Tagesordnungspunkt

TOP Ö 7: Bauantrag zum Um- und Anbau des bestehenden Wohn- und Geschäftshauses auf dem Grundstück Fl.Nr. 214/2 der Gemarkung Grafing (Bahnhofstraße 16)

BezeichnungInhalt
Sitzung:26.07.2016   BWUA/023/2016 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Antragsunterlagen wurden vom Verwaltungsvertreter vorgestellt. Beantragt wird die Errichtung eines Wohngebäudes (1 Wohneinheit) im rückwärtigen Grundstücksbereich, das mit dem Hauptgebäude baulich verbunden wird. Im Obergeschoss entsteht im Neubau (Anbau) ein zusätzlicher Wohnraum für das Bestandsgebäude. Das Gebäude wird grenzständig an das nördlich benachbarte Lagergebäude (Grenzbebauung) angebaut.

 

Das Vorhaben liegt im unbeplanten Innenbereich (§ 34 BauGB). Die Umgebungsbebauung entspricht einem faktischen Mischgebiet; die geplante Erweiterung der Wohnnutzung ist hier gem. § 34 Abs. 2 BauGB i.V.m. § 6 Abs. 2 Nr. 1 BauNVO nach der Art der baulichen Nutzung allgemein zulässig.

 

Das Gebäude fügt sich hinsichtlich der Bauhöhen, der Gebäudegrundmaße, der absoluten Grundfläche und der Größe der überbauten Flächen im Verhältnis zur Umgebungsbebauung fraglos in die Eigenart der näheren Umgebung ein.

 

Eine besondere Betrachtung verlangt die Bauweise wegen der einseitigen Grenzbebauung (halboffene Bauweise). Die das Baugrundstück prägende nähere Umgebung, zu der aufgrund des städtebaulichen Charakters auch die Bebauung westlich der Bahnhofstraße zählt, ist durch eine differenzierte Bauweise gekennzeichnet. Es findet sich neben der offenen Bauweise auch Gebäude mit stark verkürzten oder ganz fehlenden seitlichen Grenzabständen. Auch die halboffene Bauweise ist anzutreffen bei den Gebäuden Bahnhofstraße 9 und Bahnhofstraß 11. Das Nachbargrundstück (Bahnhofstraße 18) weist im rückwärtigen Grundstücksteil ebenfalls eine halboffene Bauweise auf. Dabei ist das Gebäude, an das jetzt angebaut werden soll, als Hauptgebäude genehmigt (Werkstatt für den Installationsbetrieb; 2-geschossig).

 

In dieser Umgebungsbebauung mit unterschiedlicher Bauweise ist wahlweise auch das Bauen an der Grenze möglich und fügt sich ein (§ 34 Abs. 1 BauGB).

 

Hier kommt dem Gebot der Rücksichtnahme besondere Bedeutung zu. Nachdem aber das beantragte Gebäude hinsichtlich seiner Höhe gegenüber der Umgebungswandhöhe zurückbleibt und sich an der Bauhöhe des bestehenden Nachbargebäudes orientiert (die dort angetroffenen Wandhöhen werden nur geringfügig überschritten), sind Rücksichtnahmepflichten nicht verletzt.

 

Stellplätze:

Trotz der selbständigen Nutzbarkeit des Anbaus liegt kein Einzelhaus/Doppelhaus im Sinne des Stellplatzrechts vor. Auch wenn dort – aufgrund des Zwecks der Regelung – nicht die Rechtsdefinition des Bauplanungsrechtes maßgeblich ist sondern die stellplatzrechtliche Wirkung, ist das Vorhaben als Mehrfamilienhaus bzw. gemischte Nutzungsform zu betrachten. Hierfür spricht nicht nur die grundstücksrechtliche Einheit, sondern auch die übergreifende Raumnutzung (Wohnraum im OG-Anbau).

 

Durch den Neubau und die zusätzliche Wohneinheit entsteht ein geänderter Stellplatzbedarf.

 

Bestand:

Wohn- und Geschäftshaus

EG      Laden 50,98 m² (Werkstatt ohne Anrechnung)

            1 Stpl./40 m² mind. 2 Stellpl.                                                            2,00 Stpl.

 

EG + OG Wohnung über 100 m² (Baugen. Az. 525/51 + Az. 839/65)        2,00 Stpl.

Summe                                                                                                         4,00 Stpl.

 

Neu:

Wohn- und Geschäftshaus

EG      Laden 50,98 m² (Lager + Büro untergeord. Nebennutzung)

            1 Stpl./40 m² mind. 2 Stellpl.                                                            2,00 Stpl.

 

Neubau bzw. Änd. Bestand – 2 Wohnungen unter 100 m², je 1,5 Stpl.      3,00 Stpl.

Stellplatzbedarf neu                                                                                      5,00 Stpl.

 

Es sind 2 Stellplätze auf dem Grundstück tatsächlich vorhanden, 2 Stellplätze sind historisch bestandsgeschützt. Es ist noch zusätzlich 1 Stellplatz nachzuweisen.

 

Ein Nachweis des zusätzlichen Stellplatzes auf dem Grundstück selbst bzw. auf einem Grundstück in der Nähe ist voraussichtlich nicht möglich. Sofern ein anderweitiger Nachweis nicht gelingt, besteht die Möglichkeit der Ablösung des notwendigen Stellplatzes gemäß den Bestimmungen der örtlichen Stellplatzsatzung (Ablösebetrag 10.200,– €). Da es sich um eine bauliche Änderung handelt (Art. 55 BayBO rechnet hierzu auch die Erweiterung), ist gemäß Art. 47 Abs. 1 Satz 3 BayBO auch ein Ablösungsanspruch anzuerkennen.

 

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss stimmt der Ablösung des notwendigen zusätzlichen Stellplatzes zu, sofern der Stellplatz nicht anderweitig nachgewiesen werden kann.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Um- und Anbau des bestehenden Wohn- und Geschäftshauses auf dem Grundstück Fl.Nr. 242/2 der Gemarkung Grafing, Bahnhofstraße 16, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.

 

Dem Abschluss eines Stellplatzablösungsvertrages gemäß Art. 47 Abs. 3 Nr. 3 BayBO für den zusätzlich erforderlichen Stellplatz wird zugestimmt.

 

Herr Einhellig Christian, Ausschussmitglied, hat gemäß Art. 49 Abs. 1 Satz 1 GO als Planfertiger an der Beratung und Abstimmung nicht mitgewirkt.