Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3: Bauantrag zum Abbruch eines Anbaues und der Errichtung eines Anbaues mit Einliegerwohnung auf dem Grundstück Fl.Nr. 777 der Gemarkung Grafing (Dichauer Weg 13)

BezeichnungInhalt
Sitzung:20.10.2015   BWUA/015/2015 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Der Bauantrag wurde vom Verwaltungsvertreter vorgestellt. Beantragt sind die Beseitigung des bestehenden Anbaus (Nordostseite) und die vergrößerte Neuerrichtung. In diesem Anbau ist ein Bad und ein Schlafzimmer als Erweiterung des Hauptgebäudes sowie eine eigene Wohneinheit mit rund 48 m² Wohnfläche (Einliegerwohnung) vorgesehen.

 

Das Vorhaben liegt im bauplanungsrechtlichen Außenbereich (§ 35 BauGB). Dort ist das nicht privilegierte Vorhaben dann zulässig, wenn es den Anforderungen der Begünstigung nach § 35 Abs. 4 Nr. 5 BauGB entspricht.

 

Der vorhandene und in zulässiger Weise (Baugenehmigung 06.04.1960) genehmigte Baubestand weist für das Hauptgebäude eine Wohnfläche von ca. 90 m² und im Querbau eine Wohnfläche von ca. 40 m² auf. Derzeit stehen etwa 130 m² Wohnfläche in zwei Wohneinheiten (Haupthaus und Anbau) im Bestand zur Verfügung.

 

§ 35 Abs. 4 Nr. 5 BauGB begünstigt die Erweiterung von Bestandswohngebäuden auf höchstens 2 Wohnungen, soweit diese im Verhältnis zum Baubestand und unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse angemessen sind. Diese doppelte Angemessenheit vermeidet, dass bereits ausreichend große Gebäude weitere Erweiterungen erhalten bzw. dass trotz Wohnraumbedarf auch Kleingebäude eine unangemessene Größe erhalten.

 

Mit dem Erweiterungsbau werden insgesamt 90 m² Wohnfläche geschaffen, davon zusätzlich (Beseitigung Bestandswohnung mit ca. 40 m²) ca. 50 m². Damit entstehen mit dem bestehenden Haupthaus (90 m² Wfl.) insgesamt ca. 180 m² Wohnfläche. Diese sind im Verhältnis zum Baubestand (130 m²) angemessen. Ob sie auch hinsichtlich der Angemessenheit der Wohnbedürfnisse zulässig sind, ist unter Rückgriff (als Richtlinie) auf die Wohnraumförderungsgesetze zu klären. Für Bayern sind dazu die Wohnraumförderungsbestimmungen 2012 (WFB 2012) maßgebend.

 

Für einen 4-Personen Haushalt in einem Eigenheim werden 130 m², für 5 Personen 145 m² Wohnfläche als angemessen betrachtet. Für die nach Angaben der Antragsteller vorgesehene Wohnung für ein pflegebedürftiges Familienmitglied sowie für das beruflich erforderliche Arbeitszimmer sind jeweils zusätzliche 15 m² Wohnfläche möglich (34.5–34.8 WFB 2012). Anhand dieser Auslegungsrichtlinien errechnet sich ein familienbezogener Wohnflächenbedarf von 175 m². Die beantragte Erweiterung mit dann ca. 180 m² Gesamtwohnfläche bei 2 Wohneinheiten ist damit noch als angemessen anzusehen.

 

Sonstige, durch die Begünstigung nach § 35 Abs. 4 BauGB nicht ausgenommene öffentliche Belange sind nicht berührt. Insbesondere erfolgt auch keine weitere Beeinträchtigung der geschützten Außenbereichsbelange durch zusätzliche Verkehrs- oder Abstellflächen. Die vorhandene Garage ist nach den Antragsunterlagen ausreichend.

 

Die Erschließung ist gesichert. Das Grundstück ist mittlerweile auch durch die zentrale Abwasserkanalisation erschlossen. Auch die Straßengrundabtretung für den dringend notwendigen verkehrsgerechten Ausbau des Dichauer Weges wurde bereits mit dem Rechtsvorgänger geregelt.

 

Hinweis:

Im Bestand waren zwei Wohneinheiten mit jeweils 2 Stellplätzen vorhanden (4 Stellplätze, nachgewiesen durch eine Doppelgarage mit Stauraumstellplätzen). Beantragt wird jetzt ein Mehrfamilienhaus mit einer Wohneinheit über 100 m² und einer Wohneinheit unter 100 m². Der Stellplatzbedarf beträgt 2 Stpl. + 1,5 Stpl.; somit gerundet wieder 4 Stellplätze. Der Stellplatznachweis ist damit erbracht.

 


Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Abbruch eines Anbaus und der Errichtung eines Anbaus mit Einliegerwohnung auf dem Grundstück Fl.Nr. 777/0 der Gemarkung Grafing, Dichauer Weg 13, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.