Tagesordnungspunkt

TOP Ö 7: Stadtwerke (Abwasser);
Abwasserbehandlung in der Kläranlage
a) Klärschlammverwertung;
Vorstellung der Studie über die künftige Klärschlammentsorgung
b) Klärschlammentwässerung;
Neubau einer Klärschlammpresse (Maßnahmenbeschluss) und Vergabe der Ingenieurleistungen

BezeichnungInhalt
Sitzung:24.01.2017   BWUA/028/2017 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Beschlussvorlage sowie die erarbeitete Studie zur Klärschlammverwertung in der Kläranlage Grafing des Ingenieurbüros Dippold und Gerold lagen den Stadtratsmitgliedern vor. Zu diesem Tagesordnungspunkt begrüßte die Erste Bürgermeisterin Herrn Waldinger vom Ingenieurbüro Dippold und Gerold.

 

a) Klärschlammverwertung

 

Vom Ingenieurbüro Dippold und Gerold wurde zur Klärschlammverwertung in der Kläranlage Grafing eine Studie erarbeitet. Zur Vorstellung der Studie erteilte die Erste Bürgermeisterin das Wort an Herrn Waldinger vom Ingenieurbüro Dippold und Gerold. Herr Waldinger begrüßte das Gremium und stellte anhand einer Powerpoint Präsentation die ausgearbeitete Studie zur Klärschlammverwertung vor. Ein Ausdruck dieser Präsentation ist Bestandteil dieser Niederschrift.

 

b) Klärschlammentwässerung

 

Aktuell wird der nasse Klärschlamm (ca. 6.000 m³/a) der Kläranlage der Stadt Grafing meist auf landwirtschaftliche Flächen verteilt. Dies ist meist nur in den Monaten April–Oktober möglich. In den Wintermonaten November–Januar bzw. bis zur Frostfreiheit im März ist es verboten, Klärschlamm auf die Felder zu verteilen. Des Weitern sind Schadstoffgrenzwerte vorgegeben, die vom Klärschlamm nicht überschritten werden dürfen. In den letzten Jahren gab es zweimal eine Grenzwertüberschreitung (1 x mit Quecksilber, 1 x mit Salmonellen), wodurch dieser Schlamm nicht landwirtschaftlich verwertet werden konnte. Generell ist von der Regierung geplant, die Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen durch erhöhte Auflagen zu minimieren und schlussendlich zu untersagen.

 

Die Klärschlammverwertung ist gesetzlich geregelt in der Verordnung über die Verwertung von Klärschlamm, Klärschlammgemisch und Klärschlammkompost (Klärschlammverordnung – AbfKlärV). Seit längerer Zeit laufen Bestrebungen zur gesetzlichen Neureglung (vgl. Referentenentwurf vom September 2016). Zu erwarten sind zumindest erhöhte Anforderungen für die bodenbezogene (landwirtschaftliche) Verwertung und vor allem die Notwendigkeit der Phosphorrückgewinnung.

 

Das vorhandene Schlammsilo hat ein Volumen von 1.500 m³. Das vorhandene Prozesswasserbecken zur Aufnahme des Presswassers besitzt eine Kapazität von rund 450 m³. Damit hat die Kläranlage immer das Problem, dass die Speicherkapazität nicht über die gesamte Zeit der Ausbringungssperrfrist ausreicht, so dass in der Zeit mobil entwässert werden muss. Aus diesem Grund wurde für die Winterperiode 2016/2017 die Firma Emter mit der mobilen Pressung und Entsorgung des anfallenden Klärschlammes beauftragt.

 

Nur bei der landwirtschaftlichen Ausbringung durch die ansässigen Landwirte ist die Verwertung bzw. Ausbringung von Nassschlamm möglich. Diese sind jedoch auf Grund ihrer Größe und gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht in der Lage, die anfallenden Schlammmengen der Kläranlage Grafing zu verwerten. Die kommerzielle landwirtschaftliche Verwertung (Fa. Bauer) sowie die Entsorgung erfordert eine Pressung (Entwässerung) des Klärschlamms, um die Transportmenge sowie die Kosten deutlich zu reduzieren. Die Entwässerung des Klärschlamms ist deshalb unabhängig vom Weg der künftigen Klärschlammverwertung notwendig.

 

Das Ingenieurbüro Dippold und Gerold, das die Kläranlage seit Jahren betreut, wurde mit einer Studie zur aktuellen Situation der Klärschlammpressung und der Klärschlammentsorgung beauftragt.

 

Dabei wurden folgende drei Möglichkeiten untersucht:

 

1.    mobile Schlammentwässerung mit Neubau eines 1.000 m³ Prozesswasserbecken

2.    Neubau einer Schlammentwässerungsanlage

3.    landkreiseigene mobile Schlammentwässerungsanlage

 

Die mobile landkreiseigene Schlammentwässerungsanlage kann auf Grund der zur Zeit unklaren Situation innerhalb des Landkreises zu Punkten wie Größe, Transport, Zuständigkeit für Unterhalt und zeitliche Einsatzmöglichkeiten nicht weiter betrachtet werden. Die landkreisbezogene Lösung ist aus Sicht der Verwaltung, wie auch aus der Sicht des Klärwerks, nicht zielführend. Zu diesem Schluss kommt auch die beauftragte Studie. Daher wurden die Möglichkeiten einer ganzjährigen mobilen Entwässerung als Subunternehmerleistung und die Anschaffung einer eigenen Schlammentwässerungsanlage intensiver betrachtet und gegenübergestellt.

 

Im Fall der Beauftragung eines Subunternehmers zur mobilen Entwässerung inkl. Klärschlammentsorgung muss ein 1.000 m³ großes Prozessbecken errichtet werden, um dauerhaft eine wirtschaftliche Betriebsweise zu ermöglichen (Subunternehmerleistung max. 6–7 x jährlich).

 

Bei Anschaffung einer eigenen Schlammentwässerungsanlage muss ein Containerstellplatz mit Förderanlage gebaut werden. Ferner kommt die Klärschlammentsorgung hinzu.

 

Die Beurteilung beider Möglichkeiten erfolgte sowohl anhand wirtschaftlicher Aspekte als auch im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben.

 

Bei der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurden folgende Anschaffungskosten und Jahreskosten per Kostenschätzung ermittelt:

 

Variante 1

  • mobile Schlammentwässerung/Neubau Prozesswasserbecken
  • alle baulichen und maschinentechnischen Anpassungen           
    Kostenschätzung 315.000 EUR (Einmalkosten)
  • jährliche Betriebskosten ca. 185.300 EUR

 

Variante 2

  • eigene Schlammentwässerung               
  • alle baulichen und maschinentechnischen Anpassungen           
    Kostenschätzung 445.000 EUR (Einmalkosten)
  • jährliche Betriebskosten ca. 144.700 EUR

 

 

Die Differenz in den einmaligen Anschaffungskosten von ca. 130.000 EUR amortisiert sich über die niedrigeren Betriebskosten von ca. 40.000 EUR bereits nach ca. 3,5 Jahren. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ist die Anschaffung einer eigenen Klärschlammpressung vorteilhaft, sondern auch aus dem Blickwinkel der Bindung des Betriebspersonals und eines ökologisch sinnvollen Kläranlagenbetriebs. So kann bei einer eigenen Anlage der Klärschlamm entsprechend dem Anlagenbetrieb kontinuierlich oder auch stoßweise gepresst werden. Das entstehende Prozesswasser kann in dem vorhandenen Prozesswasserbecken (ca. 450 m³) gespeichert und kontinuierlich in der Kläranlage verfahren werden. Personalengpässe können ebenso wie erhöhte Klärschlammaufkommen besser abgefangen werden.

 

Im Jahr 2016 wurden bereits zwei Probepressungen (Fa. Huber AG, Fa. IEA Press) mit Schneckenpressen durchgeführt, die beide Male zu sehr zufriedenstellenden Ergebnissen kamen. So wurde der Nassschlamm mit einer durchschnittlichen TR von 2,5% durch die Schneckenpressung auf einem Trockenanteil von ca. 25 bis 30% gepresst. Mit der Anschaffung einer solchen Schneckenpresse könnte der entstehende „Schlamm“ über eine Förderanlage in Container transportiert werden, ohne dass es zu Geruchsbelästigungen in der Nachbarschaft kommt. Die gefüllten Container können über Fremdfirmen geleert und der Klärschlamm rechtskonform entsorgt bzw. weiterverarbeitet werden.

 

Für eine eigene Klärschlammpressung müssten folgende bautechnische und maschinentechnische Anpassungen vorgenommen werden:

-       Demontage Altanlage (25 Jahre alt, seit 3 Jahren defekt, zu laut)

-       bauliche Anpassung im „Pressraum“

-       neue Schneckenpresse

-       Fördertechnik bis zu den Container für den Trockenschlamm

-       neuer überdachter Containerstellplatz

 

Die Gesamtkosten für die Neuanlage belaufen sich auf ca. brutto 445.000 EUR (inkl. Nebenkosten). Diese Kosten wurden bereits im Wirtschaftsplan 2017 berücksichtigt.

 

Die planerische Betreuung für die Umsetzung der baulichen und maschinentechnischen Maßnahme wurde in der Kostenschätzung unter den Nebenkosten bereits berücksichtigt. Hierfür liegt bereits ein Honorarangebot des Ingenieurbüros Dippold und Gerold in Höhe von brutto 69.795,89 EUR vor.

 

Aufgrund der besonderen Vorkenntnisse des Ingenieurbüros Dippold und Gerold durch die langjährige fachtechnische Betreuung der Kläranlage Grafing liegen besondere Gründe nach § 3 Abs. 5 Nr. 1 VOB/A für die Auftragserteilung an ein bestimmtes Unternehmen vor. Die Durchführung eines Vergabeverfahrens konnte deshalb entfallen.

 

 

Im Anschluss sprach ein Ausschussmitglied nochmals die Variante mit der landkreiseigenen mobilen Entwässerungsanlage an. Da eine eigene Klärschlammpresse nur 30% ausgelastet wäre, sah der Redner eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis als wirtschaftlicher an.

 

Daraufhin wurde von der Ersten Bürgermeisterin erklärt, dass die Details für die Anschaffung einer landkreiseigenen mobilen Entwässerungsanlage noch nicht geklärt und festgelegt wurden; die Zentrifuge in der Kläranlage Grafing aber defekt sei und umgehend eine Lösung geschaffen werden müsse. Ferner ist aus der Studie des Ingenieurbüros Dippold und Gerold zu entnehmen, dass die Anschaffung einer eigenen Klärschlammpresse am kostengünstigsten ist.

 

Auch von Herrn Waldinger wurde daraufhin nochmals bestätigt, dass aufgrund der Größe der Kläranlage Grafing die Anschaffung einer eigenen Maschine am sinnvollsten wäre und die Presse weiter den Vorteil mit sich bringt, dass der Trocknungsgrad nach den Bedürfnissen des anfallenden Klärschlamms optimal eingestellt werden kann. Des Weiteren wurde von Herrn Waldinger die Organisation einer landkreiseigenen Maschine als problematisch angesehen.

 

Aus den weiteren Beratungen war zu entnehmen, dass der Bau-, Werk- und Umweltausschuss für die künftige Klärschlammverwertung zur Monoverbrennung mit Phosphorrückgewinnung tendiert. Seitens der Ersten Bürgermeisterin wurde im Diskussionsverlauf erklärt, dass die Entsorgungsart in der heutigen Sitzung nicht festgelegt werden muss und man hierüber zu einem anderen Zeitpunkt beraten wird. Da aber für sämtliche Entsorgungsoptionen getrockneter Klärschlamm Voraussetzung ist, sollte in der heutigen Sitzung der Beschluss zur Anschaffung einer eigenen Klärschlammpresse gefasst werden.

 

Abschließend sprach sich das Gremium dann einstimmig für den Erwerb einer eigenen Klärschlammpresse aus

 


Nach Sachvortrag wurde vom Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig folgendes beschlossen:

·      Dem Neubau einer Klärschlammpresse inkl. neuen Containerstellplatz für die Kläranlage der Stadt Grafing b.M. gemäß Kostenrahmen in Höhe von brutto 445.000,– EUR wurde die Zustimmung erteilt.

·      Die Vergabe der Planungsleistungen in Höhe von brutto 69.795,89 EUR an das Ingenieurbüro Dippold und Gerold aus 82110 Germering wurden beschlossen.