung.

 

Maßnahmenübersicht - Zusammenfassung

 

A Erforderliche Sofortmaßnahmen 1.672.000 €

darin enthalten: Schadstoffentsorgung: 250.000 €

Kücheneinrichtung: 100.000 €

B Weitere gewünschte bzw. sinnvolle Maßnahmen: 900.000 €

ZS: 2,6 Mio. €

C Nutzbarmachung des Dachgeschosses 2.800.000 €

Summe: 5.372.000 €

 

Kostenangaben: Projektkosten (KG 200 - 700), brutto, Stand 2019

Diese Maßnahmen bieten eine erweiterte Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes,

jedoch keine vollständige Sanierung.

 

Maßnahmenübersicht

D Generalsanierung

In den vorgenannten Kosten der verschiedenen Einzelmaßnahmen ist keine Generalsanierung der Stadthalle enthalten. Für diese dürften Kosten in einer Größenordnung wie für die Teilgeneralsanierung des Altbaus Gymnasium Grafing erforderlich sein (ca. 8 Mio. Euro). Die nähere Untersuchung einer Generalsanierung war nicht Gegenstand der bisherigen Untersuchung.

 

Abbruch und Neubau

 

Das Architekturbüro Studio Plus zeigte neben der Generalsanierung auf die Möglichkeit auf, die Stadthalle abzureißen und neu aufzubauen. Drei Neubauvarianten wurden anhand von Grafiken gezeigt:

 

1 Neubau mit 3.200 m2 BGF

(gleiche Gebäudegröße, mittlerer bis hoher Standard)

 

12,2 Mio. Euro - 13,6 Mio. Euro brutto, inkl. Abbruch Stadthalle

 

2 Neubau mit 1.350 m2 BGF

(gleiche Hallengröße, mittlerer bis hoher Standard)

 

Anmerkung des Architekten: dieser Neubau wäre als Gemeindezentrum ausgelegt

 

5,4 Mio. Euro - 6,0 Mio. Euro brutto, inkl. Abbruch Stadthalle

 

3 Neubau Mehrzweckhalle mit 950 m2 BGF

(reduzierte Hallengröße, einfacher Standard)

 

Anmerkung des Architekten: dieser Neubau wäre kleiner als die bisherigen Stadthalle. Aber nur um so viel, wie die jetzige Halle am Nachbarn dran ist.

 

3,5 Mio. Euro brutto, inkl. Abbruch Stadthalle

 

Auf Wunsch wurde der Begriff „Blackbox“ geklärt. Der Neubau einer kleinen Mehrzweckhalle mit 950 m² wurde vom Architekten so benannt. Es handele sich dabei nicht um eine schwarze Schachtel, sondern um helle Räumlichkeiten die auf Einfachheit reduziert sind.

 

Zu Beginn der anschließenden ausführlichen Diskussion stellte die Erste Bürgermeisterin noch einmal klar: Die Stadthalle wird von den Grafinger Bürgerinnen und Bürgern geliebt. Eine Entscheidung wird nicht einfach. Es war wichtig, dass das Gremium über alle möglichen Varianten – von der schlichten Sanierung bis zum Neubau – vollständig informiert wurde. Nun können sich die Fraktionen besprechen und eine Arbeitsgruppe bilden.

 

Höchste Priorität habe nun eine gemeinsame Ortsbegehung der Stadthalle, um sich ein umfassendes Bild der Lage zu machen. Das Stadtratsmitglied Herr Christian Einhellig stellte dazu den entsprechenden Antrag.

 

Auch wurde eine Bürgerbeteiligung in die Debatte eingebracht. Da es ein sehr emotionales Thema sei, sollte abgefragt werden was sich die Grafinger Bürgerinnen und Bürger wünschen. Möglicherweise könnte die Meinungsabfrage im Rahmen der herbstlichen Bürgerversammlungen stattfinden.

 

Zu den Finanzen wurde der Stadtkämmerer befragt, ob die gegenwärtige Finanzstruktur eine Sanierung oder einen Abriss mit Neubau überhaupt bewerkstelligen könne. Beide Maßnahmen sind nicht im Budget der Stadt Grafing. Sollte mit den Arbeiten noch in diesem Jahr begonnen werden, ist ein Nachtragshaushalt nötig. Auch im nächsten Jahr könnte die Maßnahme nur über einen Kredit finanziert werden. Die Sitzungsleiterin ergänzte, dass in diesem Jahr nur Planungen vorgesehen sind, keine Maßnahmen. Ein Konzept ist bis zum 31.12.19 gefordert.

 

Sollte sich der Stadtrat für eine Sanierung der Stadthalle entscheiden, wäre eine städtebauliche Förderung möglich. Die Stadthalle müsste in das Sanierungsgebiet aufgenommen werden. Laut Stadtkämmerei ist sie dies bislang noch nicht. Wenn mit den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen begonnen wird muss die Stadthalle vorübergehend geschlossen werden. Über den Zeitraum wollte sich der Architekt nicht festlegen. Es wurde aber mindestens ein Jahr Sperrung vermutet.

 

Rechtliche Einschränkungen durch den TSV sind nicht zu erwarten. Die Stadthalle hat früher dem TSV gehört. Das Grundstück wurde jedoch an die Stadt verkauft. Der TSV hat sich dabei Nutzungsrechte an der Dreifachturnhalle gesichert.

 

Nicht angesprochen im Sachvortrag wurden die Instandhaltungskosten und Betriebskosten bei einem Neubau. Der Architekt erklärte dazu in der Beratung, es sei davon auszugehen, dass die Unterhaltskosten in den ersten 4-5 Jahren gegen null gehen (Gewährleistungsfristen etc.) Von der Bewirtschaftung seien Neuanlagen erstmal effizienter (Energiewirtschaft). Eine kleinere Halle mit 950 Quadratmeter wäre darüber hinaus natürlich günstiger, als die große derzeitige Halle. Der Stadtkämmerer fügt hinzu, dass sich das derzeitige Defizit von 300.000 EUR auf Personalkosten und Abschreibungen zurückführen lässt. Die Abschreibungen werden durch und mit einem Neubau steigen.

 

Der Leiter der Stadthalle bezog auf Anfrage Stellung zu Akustik, Verwendungsmöglichkeiten der Hallen und zu den Größen. So ist die Akustik ist in jedem Gebäude unterschiedlich und wird von den Menschen auch unterschiedlich bewertet. Es handelt sich um persönliche Vorlieben.

 

Um in einer Halle mehrere Versammlungen gleichzeitig durchzuführen sei es wichtig, dass eine gute Schallschutztrennung durch entsprechende Wände vorhanden ist. Auch muss der Brandschutz gewahrt bleiben. Die Anzahl aller Personen in einem Gebäude gilt es dabei zu berücksichtigen. Denn der Fluchtweg bleibt auch bei parallelen Veranstaltungen gleich. Eine große erweiterte Halle bedeute jedoch auch grundsätzlich, mehr Nutzungen möglich zu machen.

 

Das größte Problem der bestehenden Stadthalle sei, so der Stadthallenleiter, dass viel Geld investiert werden muss, viele Umbaumaßnahmen erforderlich sind und trotzdem die vielen kleinen Fallstricke bleiben würden, von denen der Besucher nur wenig mitbekommt. So etwa müsse nach jeder Veranstaltung Foyer und Saal geputzt werden, unabhängig wie hoch die Teilnehmerzahl der Veranstaltung war. Dies erzeugt Kosten und ist unwirtschaftlich. Weiterhin ist und bleibt die Turmstube nicht barrierefrei.

 

Soll das drin bleiben?

Der Stadthallenleiter sieht deshalb einen Neubau nach heutigem Standard als bessere Lösung an. Den Vereinen könnte auch der bezahlbare Platz angeboten werden, der schon lange gesucht werde.

 

In der Kostenberechnung für die Neubauten ist die Technik (Beschallung und Beleuchtung) teilweise enthalten. Der Standard wurde als einfach bezeichnet. Eine Stadträtin warnte davor, die Kosten für die Technik zu unterschätzen (Die Technik im Alten Speicher Ebersberg sei sehr teuer gewesen). Der Stadthallenleiter ergänzte, dass auch in der bestehenden Stadthalle die Technik veraltet sei und ausgetauscht gehöre.

 

Abschließend wurde die Frage erörtert, wann der Stadtrat über das Schreiben des Landratsamtes (Juli 2018) zur drohenden Schließung informiert worden sei. Die Sitzungsleiterin erläuterte den Sachhergang (siehe oben).