Tagesordnungspunkt

TOP Ö 5: Bauantrag zur Erweiterung einer Wohnung in einem Zweifamilienhaus auf dem Grundstück Fl.Nr. 612/3 der Gemarkung Grafing (Am Feld 15)

BezeichnungInhalt
Sitzung:24.04.2018   BWUA/043/2018 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Vom Vertreter der Verwaltung wurde das Bauvorhaben vorgestellt und erklärt. Beantragt wird die Errichtung eines profilgleichen Anbaus von 8,16 x 4,06 m an der Ostseite zur Wohnungserweiterung; eine zusätzliche Wohneinheit entsteht nicht.

 

Das Vorhaben liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Dobelklause“ und beurteilt sich nach dessen Festsetzungen (§ 30 Abs. 1 BauGB).

 

Baugrenzen:

Der Bebauungsplan setzt für die Bebauung südöstlich der Straße „Am Feld“ eine seitliche und hintere Baugrenze fest. Der geplante Anbau liegt vollständig außerhalb der überbaubaren Grundstücksflächen.

 

Anders als an der Nordwestseite der Straße „Am Feld“ (vgl. VG München 16.06.1993) ist diese Festsetzung aber hier noch nicht als funktionslos anzusehen. Eine Befreiung hinsichtlich der Überschreitung der hinteren Baugrenze wurde bisher allein für das gegenständliche Grundstück Fl.Nr. 612/13 (bestehender Anbau) erteilt. Dieser Teilbereich des Bebauungsplans ist – von dieser einzigen Ausnahme abgesehen – in Übereinstimmung mit den Festsetzungen der überbaubaren Grundstücksflächen entwickelt worden. Die durch Planabweichung entstandene Abweichung hat damit noch keinen Grad erreicht, der das schutzwürdige Vertrauen auf die Fortgeltung der Bebauungsplanfestsetzung offensichtlich nicht mehr rechtfertigt. Die Abweichung in einem konkreten Einzelfall, der sich auch aus dem besonderen Zuschnitt des betroffenen Grundstücks erklären lässt, führt noch nicht zur sachlichen Funktionslosigkeit der Festsetzung insgesamt. Der Bebauungsplan ist damit hinsichtlich der Festsetzung der Baugrenze nach wie vor in der Lage, seine Planungsziele zu erfüllen. Das Vertrauen darauf – und das gilt insbesondere auch für die Nachbarn – ist noch nicht durch eine abweichende tatsächliche Entwicklung offenkundig gestört.

 

Auch hier ist es dann aber wiederum die atypische Grundstückssituation, die den Grund liefert für die Zulassung einer weiteren Bebauung der vom Bebauungsplan als „nicht bebaubar“ festgesetzten rückwärtigen Grundstücksfläche im Wege der Befreiung. So ist das Baugrundstück ca. 15 m tiefer als die anderen Grundstücke entlang des Straßenzugs „Am Feld“. Anderseits reicht es aber nicht bis zur „Dobelklause“ und ermöglicht keine Bebauung in der dortigen Baureihe (Dobelklause 18/20). Diese Grundstückssituation ist atypisch und kann sich deshalb nicht für eine Vielzahl gleichgelagerter Fälle für eine Bezugnahme ableiten. Die Durchführung des Bebauungsplanes stellt in dieser Situation eine nicht beabsichtigte Härte dar und erlaubt eine Befreiung nach § 31 Abs. 2 Nr. 3 BauGB.

 

Maß der baulichen Nutzung:

Der Bebauungsplan „Dobelklause“ setzt für das Grundstück den Haustyp E+D mit einer max. Grundflächenzahl von 0,2 und einer Geschossflächenzahl von 0,4 fest. Gemäß § 19 Abs. 4 der hier maßgeblichen BauNVO 1962 sind die vorhandenen Nebenanlagen in die Berechnungen der GRZ nicht mit einzubeziehen. Für die GFZ sind Aufenthaltsräume einschl. Treppenräume in allen Geschossen (also nicht nur in Vollgeschossen) mit anzurechnen (§ 20 Abs. 2 BauNVO 1962).

 

Somit errechnet sich auf dem Grundstück mit 648 m² mit dem beantragten Anbau eine GRZ von 0,25. Eine Befreiung für die Überschreitung von der festgesetzten Grundflächenzahl (0,20) ist aber städtebaulich vertretbar und kann entsprechend der Befreiungspraxis (Gleichbehandlung) im Plangebiet auch hier zugelassen werden.

 

Die mit dem Anbau entstehende Gesamt-Geschossfläche von 298 m² errechnet sich mit 0,46. Die Überschreitung gegenüber der festgesetzten GFZ (für Gebäude E+D) von 0,4 ist städtebaulich vertretbar. Maßgeblich ist vor allem, dass die für Gebäude mit dem Geschosstyp E+1 festgesetzte GFZ von 0,5 (als Obergrenze für die städtebauliche Vertretbarkeit) noch eingehalten ist.

 

Ebenso können die notwendigen Befreiungen (§ 31 Abs. 2 Nr. 3 BauGB) von den Festsetzungen der Wandhöhe und derer festgesetzter Dachneigung erteilt werden. Auch diese Befreiungen begründen sich mit der atypischen Bebauungssituation des deutlich tiefer liegenden rückwärtigen Grundstücksteils. Die dort anschließende Bebauung weist überwiegend den Haustyp E+1 auf. Die für diesen Haustyp geltenden Festsetzungen zur Wandhöhe und Dachneigung sind eingehalten.

 

Hinweise

Zusätzlicher Stellplatzbedarf entsteht nicht.

Die Abstandsflächen nach Norden werden übernommen, eine Übernahmeerklärung ist Bestandteil der Bauvorlagen.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zur Erweiterung einer Wohnung in einem Zweifamilienhaus auf dem Grundstück Fl.Nr. 612/3 der Gemarkung Grafing, Am Feld 15, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.