Tagesordnungspunkt

TOP Ö 20: Stadtwerke (Abwasser und Wasserversorgung);
Erweiterung des Trinkwasser- und Abwassernetzes der Stadtwerke Grafing;
Anschluss des Anwesens "Köstler" und Verbindung nach Schammach;
Billigung des Bauentwurfes und Durchführungsbeschluss

BezeichnungInhalt
Sitzung:28.07.2015   BWUA/013/2015 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Eingangs wurde vom Verwaltungsvertreter auf die Sitzung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses vom 18.11.2014 verwiesen, in der unter Tagesordnungspunkt 9 beschlossen wurde, das Abwassernetz durch die Errichtung eines Schmutzwasserkanals von der Glonner Straße/Abzweig Hammerschmiede über den Schammacher Weg bis zum Gärtnereigelände Köstler (Glonner Straße 41) zu erweitern.

Gleichzeitig mit der Kanalbaumaßnahme soll zur Verbesserung der Versorgungssituation ein Ringschluss durch Verbindung der Trinkwasserleitungen zwischen Grafing und Schammach hergestellt werden (Glonner Straße – Abzweig Pienzenauer Straße bis zur bestehenden Trinkwasserleitung im Schammacher Weg auf Höhe der Gärtnerei Köstler).

 

Mit der Untersuchung und Planung wurde das Ingenieurbüro Gruber-Buchecker aus Ebersberg beauftragt. Im Rahmen der Planungsarbeiten für die Kanalisierung und den Ringschluss der Trinkwasserleitung liegt jetzt der Bauentwurf (Entwurfsplanung) vor. Im Zuge der Planung wurde festgestellt, dass die Abwasser-Pumpstation, mit der das Abwasser aus dem Gewerbegebiet-Schammach und aus Schammach (Ortskanalisation) in die Kanalleitung bei Grafing-Bahnhof (Ebersberger Straße) befördert wird, erneuerungsbedürftig ist. Die Kosten für die anstehende Gesamterneuerung werden auf mindestens 40.000,– € brutto geschätzt.

 

Es wurde deshalb untersucht, alternativ zur Pumpstation (Ableitung nach Grafing-Bahnhof, Schmutzwasserkanal) einen frei ablaufenden Abwasserkanal (Freispiegelkanal) zur Glonner Straße (Mischwasserkanal) zu errichten. Damit könnte nicht nur auf die Erneuerung der Pumpstation verzichtet werden, sondern auch dauerhaft die Betriebskosten reduziert werden.

 

Da es sich in Schammach (Ort und Gewerbegebiet) um einen reinen Schmutzwasserkanal handelt, wurden zuerst die notwendigen Leistungsfähigkeit- und Schmutzfrachtberechnungen (Regenüberlaufe) durchgeführt. Danach ist der Mischwasserkanal in der Glonner Straße in der Lage, die Abwässer qualitativ und quantitativ aufzunehmen, und zwar auch unter Berücksichtigung der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets. Für die Abwasserbeseitigung sollte der Schmutzwasserkanal DN 250 ausgehend von der Glonner Straße (Ende des Mischwasserkanals am Abzweig Hammerschmiede) über den Schammacher Weg bis zum Gärtnereigelände Köstler (Glonner Straße 41) und von dort dann bis zur bestehenden Pumpstation (an der Bahnüberführung Schammach) verlängert werden.

Die Kostenschätzung für diese Maßnahme wurde mit rund 508.000,– € ermittelt.

 

Damit rechnet sich die Errichtung dieser Freispiegelleitung, auch unter Berücksichtigung der anstehenden Kosten der Erneuerung der Pumpstation und der Betriebskosten (auch bei Ansatz der kapitalisierten Betriebskosten) wirtschaftlich nicht. Eine Amortisierung der Baukosten wäre nicht innerhalb der Lebensdauer der neu erstellten Freispiegelleitung zu erreichen.

Der Anschlusskanal des Anwesens Köstler sollte jedoch, so der Vorschlag im Bauentwurf, eine Verlegtiefe erhalten, um optional die Verlegungen bis zum Pumpwerk Schammach zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen.

 

Der jetzt vorliegende Planentwurf vom 15.06.2015 sieht bezüglich der Trinkwasserversorgung – gemäß Beschluss vom 18.11.2014 – den Neubau von der Glonner Straße (Einmündung Pienzenauer Straße) bis zur bestehenden Trinkwasserleitung (Ringschluss) im Schammacher Weg (Gärtnerei Köstler) mit einer Nennweite von DN 150 vor.

In der Glonner Straße ist es notwendig, den Knoten relativ aufwändig umzubauen und die bislang ungesichert auf Privatgrund verlaufenden Leitungen stillzulegen. Aus technischer Sicht und auch im Hinblick auf die Versorgungssicherheit der geplanten Gewerbegebietserweiterung wäre es vorteilhaft, im weiteren Verlauf von der Gärtnerei Köstler bis zum Wiesenweg in Schammach die dort bestehende Leitung DN 80 (wurde mit der Ansiedlung der Gärtnerei vor knapp 10 Jahren erst neu errichtet und die Straßendecke in diesem Abschnitt erneuert) auf einer Länge von 280 Meter ebenfalls aufzuweiten auf eine einheitliche Nennweite von DN 150. Soweit aber auf den Kanalbau in diesem Streckenabschnitt verzichtet wird, kann auch der Wasserleitungsausbau (Aufweitung) zurückgestellt werden. Damit kann auch auf eine Erneuerung der in diesem Abschnitt ebenfalls erst 10 Jahre alten Straßendecke verzichtet werden.

 

Der Schammacher Weg soll nach Beendigung der Baumaßnahmen bis auf Höhe des Anschlusspunktes der bestehenden Wasserleitung (Gärtnerei Köstler, Westseite) mit einer neuen Deckschicht überzogen werden (Deckenverstärkung). Damit wird gleichzeitig der in diesem Abschnitt bereits schlechte Straßenzustand dauerhaft ertüchtigt. Eine Abrechenbarkeit dieser Maßnahme (Straßenausbaubeiträge) besteht nicht, da die Strecke außerhalb der geschlossenen Ortslage verläuft.

 

Alternativ bestünde die Möglichkeit, die Straße im sog. „Vollausbau“ insgesamt neu aufzubauen, was jedoch mehr als doppelt so hohe Kosten verursachen würde (nach Kostenschätzung rd. 81.000 € brutto zu 40.000 € brutto) und die Lebensdauer gegenüber der Deckenverstärkung nicht wesentlich verbessern würde. Bei der Deckenverstärkung kann der vorhandene, standfeste Unterbau verwendet werden, Entsorgungskosten für ggf. vorhandene belastete Asphalte fallen nicht an, da sie im Straßenkörper verbleiben. Es wird daher empfohlen, die Variante „Deckenverstärkung“ als wirtschaftlichere Lösung zu wählen.

 

Die Kostenschätzung für die Maßnahme ist mit Unsicherheiten hinsichtlich der Entsorgung von belastetem Material im Bereich der Rohrgräben sowie einer ggf. notwendigen Wasserhaltung während des Baus in den Rohrgräben behaftet.

 

Die Kostenschätzung ergibt folgendes Ergebnis:

 

1. SW-Kanal bis Anschluss Köstler (Schacht S76)                  ca.       310.000,– € brutto

2. SW-Kanal von Anschluss Köstler bis Pumpwerk Schammach            ca.       508.000, € brutto

3. Wasserleitung bis Anschluss an Bestand

    (Hydrant Westgrenze Grundstück Fl.Nr. 567)                      ca.       410.000,– € brutto

4. Aufweitung Wasserleitung von DN 80 auf DN 150

    bis Anschuss Bestand „Wiesenweg“                                     ca.       215.000, € brutto

5. Straßenbauarbeiten „Deckenverstärkung“

    im Teilabschnitt des Leitungsbaus (Nrn. 1, 3)                     ca.         40.000,– € brutto

Gesamt (1–5)                                                                          ca.     1.483.000, € brutto

Gesamt (1, 3, 5)                                                                      ca.        760.000,– € brutto

 

 

Von einem Ausschussmitglied wurde nach Ausführung des Tagesordnungspunktes nachgefragt, weshalb die Firma Köstler seitens der Verwaltung im Vorfeld nicht über die anfallenden Herstellungsbeiträge informiert wurde. Die Verwaltung wurde darum gebeten, künftig die Bürger besser zu informieren.

 

Aufgrund der doch sehr hohen Baukosten wurde in einem Redebeitrag bezweifelt, ob die Planung seitens der Verwaltung gut durchdacht ist und Alternativen überprüft wurden. Der Verwaltungsvertreter erklärte daraufhin, dass es durchaus günstigere Möglichkeiten gibt. Hier muss aber beachtet werden, dass diese für die weiteren Erschließungen von Schammach nicht zukunftsfähig sind.

 


Nach Sachvortrag und kurzer Beratung beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss mit allen gegen 1 Stimme, wie folgt:

 

Der Erweiterung des Abwassernetzes durch die Errichtung eines Schmutzwasserkanals im Freispiegel von der Glonner Straße/Abzweig Hammerschmiede über den Schammacher Weg bis zum Gärtnereigelände Köstler (Glonner Straße 41) auf dem Grundstück Fl.Nr. 567 der Gemarkung Nettelkofen mit einer Länge von 400 Meter wird zugestimmt.

Gleichzeitig mit der Kanalbaumaßnahme wird der Errichtung einer Trinkwasser-Ringleitung zugestimmt. Hierfür ist der Bau einer Wasserleitung DN 150 von der Glonner Straße (Abzweig Pienzenauer Straße) bis zur bestehenden Trinkwasserleitung am westlichen Ende des Grundstücks der Gärtnerei Köstler vorgesehen (Ringschluss).

 

Nach Fertigstellung der Maßnahme ist die Straßenoberfläche des Schammacher We­ges im Bereich der Baumaßnahmen im Zuge einer „Deckenverstärkung“ mit einer neuen Deckschicht zu ertüchtigen.

 

Auf die Teilmaßnahmen Nr. 2 (Errichtung der Freispiegelleitung von der Pumpstation in Schammach bis zum geplanten Endschacht des Freispiegelkanals zum Anwesen Köstler) und Nr. 4 (Aufweitung der Wasserleitung vom Wiesenweg bis zum Anwesen Köstler) wird verzichtet.

 

Die Planung mit Planungsstand vom 15.06.2015 des Ingenieurbüros Gruber-Buchecker aus Ebersberg wird gebilligt und die Durchführung der Maßnahme beschlossen (Maßnahmenbeschluss).