Tagesordnungspunkt

TOP Ö 5: Bauantrag zum Neubau eines Einfamilienhauses mit Garage auf dem Grundstück Fl.Nr. 418/19 der Gemarkung Grafing (Goldberg 7)

BezeichnungInhalt
Sitzung:18.11.2014   BWUA/005/2014 
DokumenttypBezeichnungAktionen

Vom Vertreter der Verwaltung wurde der Bauantrag vorgestellt. Es wurde erörtert, dass das Vorhaben im unbeplanten Innenbereich liegt und sich die Vorhabenzulässigkeit somit nach § 34 BauGB beurteilt.

 

Hinsichtlich der überbaubaren Grundfläche und der Zahl der Vollgeschosse wird das Maß der baulichen Nutzung der näheren Umgebungsbebauung fraglos eingehalten. Problematisch ist aber die beantragte Wandhöhe von 6,90 Meter bzw. die Firsthöhe von 10 Meter.

 

Bereits in den Beratungsgesprächen wurde gegenüber dem Antragsteller/Entwurfsverfasser erklärt, dass der Einfügungsrahmen für das Maß der baulichen Nutzung von der Bebauung zwischen den Straßen „Goldberg“ und „Gerhart-Hauptmann-Straße“ gebildet wird. Zum einen ist beim Einfügungskriterium „Maß der baulichen Nutzung“ der prägende Bereich deutlich enger zu begrenzen, als etwa bei der Art der baulichen Nutzung. Maßgeblich ist hier regelmäßig die Nachbarbebauung. Zum anderen ist bei der Bezugnahme auch diejenige Nachbarbebauung außer Acht zu lassen, die eine andere städtebauliche Struktur aufweist. Unmaßgeblich bleiben außerdem Bauhöhen, die auf bodenrechtliche Besonderheiten zurückgehen (Gelände).

 

Unter Berücksichtigung dieser Anforderungen beträgt der Rahmen der prägenden Umgebungsbebauung für die

a) Wandhöhe: 4,20 bis 6,70 Meter

b) Firsthöhe: 7 bis 9,00 Meter

 

Den vom Entwurfsverfasser angeführten Bezugsvorhaben entlang der Bahnhofstraße, die in auffälliger Weise (teilweise geländebedingt) höhere Firsthöhen (bis 10,20 Meter) aufweisen (die Wandhöhen unterscheiden sich nicht), entfalten für das Baugrundstück dagegen keine Prägungswirkung. Diese Gebäude setzen sich hinsichtlich der Firsthöhe auffällig von der Bebauung nördlich der Straße „Goldberg“ ab, innerhalb der sich das Baugrundstück befindet und die den Einfügungsrahmen für das Baugrundstück bilden. Diese wechselnden städtebaulichen Strukturen sind es, die hier eine differenzierte Betrachtung bei der Rahmenbildung verlangen.

 

Eine Überschreitung des Einfügungsrahmens führt regelmäßig zu bodenrechtlichen Spannungen, da es das Baugebiet in planungsdürftiger Weise verändert. Das gilt umso mehr im hier vorliegenden Quartier, in dem ohnehin schon Gebäude sehr unterschiedlicher Bauhöhe nebeneinander liegen. So würde beispielsweise sogar zum östlichen Nachbarhaus Goldberg 9 und 9a ein absoluter Höhenunterschied der Firsthöhe von 2 Meter entstehen. Das Dachgeschoss erreicht hier sogar ein Ausmaß, das nur knapp unter der Vollgeschosseigenschaft bleibt. Da das Einfügungsgebot auf die äußere Wirkung und nicht auf die Feinheiten der Berechnungsregeln abstellt, zeigt sich auch hier städtebauliche Dimension, die mit der beantragten Bauhöhe erreicht wird.

 

Das Einfügungsgebot verlangt deshalb eine Reduzierung

a) der Wandhöhe (geringfügig) von 6,90 auf 6,70 Meter und

b) der Firsthöhe um 1 auf max. 9 Meter

 

Seitens der Verwaltung wurde dem Gremium empfohlen, zum vorgelegten Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen unter der Maßgabe zu erteilen, dass die Firsthöhe auf max. 9 Meter und die Wandhöhe auf max. 6,70 Meter reduziert wird.

 

In der anschließenden Beratung konnte sich ein Teil der Ausschussmitglieder dem Verwaltungsvorschlag nicht anschließen. Verschiedene Ausschussmitglieder haben erklärt, dass aufgrund von Gesprächen mit dem Antragsteller die örtliche Situation in Augenschein genommen wurde. Es wurde die Meinung vertreten, dass sich das Gebäude auch in der beantragten Größe noch in die Umgebungsbebauung einfügt, da im Umfeld bereits Häuser in vergleichbarer Höhe vorhanden sind. Des Weiteren wurde von einem Ausschussmitglied erklärt, dass sämtliche Nachbarn ihre Zustimmung zu dem Vorhaben mit ihrer Unterschrift auf den Bauplänen bestätigt haben, was für die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens spricht.

 

Ein weiteres Ausschussmitglied konnte die Haltung der Verwaltung nachvollziehen und erklärte, dass mit einer Reduzierung der Wandhöhe auf 6,70 Meter das Dachgeschoss noch optimal genutzt werden kann. In der beantragten Größe wirkt das Gebäude unproportioniert und führt aufgrund seiner Bezugsfallwirkung zu einer nachhaltigen negativen Veränderung der dortigen Bebauung.

 

Hinsichtlich der Möglichkeit einer Ortseinsicht wurde erklärt, dass die nächste turnusmäßige Sitzung des Bau-, Werk- und Umweltausschusses erst am 16.12.2014 ist, die Fiktionsfrist des § 36 BauGB aber bereits am 14.12.2014 abläuft. Allein durch Rücknahme des Bauantrages könnte die Fiktionsfrist unterbrochen werden.

 


Nach Sachvortrag und kurzer Beratung beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss entgegen dem Verwaltungsvorschlag mit allen gegen 4 Stimmen, zum Bauantrag für den Neubau eines Einfamilienhauses mit Garage auf dem Grundstück Fl.Nr. 418/19 der Gemarkung Grafing, Goldberg 7, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.