Tagesordnungspunkt

TOP Ö 4: Bauantrag zum Anbau mit Aufstockung an ein bestehendes Einfamilienhaus auf dem Grundstück Fl.Nr. 130/5 der Gemarkung Öxing (Rotter Straße 26a)

BezeichnungInhalt
Sitzung:28.03.2017   BWUA/030/2017 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Vom Vertreter der Verwaltung wurde der Bauantragt vorgestellt. Beantragt wird die Aufstockung des bestehenden Einfamilienhauses zur Schaffung zusätzlicher Wohnräume. Das Gebäude wird weiterhin nur mit einer Wohneinheit genutzt.

 

Art der baulichen Nutzung:

Das Vorhaben liegt im unbebauten Innenbereich, die Umgebungsbebauung entspricht durch den landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb keinem der Baugebiete der BauNVO. In der vorwiegend durch Wohnbebauung beherrschten Gemengelage ist das beantragte Vorhaben zulässig; eine Beeinträchtigung des Rücksichtnahmegebotes ist nicht erkennbar.

 

Maß der baulichen Nutzung:

Die geplante Erweiterung (Anbau) nach Osten entspricht insoweit dem Einfügungsgebot. Der Einfügungsrahmen wird hinsichtlich der Gebäudegrundmaße und der absoluten Grundfläche nicht überschritten. Zwar werden die ohnehin schon geringen Freiflächen weiter reduziert. Entsprechend geringe Freiflächen sind aber bereits in der näheren Umgebung vorzufinden und damit gebietsprägend.

 

Besonderes Augenmerk gilt der Aufstockung und den dabei entstehenden Bauhöhen. Die durch die Aufstockung entstehende Firsthöhe von 9,28 m überschreitet den Einfügungsrahmen geringfügig. Dabei finden sich in der (näheren) Umgebung (Tegernauer Straße 1) nur Firsthöhen mit ca. 9,20 m. Firsthöhen bis zu 9,50 bzw. 9,60 m sind aber bei den Anwesen Inntalstraße 4, 4a bzw. Rotter Straße 18 zu finden, die jedoch nicht mehr der näheren Umgebung zuzurechnen sind. Dennoch ist diese Bebauung ein Maßstab für die städtebauliche Vertretbarkeit und kann in diesem Fall eine Abweichung vom Einfügungsgebot (hier: Erweiterung eines Wohngebäudes) rechtfertigen (§ 34 Abs. 3a BauGB).

 

Dem Einfügungsgebot widerspricht aber die an der Westseite entstehende Wandhöhe von 8,10 m. Dadurch wird der Einfügungsrahmen mit Wandhöhen von bis zu max. 7 m massiv (um über 1 m) überschritten. Diese Überschreitung führt gleichzeitig zu einem Verstoß gegen das Rücksichtnahmegebot. So weist das Gebäude im Erdgeschoss einen Grenzzusammenbau mit dem Nachbargebäude (Tegernauer Straße 26) auf. Mit dieser Bauweise geht der wechselseitige Verzicht auf die Einhaltung von Abstandsflächen einher. Im unbeplanten Innenbereich ist das Rücksichtnahmegebot das entscheidende Korrektiv, inwieweit bei einer grenzzusammenhängenden Bebauung ein Versatz in Höhe oder Tiefe zueinander noch wechselseitig verträglich ist. Ein Maßstab stellt dabei auch das Abstandsflächenrecht dar. Bei einer Unterschreitung der Abstandsflächen, wie sie hier entsteht, ist auch die Grenze der wechselseitigen Verträglichkeit überschritten. Im vorliegenden Fall weist das Gebäude an der Westseite bei einem Grenzabstand von nur 3,40 m eine Wandhöhe von 8,10 m auf. Die Mindestabstandsfläche dieser 10 m langen Wand (16-Meter-Privileg) beträgt somit 4 m und wird damit deutlich überschritten.

 

Eine Abweichung nach § 34 Abs. 3a BauGB für eine Wand mit einer Höhe von 8,10 m ist deshalb nicht nur aus städtebaulichen Gründen (Vorbildwirkung) nicht mehr vertretbar, sondern auch hinsichtlich der nachbarlichen Interessen. Die Bebauung wirkt auch rücksichtlos.

 

Da keine zusätzliche Wohneinheit entsteht, entsteht kein zusätzlicher Stellplatzbedarf.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Anbau mit Aufstockung an ein bestehendes Einfamilienhaus auf dem Grundstück Fl.Nr. 130/5 der Gemarkung Öxing, Rotter Straße 26a, das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen.