Tagesordnungspunkt

TOP Ö 2: Photovoltaik; Projekte in Grafing

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Sitzung:14.05.2019   EB/007/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Erste Bürgermeisterin begrüßte den Geschäftsführer der EBERwerk Verwaltungs GmbH, Dr. Markus Henle und erteilte ihm das Wort.

 

Dr. Henle stellte eingangs kurz die Geschäftsfelder der EBERwerk Verwaltungs GmbH vor. Anschließend ging er auf ein neues Grafinger Photovoltaik-Projekt ein.

 

PV-Anlage am Bauhof

 

Die EBERwerk Verwaltungs GmbH hat die neue PV-Anlage mit 100 Kilowatt auf dem Dach des Grafinger Bauhofs installieren lassen. Montagefirma war die Firma EcoTech aus München.

 

Energiewirtschaftlich gesehen sind es nun zwei Anlagen: eine große Anlage, mit der 90 KW ins Netz eingespeist werden, sowie eine kleine Anlage mit 10 KW, die für den Bauhof zur Eigenversorgung bestimmt ist.

 

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen gibt es eine 10-KW-Grenze für den Eigenverbrauch. Darüber muss die EEG-Umlage für den eigens erzeugten Strom bezahlt werden. Aufgrund dessen ist die Eigenverbrauchsanlage am Bauhof auf das Maximum von 9,5 Kilowatt Peak dimensioniert worden.

 

Insgesamt wurden auf dem Dach des städtischen Bauhofs im Dezember 2018 genau 356 Module zu je 280 Watt verbaut, nämlich polycrystalline Zellen. Die gesamte Modulfläche umfasst 650 Quadratmeter. Es wurden zwei Wechselrichter eingebaut: 50 KW für die große Anlage und ein Wechselrichter mit 10 KW für die kleine Anlage. Somit können von der kleinen Anlage die 9,5 Kilowatt Peak auch ins Netz eingespeist werden, wenn am Wochenende kein Betrieb im Bauhof herrscht.

 

Die Montage, bei einer geringen Dachneigung von 2 Grad, erfolgte parallel zum Dach.

 

Die erwartete Jahresleistung: 100.000 Kilowattstunden. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 30 Haushalten. Die erste Stromgewinnung war bereits im Februar 2019.

 

Die PV-Anlage spart in 20 Jahren gut 1.000 Tonnen CO2 ein, erforderte keinen großen Flächenverbrauch und ist damit als guter Beitrag zur Energiewende zu werten.

 

 

Ziele der Energiewende im Landkreis Ebersberg

 

Dr. Markus Henle erläuterte dem Energiebeirat die wesentlichen Ziele der Energieagentur Ebersberg bis zum Jahr 2030:

 

  • Drei Windräder
  • 17.000 durchschnittliche Dachanlagen (Haushalte)
  • 130 Freiflächenanlagen, so groß wie je ein Fußballfeld
  • Biomasseanlagen moderat ausbauen

 

 

Zukunftsprojekte in Grafing

 

Die EBERwerks Verwaltungs GmbH hat sich auf Wunsch der städtischen Verwaltung drei Gebäude für die Installation von Photovoltaik-Anlagen angesehen. Die Ergebnisse stellte Franz Lichtner, auch Vorstand im Solarverband Bayern dem Energiebeirat vor.

 

1.    Lagerhausstraße

Begutachtet wurde ein Objekt in der Lagerhausstraße. Da das Dach eine relativ steile Neigung aufweist, wird davon abgeraten den Schneefang zu entfernen. Technisch ist die Installation einer PV-Anlage hier trotzdem kein Problem. Zwei Modulreihen über dem Schneefang und über die gesamte Dachbreite ließen sich anbringen. Das Leistungsergebnis: 16 KW Peak.

 

2.    Kapellenstraße

Das Dach des Wohnhauses in der Kapellenstraße 6 bietet mehrere Möglichkeiten für die Installation einer PV-Anlage. Es wäre sogar die Einbeziehung der Nordseite denkbar. Insgesamt ist ein Potenzial von 24 KW Peak auf dem Wohnhausdach vorhanden, mit einer Jahresproduktion von etwa 22.000 Kilowatt/Stunden. Technisch sind hier keine Schwierigkeiten zu erwarten.

 

3.    Grafinger Schulen mit Turnhallen

Solarexperten der EBERwerks Verwaltungs GmbH haben die örtlichen Schulen besichtigt und auf die Möglichkeiten von PV-Anlagen geprüft. Das Potenzial ist groß, aber nicht immer eindeutig. Bei den Turnhallen muss das jeweilige Baujahr und die jeweilige Statik überprüft werden. Gleiches gilt für das Flachdach der Johann-Comenius-Schule.

Daneben müssen besondere Brandschutzauflagen beachtet werden.

Technische Neuheiten in diesem Zusammenhang: Photovoltaikanlagen bzw. die Wechselrichter können bei einem Brand abgeschaltet werden. Die Leitungen sind zusätzlich abgesichert. Es besteht Überspannungsschutz.

 

Im Rahmen der anschließenden Beratung wurde über Haftungsfragen und Gewährleistungspflichten bei PV-Installationen auf Neubauten diskutiert. Um eine PV-Anlage zu installieren muss demnach oftmals der neue Dachziegel angebohrt werden. Die EBERwerk Verwaltungs GmbH tauscht jedoch Dachziegel gegen Metallplatten, um kein Dach zu beschädigen.

 

Grundsätzlich gilt: der Letzte auf dem Dach muss gewährleisten! Wenn demnach eine PV-Anlage installiert wurde, muss der Solateur nachweisen, dass der Schaden nicht von ihm stammt.

 

Weiterhin erläuterte Franz Lichtner auf Nachfrage, dass es für die Eigentümer der Kapellenstraße 6, die Firma WBE gkU, grundsätzlich nicht attraktiv ist, einen Versorgerstatus anzustreben. Entweder sollte demnach das Dach an einen Versorger vermietet werden, der die PV-Anlage installiert. Oder die WBE gkU investiert in die Anlage und verpachtet diese in Folge.

 

Diskutiert wurden weiterhin die rechtlichen Voraussetzungen für Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern die eine PV-Ablage errichten wollen. Die Empfehlung: jeder baut seine eigene Anlage auf dem Dach, denn es kann immer nur ein Zähler eingespeist werden.

 

Darüber hinaus wurden abschließend im Rahmen der Beratung die Arbeitsfelder der Genossenschaft Bürgerenergie Ebersberg mit den Arbeitsfeldern der EBERwerk Verwaltungs GmbH verglichen. Auf Nachfrage konstatierten der Geschäftsführer der EBERwerke und ein Vertreter der Genossenschaft Bürgerenergie, dass beide Organisationen gut miteinander arbeiten, sich keine Konkurrenz entwickelt, sondern vielmehr die Ressourcen des anderen gut genutzt werden.