Tagesordnungspunkt

TOP Ö 5: Städtischer Bauhof;
Erweiterung des Bauhofes (Glonner Straße 43) durch Errichtung eines Betriebsgebäudes (Lager- und Maschinenhalle);
Grundlagenuntersuchung und weitere Vorgehensweise

BezeichnungInhalt
Sitzung:21.05.2019   BWUA/055/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Vom Vertreter der Verwaltung wurde der Sachverhalt vorgestellt und erläutert.

 

Der Bebauungsplan für das „Sondergebiet für den städtischen Bau- und Wertstoffhof“ wurde am 26.04.2014 als Satzung beschlossen. Mit diesem Bebauungsplan wurde die Verlagerung des Bauhofs aus der bisherigen innerstädtischen Lage der Von-Hazzi-Straße an den neuen Standort in der Glonner Straße ermöglicht (Betriebsaufnahme 2017).

 

Die Entscheidung einer Verlagerung des Bauhofs geht bereits auf die Entscheidung des Stadtrats im Jahr 1999 zurück. In der nachfolgenden Zeit wurden dann auch verschiedene Standorte auf Eignung und Verfügbarkeit für eine Betriebsverlagerung untersucht.

 

Ein entscheidender Grund für die Standortentscheidung zugunsten der Glonner Straße war dann, dass dorthin langfristig auch eine Verlagerung des Wertstoffhofs möglich ist.

 

Durch eine räumliche Zusammenlegung entstehen wirtschaftliche Vorteile durch personelle und maschinelle Synergien für beide städtischen Einrichtungen. Die Verlagerungsmöglichkeit des Wertstoffhofs ist auch für die Stadtentwicklung von besonderer Wichtigkeit. So befindet sich der Volksfestplatz/Parkplatz (Stadthalle und Gymnasium) an der Jahnstraße nicht auf einem städtischen Grundstück. Bekanntlich sind diese Flächen nur kurzfristig angepachtet.

 

Spätestens mit der Realisierung der Hochwasserfreilegung entfällt für einen Teil der Festplatzfläche das wasserrechtliche Bebauungsverbot. Dann wird der Eigentümer auf die Durchsetzung seiner Bebauungsinteressen drängen und ggf. die Fortsetzung des Pachtverhältnisses in Frage stellen. Für diesen Fall bedarf es seitens der Stadt entsprechende Lösungsalternativen, um diesen traditionellen Festplatz als zentrale öffentliche Einrichtung und auch den für die Stadthalle und das Gymnasium unverzichtbaren Parkplatz weiterhin anbieten zu können. Mit der Verlagerung des Wertstoffhofs könnte dann ein Fest-/Parkplatz auf städtischen Flächen weiter westlich wieder zur Verfügung gestellt werden.

 

Allein diesen Überlegungen folgten die Bemühungen, einen Ersatzstandort für den Wertstoffhof zu entwickeln. Ansonsten besteht keinerlei Veranlassung, den bisherigen Wertstoffhof an dem zentralen und verkehrlich günstigen Standort in der Jahnstraße aufzugeben und zu verlagern. Der Bebauungsplan „Bau- und Wertstoffhof“ stellt lediglich diese Lösungsmöglichkeit dar, um bei einer Sperrung des Fest-/Parkplatzes an der Jahnstraße reaktionsfähig zu sein.

 

Die Umsetzung dieses Planungskonzeptes wurde jetzt durch die sog. Flüchtlingskrise erschwert. Um die rechtliche Grundlage für einen Nutzungsausschluss von Flüchtlingsunterkünften im Gewerbegebiet Grafing-Schammach zu begründen, musste ein Alternativstandort für eine mögliche Flüchtlingsunterbringung gefunden werden. Hierfür wurde das städtische Grundstück am südlichen Rand des Neuen Bauhofes als geeignet angesehen. Anstelle des im Bebauungsplan „Bau- und Wertstoffhof“ festgesetzten Bauhof-Erweiterungsbau (Lager-/Maschinenhalle) wurde dort ein „Sondergebiet Übergangswohnheim“ festgesetzt. Diese Nutzung ist befristet bis zum 31.12.2031 zulässig. Bis dahin ist dieser Grundstücksteil für eine Bauhofnutzung noch weitere 12 Jahre „gesperrt“.

 

Trotz der kurzen Nutzungszeit seit dem Neubau des Bauhofs werden vermehrt Lagerflächen benötigt. Vor allem ist das auf die in der letzten Zeit erfolgten personellen Erweiterungen des Bauhofes und damit auch des Fuhrparkes zurückzuführen. Auch sollen noch verschiedene Außenlager aufgelöst werden, insbesondere der „alte Bauhof“ geräumt werden. Hierfür werden zusätzliche Lagerflächen auf dem Bauhofgelände benötigt.

 

Um diesem Bedarf nachkommen zu können, bleibt wegen des Bebauungsausschlusses (Übergangswohnheims) für die dafür vorgesehene Südfläche des Bauhofgeländes nur die Möglichkeit, auf die für den Wertstoffhof festgesetzte Fläche an der Grundstücks-Ostseite auszuweichen. Das setzt aber voraus, dass eine entsprechende Bebauung (Lagerhalle) später dann auch ohne wesentlichen baulichen/finanziellen Mehraufwand für den Wertstoffhof genutzt werden kann.

 

Die Errichtung des Wertstoffhofs auf dem südlichen Grundstücksteil – also ein Standortwechsel – ist allein schon aus logistischen Gründen nicht zweckmäßig. Der Wertstoffhof soll aufgrund des Betriebsablaufs für den Bringverkehr unbedingt straßennah untergebracht werden. Auch ist diese überbaubare Grundstücksfläche (Wertstoffhof/östlicher Grundstücksteil) deutlich größer (1.500 m² Grundfläche) als die im Süden für die Bauhof-Lagerhalle festgesetzte Fläche mit 780 m² Grundfläche.

 

Es galt damit zu untersuchen, ob eine Lagerhalle mit Mehrzwecknutzung (Bauhof und dann auch Wertstoffhof) überhaupt den unterschiedlichen Anforderungen dieser beiden Nutzungsformen genügen kann.

 

Für die Betriebsabläufe des Wertstoffhofs sind mehrere Betriebsvarianten gebräuchlich. Oftmals werden für den Anliegerverkehr befahrbare Rampensysteme favorisiert, die auch ein seitliches Befüllen der Container ermöglichen („sog. Fischgrät-Aufstellung“). Diese sind aber relativ aufwändig in der Realisierung und unflexibel hinsichtlich notwendiger Stützenabstände etc. und damit als „einfache Halle“ für eine zunächst andere Nutzung nicht nutzbar. Hinzu kommt die fehlende Gewissheit über die Zukunft der Wertstoffsammlung. Eine derart spezifisch ausgerichtete Halle wäre dann bei einem nicht auszuschließenden Systemwechsel bei der Wertstoffentsorgung (zentrale Mülltrennung, anstatt dezentrale Erfassung) nicht anderweitig nutzbar.

 

Gesucht wurde deshalb eine möglichst kostengünstige Variante für eine vom Bauhof nutzbare Halle, die ohne wesentliche Umbauten auch für den Wertstoffhof uneingeschränkt nutzbar ist und damit auch den dortigen Betriebsabläufen – ohne Abstriche bei der Arbeits- und Benutzerfreundlichkeit und -sicherheit entspricht. Dazu kommt, dass sich die Nutzungen bzw. Sammlungsfraktionen des Wertstoffhofs in ständigem Wandel befinden, so dass ggf. einzelne Fraktionen künftig nicht mehr oder in anderer Form gesammelt werden. Auch hier ist eine flexible Nutzungsform vorteilhaft. Als Grundannahme wird aber bei der Konzeptuntersuchung auf die Sammlung bzw. den Transport in Containern abgestellt.

 

Für eine unvoreingenommene Untersuchung wurde das Büro „ia GmbH – Wissensmanagement und Ingenieurleistungen“, München, mit einer Konzeptstudie beauftragt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die bisher von den städtischen Mitarbeitern der Abfallwirtschaft favorisierte „Fischgrät-Aufstellung“ und mittiger Lieferrampe unwirtschaftlich und für den Betriebsablauf nachteilig ist. Vorgeschlagen wird stattdessen eine Bebauungsvariante mit einer Halle für Container in Senkrechtaufstellung und einer Lieferrampe, die jederzeit nachträglich eingebaut werden kann. Durch variable Stege kann das seitliche Befüllen der Container damit in gleichwertiger Weise ermöglicht werden, wie es die Schrägaufstellung („Fischgrät-System“) als entscheidender Vorteil bietet. Hier gilt es aber darauf hinzuweisen, dass schon heute fahrbare Containerpressen üblich sind, die das seitliche Befüllen hinfällig machen. Kommt es zum entsprechenden Einsatz einer Containerpresse, dann können die variablen Stege entfallen. Der Stützenabstand der Halle ist so ausgelegt, dass der dadurch gewonnene Platz das Einstellen eines weiteren Containers ermöglicht. Damit ist die Ausnutzbarkeit deutlich effektiver als eine Schrägaufstellung. Auch der Zufahrtsverkehr kann einfacher organisiert werden, als bei der Schrägaufstellung. Bei der vorgeschlagenen Senkrechtaufstellung können alle Container an einer Gebäudeseite untergebracht werden; die Lieferrampe verläuft an der gegenüberliegenden Seite und ist wegen des einseitigen Ladeverkehrs sicherer befahrbar. Bei der Schrägaufstellung und dem dort erfolgenden Queren der Fahrspuren ist bei der Anlieferung stets mit Einschränkungen und Konflikten verbunden.

 

Durch diese Anordnung ist die dafür notwendig Halle auch uneingeschränkt als Lagerhalle für den Bauhof nutzbar. Bei einer Umnutzung ist der Einbau einer Rampe und damit die im Wesentlichen niveaugleiche Befüllung der Container durch die Nutzer möglich. Der Austausch der Container ist über die mit dem Bauhof gemeinsam genutzte Rangier- und Bewegungsfläche möglich; die Nutzer werden über ein Einbahnsystem bei der Zufahrt von diesen Betriebsflächen ferngehalten, um den Bauhofbetrieb nicht einzuschränken.

 

Im Rahmen der anschließenden Beratung wurde die Erweiterungsidee des Bauhofs als wichtig, innovativ und den zukünftigen Bedingungen bestens angepasst gelobt. Gewünscht ist eine PV-Anlage als feste Komponente auf der Halle. Das vorgestellte Bebauungskonzept war überzeugend und erlaubt im Gegensatz zum „Fischgrät-Konzept“ einen Hallenbau, der eine Mehrzwecknutzung ermöglicht. Damit kann das Bauwerk übergangsweise für den Bauhof genutzt werden und in der nächsten Zeit als Ersatz für das durch das „Überganswohnheim“ gesperrte Grundstück genutzt werden. Vor allem ist aber auch eine Nachnutzung möglich, wenn das Wertstoffbringsystem (Ebersberger Weg) einmal geändert werden sollte. Von der Betriebsvariante „Fischgrät-Aufstellung“ wurde Abstand genommen und die von der Verwaltung vorgestellte Bebauungsvariante 2 zur baulichen Umsetzung bestimmt.

 


Nach Sachvortrag billigte der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, den Konzeptentwurf des Büros „ia GmbH – Wissensmanagement und Ingenieurleistungen“ aus München vom 02.04.2019 für die Errichtung einer Mehrzweckhalle, die sowohl für den Wertstoffhof (einseitige Containerschrägaufstellung) genutzt werden kann als auch als Unterstellhalle für den Bauhof.

 

Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Grundlage dieses Baukonzeptes die Kostenermittlung für eine Bauhofhalle durchzuführen und die Umsetzbarkeit zu prüfen.