Tagesordnungspunkt

TOP Ö 6: Bauantrag zum Neubau einer Reithalle und einer Ovalrennbahn auf den Grundstücken Fl.Nrn. 93/0 und 132/0 der Gemarkung Straußdorf (Moosfeld)

BezeichnungInhalt
Sitzung:30.05.2017   BWUA/032/2017 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Vom Verwaltungsvertreter wurde der Bauantrag vorgestellt und zum besseren Verständnis die Vorgeschichte geschildert.

 

Erstantrag 2015

In der Sitzung am 28.07.2015, TOP 2, 3 und 4, wurde bereits über das Einvernehmen zu einer beantragten Reithalle, einem Pferdestall und einer „Ovalrennbahn“ (offene Bewegungsfläche/Reitbahn) entschieden. Das gemeindliche Einvernehmen wurde zwar erteilt.

In der gemeindlichen Stellungnahme wurde die Rechtmäßigkeit des Vorhabens hinsichtlich der Standortwahl in Frage gestellt. Das Gebot der größtmöglichen Schonung des Außenbereichs, eine Voraussetzung des Privilegierungstatbestandes der „dienenden Funktion“, würde eine nähere Zuordnung zur Hofstelle (etwa auf das Grundstück Fl.Nr. 93) erforderlich machen. Die Standortwahl ist aus diesem Grunde zu überprüfen. Die Erschließung wurde nicht abschließend geprüft und nicht bestätigt.

 

Die Bauanträge für die Reithalle und den Pferdestall wurden vom Landratsamt Ebersberg dann mit Bescheid vom 06.04.2017 abgelehnt, und zwar aus den o.g. Standortgründen. Über den Antrag für die Ovalrennbahn (Bewegungsfläche) wurde noch nicht entschieden.

 

Neuantrag 2017

Jetzt wird die Errichtung einer Reithalle mit den Maßen 42 x 21 m (2015: 40 x 20 m), einer Wandhöhe von 5,10 m und einer Dachneigung von 20 Grad auf dem Grundstück Fl.Nr. 93 der Gemarkung Straußdorf beantragt. Dort befindet sich derzeit noch ein Reitplatz. Südlich der Reithalle auf dem Grundstück Fl.Nr. 132 wird jetzt die Reitbahn (Ovalrennbahn) beantragt. Die Größe der Reitbahn ist identisch mit dem Bauantrag aus dem Jahr 2015. Es handelt sich um eine 4 m breite Sandbahn in einem Rundkurs von 104,44 x 46 m und einer 1,20 m hohen Einzäunung. Der Pferdestall wird nicht erneut beantragt.

 

Das Vorhaben liegt außerhalb des im Zusammenhang bebauten Ortsteils. Die Zulässigkeit im planungsrechtlichen Außenbereich setzt deshalb die landwirtschaftliche Privilegierung des Vorhabens (Pensionspferdehaltung) voraus (§ 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB). Die Voraussetzungen der landwirtschaftlichen Privilegierung hinsichtlich des Betriebes und des Vorhabenzwecks wurden schon im vorausgegangenen Verfahren positiv geprüft. Die für den Bau der Reithalle notwendige Größe des Tierbestandes (mindestens 25 Pensionspferde) ist offensichtlich gegeben (vgl. hierzu die gemeinsame Ministeriumsbekanntmachung zum Bauen landwirtschaftlicher Betriebe vom 10.06.1998, Ziffer 4.1.2).

 

Der jetzt beantragte Standort erfüllt auch die Anforderungen der notwendigen räumlichen Zuordnung zur Hofstelle und der größtmöglichen Schonung des Außenbereichs. Auch die angemessene Einbindung in die Landschaft (§ 35 Abs. 5 Satz 1 BauGB) ist an diesem Standort günstiger zu lösen. Auch wenn hier aufwändigere Abgrabungen des nach Süden ansteigenden Geländes notwendig werden, sind dadurch die Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Fernwirkung erheblich geringer.

 

Für die Reitbahn liegen die Privilegierungsvoraussetzungen uneingeschränkt vor.

 

Landschaftsbild (naturschutzrechtlicher Ausgleich)

Bereits der bestehende Pferdestall hat einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild verursacht. In der Baugenehmigung vom 05.10.2000, Az.: B-1999-504, wurden weitläufige Baumpflanzungen zur Ortsrandeingrünung (Ausgleichsmaßnahmen) festgelegt. Die im Freiflächengestaltungsplan festgesetzte Ausgleichsfläche (12 Obstbäume) an der Westseite der Fl.Nr. 93 wurde umgesetzt, nicht aber die dort vorgesehene Pflanzung von 30 Obstbäumen südlich des Pferdestalles (auf Fl.Nr. 132).

 

Nachdem diese „südliche Fläche“ jetzt durch die Reithalle bzw. die Reitbahn teilweise bebaut wird, sind zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen notwendig. Die Stadt Grafing b.M. würde es sehr begrüßen, wenn entlang der das Vorhaben erschließenden Straße eine Obstbaumreihe gepflanzt wird.

Anmerkung: Das würde den inhaltlichen Zielen (Maßnahmenplan) des Dorferneuerungsverfahrens für Straußdorf, das südlich des Weges auf Fl.Nr. 135 eine Ortsrandeingrünung vorsieht, entgegenkommen.

 

Erschließung

Der Standort beeinträchtigt den vorhandenen Feldweg nicht. Abweichend vom Lageplan führt der Weg bereits bogenförmig um den bestehenden Pferdestall. Die Wegeverlegung und die Übernahme der Wegebaulast wurden anlässlich der Errichtung des bestehenden Pferdestalles im Jahr 2000 geregelt. Sie war notwendig, um die vom vormaligen Wegeverlauf getrennten Weide-/Koppelflächen auf Fl.Nr. 132 frei erreichen zu können. Da der Weg auch für andere Landwirte genutzt wird, war eine Einziehung nicht möglich.

 

Mit der jetzt beantragten Errichtung der Reithalle erfolgt eine Verfestigung des damals erstmals begründeten Betriebsteiles der Pensionspferdehaltung. Aufgrund der dadurch ausgelösten Betriebsentwicklung wird die Wegebenutzung zunehmend vom Erschließungsverkehr der Pensionspferdegäste dominiert und erfüllt künftig die Verkehrsfunktion einer Ortsstraße. Hierfür sind jetzt die straßenrechtlichen Voraussetzungen durch eine entsprechende Aufstufung des bisherigen Feldweges zur Ortsstraße zu schaffen. Zuletzt erfolgte bereits für das „Yogazentrum“ die Aufstufung zur Ortsstraße im östlichen Abschnitt (von der Aßlinger Straße bis zur Zufahrt bei der Ostgrenze Fl.Nr. 59/4). In Folge der Aufstufung sind dann gemäß Art. 13 BayStrWG auch die Eigentumsverhältnisse der Wegeflächen anzupassen. Die nach der straßenrechtlichen Auflassung entbehrlichen Wegeflächen südlich des Pferdestalles (Eigentum Stadt) werden veräußert; die Stadt Grafing erhält die bisher nicht vermessene Teilstrecke nördlich des Pferdestalles in einer Breite von 5 m. Eine technische Verbesserung (Asphaltierung) ist nicht notwendig.

 

Das Grundstück der Reithalle ist durch die öffentliche Trinkwasserversorgung nicht erschlossen. Soweit ein Wasseranschluss notwendig ist, ist für die entsprechende Verlängerung der Versorgungsleitung ein Erschließungsvertrag abzuschließen. Hierfür ist die für den Pferdestall getroffene (Sonder-)Vereinbarung vom 13.10.1999 zu erweitern.

 

Nicht sichergestellt ist die ausreichende Löschwasserversorgung über die Anschlussleitung. Der nächste Löschwasserhydrant liegt in einer Entfernung von ca. 134 m.

 

Die Stallanlagen bleiben unverändert. Da keine nennenswerte Erhöhung des Tierbestandes beabsichtigt ist, werden die bestehenden 7 Stellplätze für ausreichend angesehen.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Neubau einer Reithalle und einer Ovalrennbahn auf den Grundstücken Fl.Nrn. 93/0 und 132/0 der Gemarkung Straußdorf, Moosfeld, das gemeindliche Einvernehmen unter folgenden Maßgaben zu erteilen:

·      Mit der Erweiterung des Betriebes durch eine Reithalle ist die wegemäßige Erschließung durch einen Feldweg unzureichend. Dieser ist aufzustufen zur Ortsstraße, wofür die Eigentumsverhältnisse der Wegeflächen gemäß Art. 13 Bay­StrWG zu lösen sind (Wegeflächenabtretung an die Stadt).

·      Die Trinkwasserversorgung ist für die Reithalle nicht gesichert. Soweit erforderlich, ist hierfür ein Erschließungsvertrag abzuschließen.

·      Das Einvernehmen erfolgt unter der Voraussetzung, dass der Bauantrag für die Reitbahn aus dem Jahr 2015 auf dem Grundstück Fl.Nr. 139 zurückgenommen wird. Nur für eine Reitbahn liegen die Privilegierungsvoraussetzungen vor.