Tagesordnungspunkt

TOP Ö 8: Städtische Liegenschaften;
Vorstellung des Bebauungskonzeptes für das Grundstück Fl.Nr. 328/0 der Gemarkung Straußdorf (Grafinger Straße 14)

BezeichnungInhalt
Sitzung:15.12.2015   BWUA/017/2015 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Erste Bürgermeisterin verwies eingangs auf die Sitzung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses vom 17.11.2015, TOP 5. Dort wurde beschlossen, die Schaffung weiteren Wohnraums auf dem über 4.000 m² großen Grundstück zu prüfen. Dem lagen die Überlegungen zu Grunde, dass angesichts des dringenden Wohnbedarfs ein Grundstück der dortigen Größe günstig für Neubauvorhaben genutzt werden kann. Demgegenüber sei die Aufstockung des Gebäudes Grafinger Straße 14 mit dort nur 2 neu geschaffenen Wohnungen vergleichsweise unwirtschaftlich.

 

Weiter wurde von der Sitzungsleiterin erklärt, dass die Straußdorfer Bevölkerung sowie die Arbeitsgruppe zur Dorferneuerung von Straußdorf den Überlegungen teilweise sehr kritisch und ablehnenden gegenüberstehen. Die öffentliche Berichterstattung hat hier zu erheblicher Kritik geführt. Konkret wurde von der Arbeitsgruppe kritisiert, dass hier diejenigen Freiflächen betroffen sind, denen in der künftigen Dorferneuerungsmaßnahme wichtige Bedeutung zukommt. Man würde hier der späteren Dorferneuerung wichtige Gestaltungsmöglichkeiten entziehen, wenn jetzt über eine Bebauung dieser Flächen entschieden wird.

 

Aus den genannten Gründen wurde von der Ersten Bürgermeisterin vorgeschlagen, in der heutigen Sitzung nur das Grobkonzept für eine erweiterte Bebauung bzw. einer Erweiterung des Gebäudes Grafinger Straße 14 vorzustellen, im Hinblick auf die Dorferneuerung aber vorerst von weiteren Entscheidungen abzusehen.

 

Die Sitzungsleiterin übergab anschließend Herrn Architekt Einhellig das Wort zur Vorstellung der Konzeptstudie. Von Herrn Einhellig wurde anhand einer Planskizze vorgestellt, wie man auf dem großen Grundstück mit einem Minimum an Erweiterung ein Maximum an Wohnfläche erreichen könnte. In einer ersten Untersuchung wurden mit einer Grundfläche von 100–140 m² mehrere Bebauungsvarianten erarbeitet. Diese Grundfläche ergibt sich aus dem Bestandsgebäude mit 10 x 14 Meter und der Idee der Grundrissgrößen der Wohnungen von entweder 50 m² für kleine Wohnungen und 100 m² für größere Wohnungen.

 

 

Variante 1  Variante 2  Variante 3

Variante 1                                                          Variante 2                                          Variante 3

 

 

Kurzbeschreibung:

Variante 1:          Abbruch der Garage und anschließend Neubau eines Wohnhauses als Anbau an den Bestand

Variante 2:          Neubau eines Wohnhauses parallel zum Bestand als Anbau an die bestehende Garage

Variante 3:          Neubau eines Wohnhauses als Anbau an die Garage, mit der Möglichkeit der Überbauung der Garage (Variante 1 ohne Garagenabbruch)

 

Variante

Vorteile

Nachteile

1

-       min. 4–6 Wohneinheiten

-       Abbruch der Garagen

-       Schaffung neuer Stellplätze

2

-       kein Eingriff in den Bestand

-       Abstandsflächen

-       Stellplatznachweis

3

-       geringster Eingriff in den Bestand

-       min. 3–4 neue Wohneinheiten

-       Überbaubarkeit der Garage evtl. möglich

-       größter Eingriff auf die Grünfläche

 

Jeder Quadratmeter mehr Wohnfläche und zusätzlich angebotene Wohneinheit bedeutet bei diesem großen Grundstück aber ein Problem bei den Stellplätzen, da der vorhandene Hof bereits für den Stellplatznachweis des Kindergartens, der Feuerwehr und des bestehenden Wohngebäudes erforderlich ist.

 

Variante 3_Stellplätze

 

Abschließend erklärte der Architekt, dass man als Planer trotz des großen Grundstücks hier sehr schnell an seine Grenzen komme und auch in Konflikt mit der Dorferneuerung.

 

Vom Bau-, Werk- und Umweltausschuss wurde es sehr begrüßt, das Vorhaben erstmal zurückzustellen und gemeinsam mit der Bürgerschaft von Straußdorf im Zuge der Dorferneuerung zu entwickeln.

 

Ein Ausschussmitglied merkte an, dass die Straußdorfer Bevölkerung sehr verärgert sei und sich gegen das Vorhaben ausspreche. Gerade was die Überbauung des Bolzplatzes betrifft, wurde erklärt, dass hier bereits seit Generationen Fußball, Basketball usw., gespielt werde.

 

Auch in einem weiteren Wortbeitrag wurden die heftigen Reaktionen aus der örtlichen Bevölkerung bestätigt. Es sei erkennbar, dass eine weitergehende Wohnbebauung im Bereich der Gemeinbedarfsflächen den Interessen der Straußdorfer Bevölkerung entgegenstehe. Der Ausbau des Dachgeschosses im Zuge der ohnehin notwendigen energetischen Sanierung sei deshalb unbedingt zu unterstützten und finde auch in der Bevölkerung Zustimmung. Hier können Wohnungen kurzfristig ohne Flächenverbrauch zu Lasten der Gemeinbedarfsfläche geschaffen werden. Ein Anbau kann dann immer noch geschaffen werden und wird durch diese Maßnahme nicht verhindert oder erschwert.

 

In der weiteren Beratung ging ein Ausschussmitglied kurz auf die finanziellen Mittel ein, die für den Anbau des Gebäudes Grafinger Straße 14 benötigt werden. Es wurde in Frage gestellt, ob aufgrund der geringen Mieteinnahmen in Straußdorf hier ein Anbau überhaupt rentabel sei. Ferner wurde vorgeschlagen, das Gesamtkonzept der Stadt hinsichtlich des sozialen Wohnungsbaus nochmals zu überarbeiten.

 

In der Diskussion wurde auf die ursprüngliche Absicht hingewiesen, die man bei dem Verweis auf die „Gesamtlösung“ nicht ganz aus den Augen verlieren sollte. So war der Ausgangspunkt die völlig unwirtschaftlichen Maßnahmen, um die Wohnungen im Gebäude Grafinger Straße 9 zumindest noch bewohnbar zu machen. Um einerseits weitere Investitionen in dieses nicht mehr sanierungsfähige Gebäude zu vermeiden, anderseits aber den dortigen Bewohnern die Möglichkeit zum Umzug im Ort geben zu können, wurde ein Ausbau des Dachgeschosses als brauchbare Lösung angesehen.

 

Die Erste Bürgermeisterin vertrat die Meinung, dass der vorgestellte Anbau ein sehr heftiger Eingriff in das Grundstück ist. Es wurde abschließend erneut vorgeschlagen, solche Veränderungen nicht ohne die Arbeitsgruppe zur Dorferneuerung von Straußdorf zu besprechen. Ferner wurde vorgeschlagen, das Gesamtwohnungskonzept für die städtischen Liegenschaften in einer der nächsten Sitzungen nochmals zu diskutieren.

 

Der Bau-, Werk- und Umweltausschuss nahm die Ausführungen zur Kenntnis und hat übereinstimmend zugestimmt, keine weiteren Entscheidungen hinsichtlich einer Bebauung des Grundstücks Fl.Nr. 328 der Gemarkung Straußdorf zu treffen (Nichtbefassung).