Tagesordnungspunkt

TOP Ö 11: Straßen- und Leitungsbau,
Ortskanalisation Wiesham nebst Erneuerung der Trinkwasserleitung,
Errichtung eines straßenbegleitenden Fußweges und örtlicher Hochwasserschutz
Billigung des Bauentwurfes und Durchführungsbeschluss

BezeichnungInhalt
Sitzung:29.01.2019   BWUA/051/2019 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage wurde in das Gremieninfo eingestellt. In der Sitzung bemerkte die Erste Bürgermeisterin zum Tagesordnungspunkt eingangs, dass es seit vielen Jahren ein großer Wunsch des Gremiums sei, den Ortsteil Wiesham besser anzubinden. Die Planungen schreiten voran. Doch die Trinkwasserleitung, Kanalisation und Gehweg nach Wiesham werden teurer, als zunächst angenommen. Den genauen Sachverhalt mit konkreten Zahlen stellte die Vertreterin des technischen Bauamtes anschließend vor:

 

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss beschloss in seiner Sitzung vom 17.11.2015 die Neukanalisierung des Ortsteiles Wiesham, sowie die zeitgleiche Erneuerung der Wasserleitungen in Wiesham. Des Weiteren wurde beschlossen der Wasserleitungsringschluss Wiesham – Grafing/Kapellenstraße für den Notverbund mit Ebersberg. Zum damaligen Zeitpunkt belief sich die Kostenschätzung auf ca. 504.000 EUR für die Kanalisation und ca. 357.000 EUR für den Wasserleitungsbau. Zeitgleich wurde die Vergabe der Planerleistungen beschlossen.

 

Nach Eröffnung der Ostumgehung wurde am 30.01.2018 vom Bau-, Werk- und Umweltausschuss die Abstufungsvereinbarung für die Kreisstraße EBE 8 im Abschnitt 140 zwischen der „Seeschneider Kreuzung“ und Wiesham geschlossen. Für die unterlassenen Unterhaltungsmaßnahmen im Bereich vom Ort Wiesham bis zum Bahnübergang beinhaltet die Abstufungsvereinbarung eine Zahlung ca. 35.000 EUR brutto.

 

Für den Bereich der St 2080 (Münchner Straße, Wasserburger Straße, Wiesham bis zur B304) wurde in der Sitzung vom 20.03.2018 die Abstufungsvereinbarung mit dem Staatlichen Bauamt Rosenheim verabschiedet. Für den Bereich Ortsausgang Grafing bis einschließlich Wiesham beinhaltet die Abstufungsvereinbarung eine Zahlung ca. 62.000 EUR brutto.

 

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss beschloss weiterhin in seiner Sitzung vom 24.07.2018, die Gehwegverbindung (2 m breit) von Grafing nach Wiesham auf der Ostseite der Gemeindestraße sowie die Errichtung eines Gehwegs (Breite ca. 1,5 m) innerhalb der Ortsdurchfahrt, inklusive der Errichtung von Hochwasserschutzmaßnahmen für einen geordneten Hochwasserablauf auf den Straßenflächen bis zum Wieshamer Bach an der Ostseite der Ortsdurchfahrt.

 

Die Bauentwürfe für die Ortskanalisation und den Gehwegbau wurden bereits vorgestellt und beschlossen. Der Wasserleitungsbau und Straßenbau werden nachfolgend erläutert:

 

Bauentwurf – Los 2 Wasserleitungsbau

 

Die vorhandenen Trinkwasserleitungen in den Dimensionen DN 80 und DN 100 GGG sollen durch Leitungen aus duktilem Guss in DN 100 und DN 150 ersetzt werden. Durch diesen Wechsel wird gleichzeitig der Qualitätsstandard erhöht und für den zukünftigen „Notverbund Ebersberg“ vorbereitet.

 

Dem Bestandsplan der Stadtwerke Grafing ist zu entnehmen, dass die vorhandenen Trinkwasserleitungen überwiegend auf privatem Grund verlegt sind. Daher sollten im Zuge des Kanal- sowie im Zuge des Straßen- und Gehwegbaus die Wasserleitungen ordnungsgemäß in den öffentlichen Grund gelegt werden.

 

Im Bereich der Baumaßnahme sind sowohl Ober- als auch Unterflurhydranten in unregelmäßigen Abständen vorhanden. Die vorhandenen Hydranten werden ausgebaut und durch neue Ober- und Unterflurhydranten ersetzt. Der Abstand zwischen den einzelnen Hydranten beträgt maximal 100 m. Die vorhandenen Löschwasserkapazitäten an den jeweiligen Hydranten wurden nicht überprüft. Hierfür müsste eine gesonderte Netzberechnung durchgeführt werden. Die Planungen sehen jedoch eine Querschnittserhöhung von DN 80 auf DN 100 (36 v.H.) vor, damit wird die Löschwasserkapazität verbessert.

 

Bauentwurf – Los 4 Straßenbau

 

IST-Zustand

Die Ortsdurchfahrt Wiesham weist durchgängig eine sehr hohe Aufbaustärke des gebundenen Oberbaus auf. Es wurden Asphaltstärken von 25 bis 26 cm festgestellt. Aufgrund des angetroffenen Teergeruchs ist davon auszugehen, dass die Straße in Form eines Hocheinbaus (mehrlagiger Ausbau auf vorhandener Straßendecke) saniert wurde. Die Oberfläche ist gekennzeichnet von Netzrissen und durchgängigen Aufgrabungen. Zudem sind die vorhandenen Sinkkästen zu gering bemessen, so dass es in Teilbereichen zu Entwässerungsschwerpunkten kommt. Des Weiteren kippt der tiefliegende Straßenrand teilweise stark zur Entwässerungsrinne ab. Der vorhandene Straßenkörper der Ortsdurchfahrt weist durchgängig wechselnde Straßenbreiten von ca. 5,80 bis 7,40 m auf. Im Bereich des Wieshamer Bachs findet sich die geringste Fahrbahnbreite mit lediglich 5,80 m.

 

Die Straße in Richtung Seeschneider Kreuzung zeigt ebenso eine Vielzahl von Rissen, zudem ist die vorhandene Betonhackenrinne teilweise stark beschädigt. Die Straße weist einen unterschiedlichen Straßenaufbau auf. Die Asphaltstärken variieren zwischen 14 und 20 cm. Im Aufbau von 20 cm wurde ebenfalls Teergeruch festgestellt. Die Straße wurde auch hier mit wechselnden Breiten gebaut und beträgt im Mittel 5,50 m.

 

Die chemischen Baugrunduntersuchungen zeigen auf, dass Zuordnungsklassen von Z1.2 bis >Z2 vorhandenen sind. Hierfür sind polyzyklische Aromaten (Teer) sowie Chloride verantwortlich. Die Asphaltuntersuchungen haben weiterhin ergeben, dass im Bereich der Staatsstraße (innerorts) starke „Teerbelastungen“ vorhanden sind.

 

Bauentwurf – Straßenverlauf

Mit der Errichtung des Gehwegs sind Anpassungsarbeiten an der Straßenführung notwendig. Schon im Außerortsbereich ist eine „Verschwenkung“ der Straßenführung in Richtung Westen notwendig. Innerorts wird die Straße ebenfalls an die westliche Grundstücksgrenze verschoben, so dass ein Grunderwerb für den Gehwegbau minimiert wird.

 

Für den gesamten Bereich ist eine durchgängige Breite von 6,00 m (Begegnungsverkehr LKW/PKW/Bus) vorgesehen. Die Fahrbahn wird beidseitig mittels Pflasterzeilen eingefasst. Der tiefliegende Rand erhält einen vorgesetzten Graniteinzeiler zur Wasserführung. Der hochliegende Rand wird mittels Granittiefbord eingefasst. In unbefestigten Nebenflächen wird keine Randeinfassung gesetzt.

 

A-A

Gehwegbau außerorts – Deckensanierung

 

B-B

Gehwegbau innerorts – Straßenausbau

 

Im Bereich des Flurstücks Nr. 876 verläuft die Straße in Richtung Nordosten im Radius 29,50 m. Dieser Radius macht eine Kurvenaufweitung innen und außen notwendig. Die Vorplanung hatte eine solche Kurvenaufweitung vorgesehen. Allerdings konnte aufgrund der vorhandenen Grundstückssituation kein weiterer Grunderwerb erfolgen, so dass in diesem Bereich auf eine Kurvenaufweitung verzichtet wird. Das Planungsbüro hat die Stadt Grafing darüber informiert, dass es im Bereich der fehlenden Aufweitung im ungünstigen Fall zu Problemen kommen kann (Begegnungsverkehr und Schleppkurven von Fahrzeugen).

 

Im weiteren Verlauf befindet sich der Durchlass (Baujahr Jahr 1936, Bogenform mit Abflussquerschnitt 1,56 m²) des Wieshamer Bachs. Für den geplanten Gehwegbau müsste der Durchlass verbreitet werden. Eine Verlegung der Kanal- und Wasserleitungen ist mit dem vorhandenen Durchlass wirtschaftlich nicht möglich. Es ist wirtschaftlicher, den vorhandenen Durchlass abzubrechen und durch einen neuen Durchlass (Fertigteil-Rechteckprofil mit Abflussquerschnitt 2,55 m²) in ausreichender Breite zu bauen. Die vorhandenen Leitplanken entlang des Wieshamer Bachs bleiben erhalten und nach dem Setzen des neuen Durchlasses werden diese wieder montiert.

 

Im weiteren Verlauf wird die Straße wieder auf die bestehende Trasse zurückgeführt. Ein Ausbau soll bis zum Ortsausgangsschild in Richtung Ebersberg erfolgen.

 

Für den Bereich der ehemalige EBE8 sollte bis zum Bahnübergang die vorhandene Linienführung soweit wie möglich erhalten bleiben. Die Bestandsvermessung hat aufgezeigt, dass die Straße im Kreuzungsbereich über Privatgrund verläuft. In diesem Abschnitt wurde die Straße, so weit möglich, auf öffentlichen Grund geplant. Im Trompetenbereich der Kreuzung, wird jedoch aufgrund der Schleppkurven, ein Erwerb von Privatgrund erforderlich.

Als mittlere Straßenbreite sind die vorhanden 5,50 m auch nach dem Umbau vorhanden. Zur Planungsentwässerung wird eine Drainageleitung längs der Straßenzüge verlegt. Diese entwässert in den Wieshamer bzw. Seeoner Bach.

 

Bauentwurf – Niederschlagswasser

Der Stadt Grafing liegt die vorhandene wasserrechtliche Genehmigung zum Einleiten von Niederschlagswasser in den Wieshamer Bach vor. Aktuell entwässern 3 Straßensinkkästen im Ortsgebiet Wiesham in den Wieshamer Bach.

 

Um eine geregelte Linienentwässerung zu ermöglichen, wird vor den Randeinfassungen ein Graniteinzeiler als Wasserführung gesetzt. In Abständen von ca. 20 bis 30 m wird das Wasser durch Straßensinkkästen in den Abmessungen 50 × 50 cm, gefasst. Im Bereich der Flurnummer 876 wird auf 40 m Länge eine Winkelstützmauer mit einer Höhe von +40 cm über FOK Gehweg gesetzt, um den Anlieger vor Starkregenniederschläge zu schützen.

 

Das gesammelte Niederschlagswasser wird zunächst über Absetzschächte (Größe von DN 1000) vorgereinigt und in den Wieshamer Bach eingeleitet. In Teilbereichen erfolgt die Niederschlagswasserbeseitigung über Schulter in angrenzende Grünflächen (wie bisher). In der Hofzufahrt (FlNr. 876) wird eine Entwässerungsrinne DN200 platziert, um das Privatgrundstück vor Niederschlägen zu schützen.

 

Um den erforderlichen Grunderwerb für den Gehwegbau zu minimieren, müsste der Straßenverlauf an die Grundstücksgrenze nach Westen hin verschoben. Damit ergibt sich in diesem Bereich ein notwendiger Vollausbau der Straße. Lediglich in dem Bereich, in dem die Straße aufgrund des Gehwegbaus nicht verschoben werden muss, erfolgt eine Deckensanierung (außerorts).

 

Im Haushalt 2019/2020 wurden folgende Kosten vorab im Oktober 2018 anmeldet.

 

Stadtwerke Wasser                                                                                              400.000,00 EUR

Stadtwerke Abwasser                                                                                         527.000,00 EUR

Stadt – Straßenbau                                                                                              469.000,00 EUR

Summe gesamt brutto                                                                                    1.396.000,00 EUR

 

Folgende Zuwendungen, Förderungen und Kostenerstattungen sind zu berücksichtigen:

 

Abstufungsvereinbarung EBE 8 (OT Wiesham bis BÜ)                                  35.000,00 EUR

Abstufungsvereinbarung ST2080 (OA Grafing bis Wiesham)                      62.000,00 EUR

Zuwendung für die Kanalisierung                                                                       57.711,13 EUR

Summe gesamt                                                                                                    154.711,13 EUR

 

Der Förderantrag für den Gehwegbau wurde fristgerecht zum 31.08.2018 bei der Regierung von Oberbayern eingereicht

 

Kostenberechnung 2018

 

Die nun vorliegende Kostenberechnung vom 21.12.2018 stellt die Kosten der Gesamtmaßnahme, wie folgt zusammen:

 

Los 1 Ortskanalisation Wiesham                                                                      546.779,89 EUR

Los 2 Wasserleitungsbau                                                                                    406.581,35 EUR

Los 3 Geh- und Radweg Wiesham                                                                    166.339.39 EUR

Los 4 Straßenbau                                                                                              1.028.635.23 EUR

Summe gesamt brutto                                                                                    2 148 335.86 EUR

Baunebenkosten ca. 15%                                                                                   322.250,38 EUR

Summe gesamt brutto                                                                                    2.470.586,24 EUR

 

Die Kostenmehrungen zwischen der Kostenschätzung im Jahr 2015 und der Kostenberechnung vom Dezember 2018 lassen sich nachstehend kurz zusammenfassen:

 

-        Die Kostenschätzung 2015 beinhaltete sämtliche Kosten für die Herstellung des Kanals und des Wasserleitungsbaus inkl. der entsprechenden Oberflächenwiederherstellung.

-        Jedoch wurden die Kosten ohne Berücksichtigung eines Baugrundgutachtens bzw. einer chemischen Analytik geschätzt.

 

-        Die Kostenberechnung 2018 wurde aufgrund des Baugrundgutachtens bzw. der analytischen Ergebnisse angepasst. Dabei wurden wegen der inhomogenen Schadstoffbelastung im betrachteten Gebiet die Aushubmassen auf alle angetroffenen Entsorgungsklassen aufgeteilt.

-        Zusätzlich fallen Kosten an für die Entsorgung des schadstoffbelasteten Aushubs (Frostschutzkies/Aushub Sinkkastenleitungen) der Staatsstraße in Höhe von ca. 264.000 EUR brutto

-        Zusätzlich fallen Kosten an für die Entsorgung des vorgefundenen teerhaltigen Straßenaufbaus in der Staatstraße in Höhe von ca. 85.000 EUR brutto

-        Kanalkosten und Wasserleitungskosten ohne Asphaltwiederherstellung, jedoch inkl. Entsorgung des angefallenen Aushubs

 

-        Sämtlichen Oberflächenwiederherstellungs- und Straßenbaukosten wurden im Los 4 zusammengefasst.

-        Für eine geregelte und richtlinienkonforme Entwässerung wurde eine entsprechende Straßenentwässerung (ca. 138.500 EUR brutto ) geplant.

-        Hochwasserschutz Anwesen Wiesham 5 (ca. 16.000 EUR brutto)

-        Erneuerung Brückenbauwerk (ca. 72.000 EUR brutto)

 

-        Im Zuge der Raffinerieexplosion in Vohburg 2018, wurden die Auswirkungen auf die Asphaltpreise erst im Oktober ersichtlich (starker Preisanstieg).

 

Von der Bauverwaltung wurde empfohlen, den Bauentwurf zu billigen und die Durchführung zu beschließen.

 

Dass das Projekt aufgrund der Straßenbauarbeiten über den Berechnungen liege, sahen die Ausschussmitglieder in der anschließenden Diskussion als Problem an. Eine Verschiebung sei jedoch ausgeschlossen, erklärte der Vertreter der Verwaltung. Denn die Zuschüsse wurden bereits vor sechs Jahren beantragt. Seither wurde die Umsetzung verschoben.

Von Seiten der Verwaltung wurde erklärt, dass Einsparmöglichkeiten geprüft und bis zur nächsten Sitzung des Stadtrates am 05.02.2019 vorgestellt werden. Diese Möglichkeit wurde angenommen und der Bauentwurf sowie die Durchführung einstimmig gebilligt.

 


Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss nahm die vorgestellte Planung und Kostenberechnung zur Kenntnis. Einstimmig wurde beschlossen dem Stadtrat den vorgestellten Bauentwurf mit Kostenberechnung zu empfehlen. Ferner beauftragte der Bau-, Werk- und Umweltausschuss das technische Bauamt hierbei bis zur nächsten Stadtratssitzung am 05.02.2019 Einsparmöglichkeiten zu prüfen.

 

Der Bau wird wie folgt umgesetzt:

a)     Neubau Schmutzwasserkanalisation des Ortsteils Wiesham,

b)     Erneuerung der Wasserleitungen in Wiesham,

c)      Geh- und Radwegneubau von Grafing nach Wiesham

d)     Oberflächenwiederherstellung und den Straßenbau in und nach Wiesham