Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3: Grundschule Grafing;
Erweiterung und Sanierung des Schulhauses;
Abschluss Leistungsphase 4 - Billigung des Bauentwurfes

BezeichnungInhalt
Sitzung:04.07.2017   KUSS/008/2017 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Sitzungsleiterin erteilte der anwesenden Vertreterin der Verwaltung, Frau Magdon, und dem Architekten, Herrn Müller, das Wort.

Beide erläuterten zusammen die folgende zur Verfügung gestellte Beschlussvorlage:

 

Der Stadtrat entschied im Jahr 2009 die Einführung einer „Gebundenen Ganztagsschule“ an der Grundschule Grafing und befasste sich in der Sitzung am 07.10.2014 mit dem Ergebnis der Voruntersuchungen zur räumlichen Erweiterung des Schulgebäudes. Nach Vorstellung mehrerer Untersuchungsvarianten beschloss der Stadtrat die Umsetzung eines Erweiterungsbaus an der Nordfassade des Bestandsgebäudes.

 

Nachdem das Fachplanungsteam feststand, wurde das Bestandsgebäude untersucht, digital aufgenommen und bewertet.

Das Gebäude wurde unter Berücksichtigung des zusätzlichen Raumbedarfs ganzheitlich neu betrachtet. Dabei nahm die Entwicklung der Schülerzahlen einen großen Stellenwert ein. Die Schülerzahlen werden nach der aktuellen Prognose in den nächsten Jahren allmählich ansteigen und bereits 2022/23 eine „Sechszügigkeit“ erwarten lassen. Auch veränderte pädagogische Anforderungen beeinflussten den Entwicklungsprozess maßgeblich.

Gemeinsam mit der Schulleitung, unter Berücksichtigung des pädagogischen Konzepts, wurde der Bedarf an zusätzlichen (Fach-)Räumen ermittelt. In der weiteren Bearbeitung wurden auch die Flächen zur Betreuung der Schüler außerhalb des Unterrichts (Mittagsbetreuung), der Verwaltungs- und Lehrerbereich, sowie Lagerräume und sonstige Nebenräume betrachtet.

Die Formulierung des Raum- und Funktionsprogramms erfolgte im direkten Bezug auf individuelle Organisationsabläufe und funktionale Abhängigkeiten. Das daraus entwickelte Planungskonzept entstand mit dem Ziel, das Schulgebäude zukunftsfähig zu gestalten und eine klare Strukturierung und Zuordnung der einzelnen Nutzungsbereiche zu schaffen.

 

Im Hinblick auf die Sanierung des Bestandsgebäudes zeigte die Bestandsuntersuchung zahlreiche bautechnische Schwachstellen, die entgegen der in der Voruntersuchung von 2014 angenommenen Maßnahmen, einen größeren Sanierungsumfang (Generalsanierung) erforderlich machen. In Vordergrund stehen dabei die Sanierung des Untergeschosses (fehlende Bodenplatte) und die energetische Sanierungen der kompletten Gebäudehülle. Um weitere Ausweichräume zu schaffen, wurde der Ausbau des Dachgeschosses miteinbezogen.


Die Gesamtkosten für Neubau, Kellersanierung und Dachgeschossausbau sowie die Generalsanierung des Bestandsgebäudes stellten sich wie folgt dar:

 

Kostenrahmen (KG 300–700) vom 28.10.2016

 

Kosten Sanierung UG, Ausbau DG:

Summe brutto:                                                                               1.711.379,38 €

Kosten Sanierung Altbau:

Summe brutto:                                                                               4.507.730,73 €

Kosten Neubau BGF inkl. Aufzug:

Summe brutto:                                                                               4.706.494,80 €

                                                                                                            10.925.605,81 €

 

Rücklage 5% (empfohlen)                                                              546.280,25 €

Gesamtsumme:                                                                           11.471.885,16 €

 

 

Das Planungskonzept (Vorentwurf) für die Erweiterung der Grundschule Grafing mit Dachgeschossausbau sowie die notwendigen Sanierungsmaßnahmen des Bestandsgebäudes wurden dem Stadtrat in seiner Sitzung vom 08.11.2016 unter TOP 3 vorgestellt. Dieser billigte den Vorentwurf sowie den gestiegenen Kostenrahmen (Kostenschätzung) in Höhe von 11.471.885,16 EUR.

 

Im Anschluss erfolgte die wesentlich genauere Bearbeitung des Planungskonzeptes und endgültige Darstellung des Bauentwurfs mit Ausarbeitung der Genehmigungsplanung.

 


Entwurfskonzept Neubau

Das Entwurfskonzept sieht einen aufgeständerten Baukörper vor, der über zwei Vollgeschosse und eine begehbare Dachterrasse verfügt. Die Grundidee, den an der Nordfassade positionierten Erweiterungsbau aufzuständern, begründet sich primär darin, die Fläche des Pausenhofes nicht unnötig zu verkleinern. Damit konnte eine ideale Voraussetzung geschaffen werden, eine Vielzahl größerer Räume (60 m²) im Neubau unterzubringen. Über zwei Etagen stehen acht Lernbereiche (Klassenräume) mit je einem zwischengeschalteten Gruppenraum zur Verfügung, die flexibel zu großen Lernlandschaften zusammengeschaltet werden können (Cluster).

 

 

 

 

Im Zuge der Vorplanungsuntersuchungen stellte sich heraus, dass der Neubau aus Gründen der Statik nicht – wie ursprünglich gedacht – an die Nordwand des Bestandsgebäudes angehängt werden kann, sondern eine eigene Außenwand geschaffen werden muss. Damit ergab sich die Möglichkeit, den Neubau vom Bestandsgebäude abzurücken und einen „Puffer“ zu schaffen, der zum einen den Schulbetrieb während der Neubauphase etwas entlastet und zum anderen im Erdgeschoss einen räumliche Mehrwert („förderfähige Aula-Halle“) schafft.

Gemäß Schulbauverordnung soll die Grundschule über eine geschlossene Pausenfläche verfügen, welche von der Regierung mit einer Größe von 310 Quadratmetern gefördert wird. Mit der Pufferhalle entsteht im Innenraum eine Aula-Fläche mit höchster Raumqualität, aufgrund optimaler Tageslichtversorgung über die Dachflächenfenster.

Gegenüber dem Vorentwurf wurde in der Weiterbearbeitung des Planungskonzeptes die Vergrößerung der „Pausenhalle“ vorgenommen. Die ursprünglich nur in der „Pufferzone“ geplante langestreckte Halle (ca. 4,70 m × 50,00 m) wurde nun auf eine Fläche von über 400 Quadratmetern vergrößert. Die Erweiterung erstreckt sich dabei auf den Bereich unter der Aufständerung. Dadurch ergibt sich eine großzügige Fläche, die als überdachte Pausenhalle (Aula) und Mehrzweckraum genutzt werden kann (Förderung Mehrzweckraum 90 m²).

Leider musste die ursprüngliche Idee die Halle zu unterkellern aus statischen Gründen (fehlende Fundamente) aufgegeben werden. Die dort geplanten Technik- und Lagerräume“ wurden anderweitig im Gebäude positioniert.

 

In den oberen Geschossen sieht die Planung eine Verbindung der Gebäude (Alt- und Neubau) über Stege vor. Diese dienen als Mehrzweckflächen bzw. Bindeglied gegenüber allen möglichen Raum- und Lehr/Lernkonzepten („gemeinsame Mitte“) und sind als „Flächen für moderne Unterrichtsgestaltung“ ebenfalls förderbar (bis 600 m²). Lichtkuppeln in der Hallen-Dachfläche sorgen für eine optimale Raumqualität und ein offenes Raumempfinden. Innenraum wird zum Außenraum.

Die notwendigen Fachräume können, nachdem zusätzliche Klassenräume im Neubau geschaffen werden, im Bestandsgebäude an geeigneten Stellen untergebracht werden (z.B. Turmanbau).

Ein Aufzug im östlichen Teil des Neubaus verbindet an idealer Stelle das Staffelgeschoss des Turmbaus mit dem Bestandsgebäude und dem Neubau, so dass alle Geschossebenen barrierefrei erreichbar sind.

Bestandsänderungen werden im Bereich der Schulverwaltung und des Lehrerbereichs (Lehrerzimmer, Beratungslehrer Schulsozialarbeit etc.) vorgenommen, um den Bedarf einer geförderten Lehrerbibliothek sowie Sozialräumen (z.B. Ruheraum Lehrer) nachzukommen.

Ebenso wird die Fläche für den Hausmeister optimiert. Aus Brandschutzgründen muss diese vom Haupttreppenhaus separiert werden, damit Wareneingänge (Palletten mit Papier bzw. sonstigem Gebrauchsmaterial) unbedenklich zwischengelagert werden können. Ebenso wird ein bislang fehlendes Stuhllager eingerichtet.

Frühere Überlegungen zum Ausbau bzw. Aufstockung des Dachgeschosses scheiterten aus finanziellen Gründen, unter anderem weil für das Dachgeschoss nur ein baulicher Rettungsweg vorhanden war. Aufgrund der geplanten begehbaren Dachfläche des Neubaus, kann nun eine Nutzung des Dachgeschosses ohne größere Eingriffe in den Bestandsbau erfolgen. Die Planung sieht den Ausbau des Dachgeschosses vor, um notwendige Flächen für Ganztag und Mittagbetreuung zu schaffen.

 

 

Die beschriebenen Änderungen stellen sich im Grundriss folgendermaßen dar:

 

Untergeschoss:

 

Allplan 2015 - 15-18 G Schule Grafing - Untergeschoss:TB305 - ug_Raster

 

 

Erdgeschoss:

Allplan 2015 - 15-18 G Schule Grafing - Erdgeschoss:TB408 - eg_Konstruktion Fassade

 

 

Dachgeschoss:

 

Allplan 2015 - 15-18 G Schule Grafing - Dachgeschoss:TB706 - dg_Konstruktion
Die Kostenfortschreibung weist trotz Planungsänderungen keine Kostensteigerung auf:

 

Kostenrahmen (KG 300–700) vom 23.05.2017

 

Kosten Sanierung + Neubau (KG 300700):

Summe brutto:                                                                                   10.922.943 €

Rücklage 5% (empfohlen)                                                                    546.147 €

 

Gesamtsumme:                                                                                 11.469.090 €

 

Nach Abschluss der Entwurfs- und Genehmigungsplanung soll nun der Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern gestellt werden.

Die Erstellung der Ausführungsplanungen sowie die Ausschreibung der Bauleistungen sind analog dazu geplant. Sofern die Regierung von Oberbayern einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn zustimmt, können die Vergabeverfahren in der „kalten Jahreszeit“, vorzeitig zum Start der Bausaison eingeleitet werden, um bestmögliche Ausschreibungsergebnisse zu erzielen.

 

Die Voraussetzung zur Einleitung der weiteren notwendigen Maßnahmen bedarf der Billigung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung durch das zuständige Gremium.

 

In der anschließenden Diskussion wurde die neue Planung durchwegs gelobt, vor allen Dingen die aber Tatsache, dass sich die ursprünglichen Kosten nicht erhöht hätten.

 

Auf Nachfrage gab Herr Müller an, dass die Aula raumakustisch optimiert sein müsse, um den Schallschutz zu gewährleisten. Dies gelinge beispielsweise durch die passende Wahl der Materialien. Auch werden die Geländerhöhen auf der Dachterrasse so gebaut, dass ein Übersteigen durch die Schüler nicht möglich sein werde. Diese Dachterrasse werde auch nicht mehr kosten, da ohne sie die Fluchtwegsituation neu bewertet werden müsste und sich die Kosten gegenseitig aufheben würden.

 

Besonders hervorgehoben während der Diskussion wurde der neu entstehende Mehrzweckraum im Untergeschoss, der durch den separaten Zugang multifunktional nutzbar wäre (z.B. für VHS). Die Aula hingegen sei für Veranstaltungen nur bedingt tauglich, da sie aufgrund ihrer Größe unter die Versammlungsstättenverordnung (VStättV) falle.

 

(Die beiden Ausschussmitglieder Graf von Rechberg und Herr Schlechte erscheinen um 18.50 Uhr zur Sitzung = 11 Stimmberechtigte)

 

Der zeitliche Ablauf der kompletten Baumaßnahme sei wie folgt geplant:

 

Planungsphasen:

Lph. 5 (Werk-Detailplanung)                      Mai 2017  bis     Dezember 2017

Lph. 6 (Vorbereiten d. Vergaben.              Juli 2017 bis     Februar 2018

Lph. 7 (Mitwirkung an Vergaben)              Februar 2018 bis April 2018

 

Bauzeiten:

Lph. 8 (Bauüberwachung)                         April 2018 bis November 2019

à BA I    Umbau DG                            März – Juli  2018

à BA II   Sanierung UG                      Juli – August 2018

à BA III  Erweiterung                          Juli 2018  – Juli 2019

à BA IV  Fassade + Innen Altbau      Juli  – November 2019

à BA V   Verwaltung Altbau               August – September 2019

 

Ebenfalls auf Nachfrage teilte die Verwaltung mit, dass der Umbau die bis zum Jahre 2030 prognostizierte 6-zügige Grundschule auf jeden Fall beherbergen könne und dass man für den Umbau mit bis zu 5 Mio. EUR an Fördergeldern rechnen könne.

 


Der Kultur- und Schul-, Sport- und Sozialausschuss billigte einstimmig die vorgestellte Entwurfs- und Genehmigungsplanung zur Erweiterung der Grundschule Grafing einschließlich vorgestelltem Kostenahmen, gemäß der Kostenberechnung des Planungsbüros müllerschurr.architekten vom 23.05.2017, in Höhe von 11.469.090,00 EUR und beschloss ebenfalls einstimmig, die weiteren Stufen der Leistungsphasen an die Planungsteams zu übertragen. Ferner wird der Stadtverwaltung übertragen, die Antragsstellung für Förderungen bei den jeweiligen Förderstellen (Regierung von Oberbayern, KfW etc.) einzuleiten.